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Nur wenige Monate nach der Ausstiegsankündigung beim französischen Atom-Konzern Areva plant Siemens mit dem russischen Staatskonzern Rosatom den Wiedereinstieg in die Atomenergietechnik. Beide Unternehmen kündigten in Berlin die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens zum Bau von Kernkraftwerken an.
[Bildunterschrift: Schnell handelseinig: Peter Löscher und Sergej Kirijenko (Archiv) ]
Gemeinsam wollen Rosatom und Siemens zum Weltmarktführer in dem Segment aufsteigen. Das noch namenlose Gemeinschaftsunternehmen soll in Ländern außerhalb Russlands und Deutschlands neue Reaktoren bauen, wie Rosatom-Chef Sergej Kirijenko betonte. Daneben soll die Entwicklung von Druckwasserreaktoren vorangetrieben werden. Auch die Modernisierung von Kraftwerken und eventuell die Gewinnung von Nuklearbrennstoff sowie die Stillegung von Altanlagen könnten zum Geschäft der gemeinsamen Tochter werden.
Die Mehrheit von 50 Prozent und einer Aktie an dem geplanten Joint Venture soll gemäß einer Absichtserklärung in russischer Hand bleiben. Trotz der Minderheit sprach ein Siemens-Sprecher von einer "erheblichen Ausweitung unserer unternehmerischen Handlungsfähigkeit".
Möglicherweise ist dieses Arrangement eine Folge des Ausscheidens von Siemens bei Areva. Der Konzern hatte Ende Januar seinen Rückzug angekündigt und dies mit fehlenden unternehmerischen Einflussmöglichkeiten in dem Joint Venture begründet.
Nach Angaben aus Industriekreisen wäre der deutsche Konzern bei einer gleichberechtigten Partnerschaft mit Rosatom Gefahr gelaufen, mit Areva in Vertragsstreitigkeiten zu geraten. Eine Wettbewerbsklausel in den Verträgen mit den Franzosen schränkt den Handlungsraum der Deutschen ein.
[Bildunterschrift: Soll mit russischen Brennstäben betrieben werden: Iranisches Atomkraftwerk Buschehr ]
Die Verhandlungen über die Kooperation verlaufen bislang ungewöhnlich schnell. Erst vor vier Wochen hatte Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin Siemens Gespräche mit dem Staatskonzern über eine Partnerschaft angeboten. Löscher zufolge wird das Projekt auch von der Bundesregierung unterstützt.
Siemens vollzieht mit dem Wiedereinstieg in die Nukleartechnik eine Trendwende. Ende der 1990er-Jahre war der Konzern unter Heinrich von Pierer im Wesentlichen aus dem Reaktorbau ausgestiegen und hatte den entsprechenden Geschäftszweig mehrheitlich an Areva abgegeben.
In der neuen Kooperation will sich der deutsche Konzern erstmals wieder im "heißen Bereich" der Nukleartechnik engagieren. Basis dafür ist die russische Druckwasserreaktor-Technologie (WWER). Bislang liefert Siemens nur konventionelle Technik für Kernkraftwerke wie Turbinen und Steuerungsanlagen. Löscher verwies darauf, dass weltweit bis 2030 der Neubau von 400 Kernkraftwerken mit einem Investitionsvolumen von mehr als einer Billion Euro prognostiziert werde.
Finanzielle Details der Vereinbarung wurden bislang nicht genannt. Bis spätestens Mai sollen die Verträge unter Dach und Fach sein.
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