Siemens-Chef Kaeser und Alstom Chef Poupart-Lafarge | Bildquelle: AFP

Pläne von Siemens und Alstom Europas neuer Riese im Zuggeschäft

Stand: 27.09.2017 14:21 Uhr

Die Hochgeschwindigkeitszüge ICE und TGV kommen künftig aus einem Haus. Die Konzerne Siemens und Alstom haben sich auf eine Zusammenlegung ihres Zuggeschäftes geeinigt. Welche Folgen hat die deutsch-französische Fusion?

Die Hersteller Siemens und Alstom wollen ihre Zuggeschäfte zusammenlegen. Die Aufsichtsräte der beiden ehemaligen Konkurrenten stimmten der Fusion bereits zu. Nun gaben die Unternehmen wichtige Details zum geplanten Zusammenschluss bekannt.

Wie wird das neue Unternehmen aussehen?

Alstom-Chef Henri Poupart-Lafarge verkündet die Fusionspläne mit Siemens | Bildquelle: AFP
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Er wird den neuen Bahntechnik-Konzern führen: Alstom Chef Henri Poupart-Lafarge

Der neue Konzern soll den Namen "Siemens Alstom" tragen. Es handele sich um einen "Zusammenschluss unter Gleichen", kündigte Siemens-Chef Joe Kaeser an. Die Konzernzentrale und die Geschäftsführung wird den Planungen zufolge im Großraum Paris angesiedelt, das Unternehmen wird auch an der Pariser Börse gelistet. Vorstandschef des neuen deutsch-französischen Unternehmens soll Alstom-Chef Henri Poupart-Lafarge werden. Er nannte die Fusion einen "Schlüsselmoment in der Geschichte von Alstom."

Siemens soll im Gegenzug knapp über 50 Prozent der Anteile an dem neuen Unternehmen bekommen und wird damit Mehrheitseigner. Gemessen an den Renditen und am Auftragsbestand hätten es gut 60 Prozent sein müssen, sagte Siemens-Chef Kaeser laut der Nachrichtenagentur Reuters. Siemens bringe aber einige Schulden mit und zahle eine "Kontrollprämie" dafür, dass man das Gemeinschaftsunternehmen voll in der eigenen Bilanz führen könne. Nach einer Wartefrist von vier Jahren kann Siemens seine Anteile aufstocken. Das neue Unternehmen zählt nach Konzernangaben rund 62.300 Mitarbeiter in mehr als 60 Ländern.

Siemens und Alstom fusionieren Zugsparte
tagesschau 20:00 Uhr, 27.09.2017, Christoph Arnowski, BR

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Was wird aus den Mitarbeitern?

Siemens und Alstom äußerten sich zunächst nur vage über mögliche Folgen für Arbeitsplätze. Laut IG Metall sollen die bisherigen Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter beider Konzerne erhalten bleiben: Unternehmen und Arbeitnehmervertreter hätten sich unter anderem auf vierjährige  Standortgarantien und Kündigungsverzichte geeinigt sowie einen Erhalt der Mitbestimmung ausgehandelt. Jürgen Wechsler, Bezirksleiter der IG Metall Bayern sagte, es sei sichergestellt, "dass die Beschäftigten keine Nachteile erleiden."

Firmenschilder Siemens und Alstom
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Künftig ein großer europäischer Konzern im Zuggeschäft: Der fusionierte Bahntechnik-Konzern von Siemens und Alstom.

Da beide Unternehmen Mitarbeiter in ähnlichen Bereichen beschäftigen, lässt sich ein Stellenabbau langfristig aber kaum verhindern. Die wichtigste Alstom-Gewerkschaft CFE-CGC befürwortet den Zusammenschluss zwar, sie hält auf lange Sicht aber einen Stellenabbau für unvermeidbar. Die Bahn-Unternehmen seien "komplett symmetrisch", sagte der Gewerkschaftskoordinator Claude Mandart der Nachrichtenagentur dpa. Demzufolge kursieren Schätzungen, wonach rund 3000 Jobs auf der Kippe stehen könnten. "Natürlich sind Stellenstreichungen Teil der Synergien", sagte Siemens-Chef Kaeser heute in Paris. Dabei gehe es aber um Funktionen in der Verwaltung, etwa in der Personalabteilung. "Was die Technik betrifft, werden wir unsere Kompetenzen bündeln, nicht reduzieren."

