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Der Bundestag hat die Solarförderung im Rahmen des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG) geändert. In dem Gesetz sind die auf 20 Jahre garantierten Abnahmepreise für Solarstrom geregelt, die deutlich über dem allgemeinen Strompreis liegen. Der Grund für die Novellierung: Die Differenz muss über eine Umlage von allen Verbrauchern getragen werden und da die Kosten für Solaranlagen im vergangenen Jahr deutlich sanken, brach ein Boom aus. Daraus entstehen für die nächsten Jahre Zusatzkosten in Milliardenhöhe für die Stromkunden. Um das zu verhindern, wurde die Kürzung der Förderung beschlossen.
Von Stefan Lakeband für tagesschau.de
Der Kern des EEG soll bestehen bleiben: Bis 2020 soll der Anteil von Ökostrom in Deutschland mindestens 30 Prozent betragen. Das erfordert Investitionen in Solaranlagen, Windräder und Biogas, aber auch die Netze müssen umgestaltet werden, denn die grüne Energie ist nicht beständig und Schwankungen müssen ausgeglichen werden.
Das Stichwort in diesem Zusammenhang ist "smart grid" - intelligente Stromnetze. Wenn zu viel Strom produziert wird, kann dieser zum Beispiel in Pumpspeichern zwischengespeichert werden und bei geringer Stromproduktion wieder ins Netz eingespeist werden. Auf der Hochspannungsebene der herkömmlichen Kraftwerke, die von den vier großen Energieversorgern betrieben werden, gibt es so ein Zwischenspeicher-System schon lange.
Aber auch auf der Niedrig- und Mittelspannungsebene sind intelligente Systeme wichtig, also da, wo kleinere Anbieter wie Stadtwerke mit lokalen Stromerzeugern agieren. Denn immer mehr private Haushalte erzeugen durch Windkraft, Blockkraftwerke oder Sonnenenergie eigenen Strom. Noch ist dieser Anteil sehr gering. Sollte er aber wachsen, können auch diese zu viel Strom produzieren, wodurch es zu einer zu hohen Netzspannung kommen kann.
Um das zu verhindern, muss man die Netzauslastung kennen, damit die Überproduktion zum Beispiel in Batterien zu Hause gespeichert werden kann. Dafür braucht man aber aktuelle Daten über die Belastung der Netze, die gesammelt und ausgewertet werden. Daraus wird dann errechnet, wie viel Strom eingespeist werden darf. "Dieses Sammeln und Steuern in einer Zentrale ist der Kern des 'smart grid'", erklärt Georg Erdmann, Professor an der TU Berlin und Leiter des Fachgebiets Energiesysteme.
An die Daten kommt man mit einem sogenannten "smart meter" - digitale Stromableser, die dabei helfen, Strom zu sparen. Während heutzutage noch ein Mal im Jahr der Strom manuell am Zähler abgelesen wird, werden hier die Daten des Abnehmers per Internet direkt an den Anbieter übermittelt, damit auf die Bedürfnisse des Strommarktes eingegangen werden kann.
Der Vorteil für den Stromkunden: Er kann durch die Messgeräte auch seinen aktuellen Stromverbrauch sehen und weiß durch die Rückkopplung mit seinem Energieversorger, zu welcher Tageszeit der Strom preiswert ist und wann er mehr kostet. "Wenn sie dann ständig auf den 'smart meter' gucken, wissen die Kunden, wann sie Strom sparen können", erklärt Erdmann. Erste Tests mit einem intelligenten Stromnetz des Energieversorgers EnBW haben gezeigt, dass das Einsparungspotenzial auch genutzt wird. "Die Kunden reagieren darauf und waschen zum Beispiel zu den Zeiten, in denen der Strom preiswert ist", sagt Hellmuth Frey, der den Versuch leitet.
Ein weiterer Versuch findet in Cuxhaven statt. Hier betreibt der Energieversorger EWE das Projekt "eTelligence", das Stromerzeuger, Verbraucher und Netzbetreiber auf einem Marktplatz zusammenführen soll. Dort treffen Strom aus Windenergieanlagen und aus herkömmlichen Kraftwerken aufeinander. Ein neues System berechnet das Stromaufkommen und die Auslastung. Im Falle einer Überproduktion von Strom wird dieser in Kühlhäusern "zwischengespeichert", die als eine Art Batterien fungieren. Wenn zu wenig Strom produziert wird, fahren die Kühlhäuser ihre Leistung runter und zehren von der gespeicherten Kälte. Für alle anderen Verbraucher ist dadurch genug Strom auf dem Markt vorhanden.
"Die größte Herausforderung hierbei ist die IT-Infrastruktur zu schaffen, die alle Akteure übergreifend vernetzt", erklärt Projektleiter Wolfram Krause. Wenn die geschaffen ist, können so die Schwankungen beim Ökostrom ausgeglichen werden. "Das braucht der Windmüller, um seinen Strom verkaufen zu können. Gleichzeitig verkauft der Kühlhausbetreiber seine Flexibilität."
Bis solche Systeme flächendeckend laufen, wird es noch Jahrzehnte dauern, schätzen Experten. Die EU-Kommission geht davon aus, dass in den nächsten 20 Jahren etwa 400 Milliarden Euro in ganz Europa investiert werden müssen. Allein in Deutschland wurden für das Jahr 2009 4,3 Milliarden Euro für den Ausbau der Stromnetze von der Bundesnetzagentur genehmigt, um einerseits neue Leitungen zu bauen, aber auch, um das Stromnetz den Anforderungen anzupassen, nach denen der Ökostrom verlangt.
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