10 Jahre Skype: Wie ein Gratis-Dienst Milliarden machte

Ein User telefoniert über Skype. (Bildquelle: dpa)

Zehn Jahre Skype

Wie ein Gratis-Dienst Milliarden brachte

Skype feiert Jubliläum: Vor zehn Jahren registrierten zwei Skandinavier die Domain. Heute nutzen Millionen die Software für Internettelefonie. Grund: Skypen ist gratis, nur Zusatzdienste kosten. Der Gewinn des Unternehmens blieb zunächst überschaubar. Doch dann rissen sich die Großen der Branche um Skype.

Von Alina Pluskota für tagesschau.de

Geburtstage feiern, Nachhilfe geben, Fernbeziehungen führen oder Bewerbungsgespräche leiten: Skype hat den Alltag vieler Menschen verändert und Entfernungen in Mausklicks aufgelöst. Mit dem Internettelefonie-Dienst treten Menschen weltweit in Kontakt per Chat, Audio oder Video. Passend zum zehnjährigen Geburtstag meldete das Unternehmen diesen Monat einen Nutzungsrekord: Mehr als 33 Millionen Stunden wird täglich gechattet und telefoniert, und das zum größten Teil gratis.

Es geschah in Estland

Skype gehört zu den Erfolgsgeschichten in der Welt des Internets. Entstanden ist sie aber nicht in einer Garage in den USA, sondern in der estnischen Hauptstadt Tallinn. Telefonieren mit dem Handy war damals teuer, eine Alternative musste her. Daran arbeiteten im Sommer 2002 der Schwede Niklas Zennström und sein dänischer Partner Janus Friis. Die Idee: Telefonieren über das Internet, aber kostenlos.

Skype-Gründer Niklas Zennström (Bildquelle: AFP)
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Skype-Gründer Zennström studierte Infomatik und Managementwissenschaften.

Eine Software für internetbasierte Telefonie (Voice over IP) gab es schon lange vor Skype. Installation und Nutzung war allerdings nicht massentauglich. Zennström und Fries setzten ihre eigene Übertragungstechnik ein. Heraus kam Skype, einfach zu installieren und mit besserer Sprachqualität. Im Gegensatz zu Voice over IP ist beim Peer-to-Peer-Prinzip jeder angeschlossene Computer gleichzeitig ein Server. Die Datenpakete werden direkt zwischen den einzelnen Computern hin und her geschickt.

Die Skype-Gründer hatten diese Technik auch zuvor bei ihrer Musiktauschbörse Kazaa eingesetzt. Mit dem kostenlosen Download von Musikdateien verärgerten sie die Plattenindustrie. Heute gibt es Kazaa nicht mehr. Am 23. April 2003 sicherten sie sich die Internetadressen skype.com und skype.net. Kurz darauf startete der Hype um das neue Angebot. Nach eineinhalb Jahren waren über eine Million Nutzer gleichzeitig online.

Der "Lebenslauf" von Skype

2002: Idee und Projektstart von "Skyper" (Sky Peer-to-Peer)
23. April 2003: Domains www.skype.com und www.skype.net gesichert
August 2003: Erste Skype-Software verfügbar
September 2003: 60.000 Downloads
2004: Eine Million Skype-Nutzer gleichzeitig online
2005: Ebay kauft Skype
2009: Investmentgesellschaft Silver Lake kauft Skype
2011: Microsoft kauft Skype
2013: Rekord: Täglich über zwei Milliarden Minuten Chat und Telefonie.

Erfolg durch Masse

Doch woher der rasante Erfolg? Für Torsten Gerpott, Professor für Telekommunikationswirtschaft an der Universität Duisburg-Essen, ist die Antwort auf diese Frage einfach: "Skype war kostenlos und als Erster auf dem Markt. Dann gilt das Gesetz der kritischen Masse." Da skypen nur dann gratis ist, wenn das Gegenüber auch Skype installiert, entstand eine Kettenreaktion.

Heute hat das Unternehmen mehr als 665 Millionen Nutzer weltweit. Ähnliche Dienste wie Google Talk und Viber haben es dann schwer. "Skype hat sich als Standard etabliert, Konkurrenzprogramme schaffen das nicht mehr", sagte NDR-Netz-Experte Fiete Stegers. "Dafür müsste schon Skype seine Nutzer vergraulen oder ein Konkurrent deutlich mehr bieten. Facebook hätte zum Beispiel das Potenzial."

Alle skypen, nur ein Prozent zahlt

Der Marktforschungsgruppe TeleGeography zufolge läuft inzwischen ein Viertel der internationalen Telefonie über Skype. Die Idee, kostenlos übers Internet zu telefonieren, war ein Erfolg. Viel Gewinn machten die Gründer mit diesem Geschäftsmodell direkt aber nicht. Zennström und Friis wollten mit Telefonaten ins Festnetz oder zusätzlichen Premium-Diensten Geld verdienen. Doch bezahlen wollen nur wenige: Rund ein bis zwei Prozent der Nutzer geben Geld für Skype aus.

Dennoch lockten die steigenden Nutzerzahlen Käufer an. Im September 2005 investierte eBay über drei Milliarden US-Dollar in Skype. Die hohen Erwartungen des Internetauktionshauses erfüllten sich aber nicht. Vier Jahre später kaufte die Investmentgesellschaft Silver Lake die Skype-Mehrheit.

Microsoft schnappte zu

Laptop mit Windows 8 (Bildquelle: AFP)
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Seit dem 14. Oktober 2011 ist Skype ein neuer Geschäftsbereich von Microsoft.

Die Idee Skype entpuppte sich immer mehr als Erfolg und zog 2011 die großen Player Facebook, Google und Microsoft an. Zugeschlagen hat Microsoft. Bezahlt hat der Software-Hersteller 8,5 Milliarden US-Dollar, den zehnfachen Jahresumsatz von Skype. Ziel sei es, mit Skype existierende Produkte zu verbessern, schrieb der Konzern im Jahresbericht 2011/12.

Der Internettelefonie-Dienst ersetzte den eigenen Chat-Dienst Windows Live. "Die Logik von Microsoft war, Skype in die eigene Software zu integrieren, direkt anklickbar zu machen und damit ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber anderen Softwarebetreibern zu haben", erklärt Telekommunikationsexperte Gerpott. Doch der Kauf stand immer wieder in der Kritik. Der Preis sei zu hoch für einen kostenlosen Telefoniedienst. "Microsoft hat sich in der Werthaltigkeit des Unternehmens getäuscht", so Gerpott.

Was machen die Skype-Gründer heute?

Niklas Zennström ist CEO und Mitgründer der Risikokapitalfirma Atomico.
Janus Fries gründete 2010 Rdio, einen Online-Anbieter für Musik.

Skype bleibt Skype

Trotz der Übernahme existiert Skype auch noch unabhängig von Microsoft und wird wohl nicht so schnell vom Markt verschwinden. Der Branchenverband Bitkom schätzt, dass bereits 2014 in Deutschland mehr als die Hälfte des Handy-Datenverkehrs für Skype und Konkurrenzprogramme wie Whatsapp und Google Talk genutzt wird. Den Kaufpreis wird das Microsoft wohl nicht wieder einbringen, aber vielleicht weitere Millionen Nutzer.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 11. Dezember 2013 um 10:30 Uhr.

Stand: 23.04.2013 10:51 Uhr

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