Dokument mit dem Titel "Selbstanzeige" | Bildquelle: dpa

Steuerbetrug Deutlich weniger Selbstanzeigen

Stand: 27.12.2016 07:26 Uhr

Immer weniger Steuerbetrüger zeigen sich selber an. Das hat eine "Handelsblatt"-Umfrage in den Bundesländern ergeben. Demnach meldeten sich bisher nur 4373 Steuerhinterzieher - im vergangenen Jahr waren es noch 15.120. Ein Grund sind wohl die schärferen Regeln.

Die Zahl der Selbstanzeigen von Steuerhinterziehern ist eingebrochen. Das hat eine Umfrage des "Handelsblatts" bei den 16 Länderfinanzministerien ergeben. Bis kurz vor Jahresende zeigten sich 4373 Steuerhinterzieher selbst beim Finanzamt an. Im vergangenen Jahr gab es dem Bericht zufolge noch 15.120 Selbstanzeigen, 2014 waren es sogar rund 40.000. Die Zahl könnte damit dieses Jahr auf den niedrigsten Stand seit 2011 fallen. Damals hatten sich 4835 Menschen gemeldet.

Ein Grund für die Entwicklung dürften die seit Januar 2015 stark verschärften Regeln für Steuerhinterzieher sein. Für Steuerpflichtige mit unversteuertem Schwarzgeld ist es seither deutlich teurer, mit einer Selbstanzeige straffrei davonzukommen. Die Neuregelung hatte 2014 nach Überzeugung der Finanzbehörden zu einem Vorzieh-Effekt geführt. Außerdem ist der Druck auf Steuerhinterzieher in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen.

In einigen Ländern wie Schleswig-Holstein seien die Selbstanzeigen teils um fast 80 Prozent gegenüber 2015 zurückgegangen. "Es scheint so, als habe durch das anhaltend hohe Entdeckungsrisiko das meiste Geld aus den Schweizer Tresoren und den Briefkästen Panamas den langen Weg schon in die schleswig-holsteinische Steuerkasse zurückgefunden", sagte die Kieler Finanzministerin Monika Heinold der Zeitung.

Milliardeneinnahmen in NRW

Vor allem Nordrhein-Westfalen zeigt sich hartnäckig. Das Land hat seit 2010 elf Datenträger mit Daten mutmaßlicher Steuerbetrüger erworben. Seither seien bei der Finanzverwaltung mehr als 23.000 Selbstanzeigen mit Bezug zu Konten in der Schweiz eingegangen, sagte Finanzminister Norbert Walter-Borjans der Deutschen Presse-Agentur. Das Land habe damit rund 1,2 Milliarden Euro eingenommen, bundesweit seien es sogar rund sechs Milliarden Euro gewesen.

Die meisten Selbstanzeigen gab es 2016 mit bislang 1151 in Baden-Württemberg, gefolgt von Niedersachsen mit 926 und Nordrhein-Westfalen mit 655. In Bayern zeigten sich 379 Personen selbst an. Allerdings könnte dort die Zahl noch steigen, da der Freistaat wie Hessen, Sachsen und Thüringen Selbstanzeigen nur quartalsweise erfasst. Inklusive 2016 haben sich seit 2010 fast 128.000 Deutsche beim Finanzamt gemeldet, Einnahmen nicht korrekt versteuert zu haben.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 27. Dezember 2016 um 07:30 Uhr.

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