Future Truck | Bildquelle: Daimler Commercial Vehicles

Daimler präsentiert Prototypen Selbstfahrende Lkw als Zukunftsmarkt

Stand: 03.07.2014 18:49 Uhr

Das Fahren ohne Hand am Steuer soll nicht nur bei Pkw, sondern nach Vorstellung von Daimler auch bei Lkw Alltag werden. Der Konzern führte heute als erster Automobil-Hersteller den Prototyp eines 40-Tonners vor, der ohne Zutun des Fahrers bis zu 85 Stundenkilometer schnell auf der Autobahn fahren kann. Die Fahrzeuge sollen dank diverser Sensoren auf der rechten Spur allein zurechtkommen, bremsen, den Abstand wahren und vor allem zuverlässig auf Gefahren reagieren.

Der Vorstand spricht euphorisch von einem "Zukunftsmarkt". Die Vision: Das Assistenzsystem namens "Highway Pilot" nimmt dem Fahrer die Arbeit des monotonen Fahrens ab. Eine Kombination aus Radarsensoren, Stereokameras, dreidimensionalen Karten und Datenaustausch mit anderen Fahrzeugen macht das möglich. Der Fahrer hätte dann Hände und Kopf frei für die logistischen Planungen rund um Fracht und Strecke.

Günstiger und sparsamer

Future Truck | Bildquelle: Daimler Commercial Vehicles
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Daimler will in zehn Jahren selbstfahrende Lkw auf Deutschlands Autobahnen bringen.

Für die Spediteure soll der selbstständig fahrende Laster Einsparungen ermöglichen. Denn autonom fahrende Brummis könnten Kolonnen mit optimalem Abstand bilden, wobei die hinteren Wagen durch den geringeren Luftwiderstand weniger Kraftstoff verbrauchen. Bis zu 15 Prozent Ersparnis könnte diese Fahrweise bringen. Das könnte auch gewaltige CO2-Einsparungen bringen, denn etwa ein Viertel der gesamten EU-Verkehrsemissionen gingen nach Schätzungen auf das Konto von Lastern.

Auch die Staugefahr und das Unfallrisiko sollen geringer sein, erklärte Daimler, wodurch nicht zuletzt Versicherungsprämien sinken könnten. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamts kamen 2012 bei Unfällen mit Lastwagen 154 Lkw-Fahrer ums Leben und gleichzeitig 658 andere Verkehrsteilnehmer. Alleine 75 Fußgänger starben durch Lkw.

Wie sicher ist die Technik?

Bisher ist allerdings technisch unklar, ob und wie sich Lastwagen verschiedener Hersteller zusammenschließen könnten. Daimler hält das für eine Branchenaufgabe und sieht Verbände wie den VDA in der Pflicht. Denn die Software-Schnittstellen müssten gemeinsame Standards haben.

Der Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL) erklärte hingegen, dass Einsparungen nicht das Ziel seien, das für die Transportunternehmer derzeit mit Blick auf autonomes Fahren am wichtigsten wäre. Priorität habe das Vermeiden von Unfällen, sagte Werner Andres, Abteilungsleiter Verkehrssicherheit beim BGL. Die Systeme müssten absolut sicher sein und ihre Funktionsfähigkeit ständig selbst kontrollieren. Der Standard müsse strenger sein als bei Pkw. "Lkw transportieren lebende Tiere, Nahrungsmittel oder Gefahrgut - die brauchen einen viel höheren Sicherheitsgrad", sagte Andres.

Auch deshalb dürfte es noch mehrere Jahre dauern, bis auf deutschen Autobahnen Lkw mit Autopilot unterwegs sind. Daimler will in spätestens zehn Jahren einen Serientyp präsentieren. Auf die Hersteller wartet bis dahin noch eine Menge Arbeit: "Wir brauchen da noch Millionen von Testkilometern", räumte Daimler-Vorstand Bernhard ein.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 03. Juli 2014 um 17:30 Uhr.

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