Siemens-Logo vor einem bewölkten Himmel

Streit um Turbinen auf Krim Siemens reduziert Kooperation in Russland

Stand: 21.07.2017 11:11 Uhr

Nachdem sanktionswidrig Siemens-Turbinen auf die Krim gelangt sind, fährt der Konzern seine Aktivitäten in Russland zurück. Unter anderem wird die Lieferung von Kraftwerksausrüstung an staatlich kontrollierte Firmen in Russland "bis auf Weiteres" gestoppt.

Im Streit um die Lieferung von Siemens-Gasturbinen auf die Krim zieht der deutsche Konzern Konsequenzen.

Siemens kündigte mehrere Maßnahmen an. So werde die Lieferung von Kraftwerksausrüstung an staatlich kontrollierte Firmen in Russland "bis auf Weiteres" gestoppt. Auch würden weitere Kontrollmechanismen eingeführt.

Zudem will sich Siemens von seiner Beteiligung an dem russischem Unternehmen Interautomatika trennen, das Produkte für Kontrollsysteme in Kraftwerken anbietet. Zwei Siemens-Mitarbeiter, die in den Interautomatika-Aufsichtsrat entsandt wurden, würden ausgetauscht beziehungsweise lassen ihr Amt ruhen.

Vier Turbinen auf der Krim

Siemens teilte zudem mit, dass inzwischen glaubhafte Informationen vorlägen, wonach nicht nur zwei, sondern vier Turbinen modifiziert und rechtswidrig auf die Krim gebracht worden seien. Siemens hatte die Turbinen eigentlich für Kraftwerke im südrussischen Taman geliefert. Diese wurden aber nie gebaut.

"Siemens hatte alle in seiner Macht stehenden Maßnahmen ergriffen, dies zu verhindern. Dieses Vorgehen stellt einen eklatanten Bruch der Lieferverträge mit Siemens, des Vertrauens und der EU-Regularien dar."

Siemens will an seiner Strafanzeige gegen die Verantwortlichen und an seiner Klage auf Einhaltung der Verträge festhalten.

Betroffen sind der russische Abnehmer Technopromexport (TPE) und das Siemens-Gemeinschaftsunternehmen Siemens Gas Turbines Technologies LLC. An dem in St. Petersburg ansässigen Joint Venture, das Turbinen herstellt, hält Siemens die Mehrheit.

Baustelle für ein Kraftwerk bei Sewastopol auf der Krim | Bildquelle: REUTERS
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Die Krim leidet seit der Annexion durch Russland unter Energieknappheit. Ein Kraftwerk bei Sewastopol soll Abhilfe schaffen.

Gaskraftwerke für Stromversorgung auf der Krim

TPE, der Generalunternehmer für die beiden Krim-Kraftwerke, erklärte dagegen, man habe die Turbinen auf dem Zweitmarkt gekauft. Sie seien von russischen Spezialisten modernisiert worden.

Die Regierung in Moskau steht auf dem Standpunkt, dass es sich um Turbinen aus russischer Produktion handele, die deshalb nicht den Sanktionen unterlägen. "Die Turbinen haben ein russisches Zertifikat", erklärte Industrieminister Denis Manturow. Russland habe sich völlig korrekt verhalten.

Präsident Wladimir Putin hat versprochen, die Stromversorgung auf der ukrainischen Krim sicherzustellen und will dort deshalb zwei Gaskraftwerke bauen.

Kraftwerksbau bei Simferopol (Krim) | Bildquelle: REUTERS
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Auch bei Simferopol entsteht ein neues Kraftwerk.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. Juli 2017 um 10:00 Uhr.

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