Siemens beschäftigt in Deutschland rund 13.500 Mitarbeiter im Zuggeschäft, unter anderem an den Standorten Krefeld, Braunschweig, München, Erlangen und Berlin. Alstom hat in Deutschland rund 3000 Beschäftigte, davon arbeitet ein Großteil in Salzgitter.

Warum der Zusammenschluss?

Veränderungen in der Eisenbahnbranche bahnen sich seit Längerem an. Der Wettbewerbsdruck war gewachsen, nachdem die beiden größten chinesischen Zughersteller zum Giganten CRRC verschmolzen waren. Der Weltmarkt habe sich in den vergangenen Jahren erheblich gewandelt, sagte Siemens-Chef Kaeser. "Ein marktbeherrschender Akteur in Asien hat die globale Marktdynamik verändert", begründete er die deutsch-französische Fusion. Selbst die Deutsche Bahn hat sich schon nach günstigen Komponenten für ihre Züge in China umgeschaut. Der fusionierte Konzern Siemens Alstom will dem chinesischen Weltmarktführer jetzt Paroli bieten. "Wir haben die Kraft und den Willen, einen europäischen Champion zu schaffen", sagte Kaeser.

Siemens-Chef Joe Kaeser verkündet Fusion mit Alstom | Bildquelle: AFP
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"Wir haben die Kraft, einen europäischen Champion zu schaffen", sagt Joe Kaeser.

Im Zuggeschäft hatten Siemens und Alstom im vergangenen Jahr zusammengerechnet einen Umsatz von 15,3 Milliarden Euro. Siemens erhofft sich durch die Fusion einen Zuwachs von durchschnittlich mehr als vier Prozent pro Jahr, damit würde der gemeinsame Umsatz auf mehr als 20 Milliarden Euro im Jahr 2023 anwachsen. Die aus zwei Staatskonzernen fusionierte chinesische Konkurrenz CRRC erreicht allerdings schon heute 30,5 Milliarden Euro Umsatz.

Wie wahrscheinlich sind Synergieeffekte?

Siemens und Alstom erwarten durch die Fusion Einspareffekte von jährlich 470 Millionen Euro, spätestens ab dem vierten Jahr nach der Zusammenlegung. Analysten zweifeln allerdings an diesen Zahlen. Deutsche-Bank-Analyst Gael de-Bray sagte der Nachrichtenagentur Reuters, Synergieeffekte in dieser Höhe machten einen "überambitionierten Eindruck", knapp die Hälfte davon wäre realistischer. Ähnlich äußerte sich auch Günther Hollfelder von Baader Helvea, denn Stellen in Deutschland und Frankreich abzubauen, sei wegen des politischen Einflusses schwierig.

Wie sind die Reaktionen in der Politik?

Französische Oppositionspolitiker haben den Zusammenschluss der Bahnsparten kritisiert, weil der deutsche Siemens-Konzern eine Mehrheit erhalten soll. "Man verscheuert ein industrielles Aushängeschild", sagte der Republikaner Laurent Wauquiez. "Ist das das Ende von Alstom? Wird der TGV deutsch?", fragte sein Parteifreund Eric Woerth.

Der französische Wirtschaftsminister Bruno Le Maire wies diese Kritik zurück. Die Fusion sei "eine gute Nachricht für Alstom". Angesichts des chinesischen Wettbewerbsdrucks gehe es darum, die Kräfte Frankreichs und Deutschlands zu vereinen, so Le Maire. Auch Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries begrüßte die Fusion: "Der Zusammenschluss von Siemens und Alstom kann angesichts eines harten internationalen Wettbewerbs eine wichtige Zukunftschance sein", so die Ministerin.

Wann erfolgt die Fusion?

Siemens und Alstom rechnen damit, die Fusion bis Ende 2018 abschließen zu können. Die EU-Kartellbehörden müssen der Fusion noch zustimmen. Die beiden Firmenchefs zeigten sich optimistisch. Die Wettbewerbshüter müssten den Weltmarkt und nicht nur Europa betrachten, um den Zusammenschluss richtig einzuordnen, forderte Siemens-Chef Kaeser. Möglicherweise muss der neue deutsch-französische Konzern aber Zugeständnisse in einigen Bereichen machen. Laut Deutsche-Bank-Analyst de-Bray käme das neue Unternehmen etwa bei Regionalzügen und Straßenbahnen in Deutschland auf einen Marktanteil von mehr als 50 Prozent.

Über dieses Thema berichteten am 27. September 2017 tagesschau24 um 11:30 Uhr in der Wirtschaft, die tagesschau um 12:00 Uhr und NDR Info um 14:15 Uhr in den Nachrichten.

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