Brille aus Seegras | Bildquelle: REUTERS

Start-up in Griechenland Sonnenbrillen aus Seegras

Stand: 21.05.2018 02:53 Uhr

Seegras kann einem die Badelaune schon mächtig vermiesen. Auch in Griechenland wird es tonnenweise angespült - und seit einiger Zeit verwertet. Denn ein junger Mann hatte eine Geschäftsidee.

Von Michael Lehmann, ARD-Studio Athen

Das Material heißt "Posidonia Ocenica": Seegras, das die Ägäis tonnenweise immer wieder anspült - auf griechischen Inseln genauso wie auf dem Festland. Viele Gemeinden und Hotelbesitzer geben jedes Jahr Tausende von Euro aus, um das bräunlich schimmernde Material von ihren Sandstränden räumen zu lassen.

Aber Stavros Tsompanidis lässt "Posidonia Ocenica", das Seegras, seit einiger Zeit für sich arbeiten. Gemeinsam mit einem Geschäftspartner hat er in Patras eine Firma gegründet, die aus Seegras coole Brillengestelle oder Smartphone-Hüllen herstellt: "Wir hatten plötzlich die Idee, Seegras zu recyclen, ihm ein zweites Leben zu geben. Dazu haben wir eine patentierte Technologie entwickelt und machen aus Seegras eine Art Öko-Holz. Das ist ein neuer Rohstoff, den unsere Firma produziert."

Hände berühren Seegras | Bildquelle: REUTERS
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Ein billiger Rohstoff, der zu Sonnenbrillen oder auch ...

Handyhülle aus Seegras | Bildquelle: REUTERS
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... Handyhüllen vom Start-up Phee verarbeitet wird.

Seegras wird getrocknet, bearbeitet  und gepresst und könnte, wenn die Idee weiter so gut ankommt, in den nächsten Jahren immer mehr Menschen Arbeit geben. "Ich sehe immer wieder Leute, die unheimlich frustriert sind, und ich sehe, dass sie sich nicht um neue Dinge kümmern, um Ideen gegen die Krise. Sie hängen auf ihren Sofas rum und sagen: 'Ach, es gibt keine Arbeit, wir haben nur Probleme.' An allem ist die Krise schuld."

Pessimismus gibt es nicht für den jungen Seegras-Unternehmer. Er lädt zum  Foto-Shooting mit stylischen Brillen auf breiten Seegras-Bänken. Natürlich weiß er, dass er mit dieser selbst entdeckten Nische keine 1000 neue Arbeitsplätze in den nächsten Jahren für Griechenland schaffen wird, aber sein Start-up soll anderen jungen Griechen zeigen, was möglich ist:

"Wir haben alles in unserem Kopf. Wir müssen aber auch  handeln. Und wenn wir in den nächsten fünf Jahren nicht handeln, werden wir immer die gleichen Klagen haben, dass es Griechenland schlecht geht, wir keine Jobs haben und keine wirtschaftliche Entwicklung."

Vorzeige-Durchstarter - auch für die Banken

Stravros Tsompanidis, der Seegras-Unternehmer aus Patras, gilt auch unter griechischen Bankern als Vorzeige-Durchstarter. 

Stavros Iannou, Kreditexperte einer großen griechischen Regionalbank, findet, dass seine Branche inzwischen ein wenig risikofreundlicher geworden ist. Immer mehr junge Unternehmer würden eine Chance durch frisches Kaptial bekommen: "Während der Krise, die wirklich heftig war und die sich im Land sehr dramatisch ausgebreitet hatte, war es wichtig, neue Bedingungen zu schaffen, neue Chancen für die Ideen junger Leute, die eine Vision haben. Diese Unterstützung ist wichtig."

Stravros Tsompanidis | Bildquelle: REUTERS
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Stravros Tsompanidis, Seegras-Unternehmer aus Patras: Handeln statt rumsitzen und über die Krise klagen.

Jugendarbeitslosigkeit leicht gestiegen

Nicht wenige junge Griechen bekommen von optimistischen Botschaften wie dieser gar nichts zu spüren. Auch das ist Teil der griechischen Wahrheit: Manches Start-up im IT-Bereich hat sich in den vergangenen Jahren nicht erfolgreich am Markt behaupten können. Die Jugendarbeitslosigkeit ist wieder leicht gestiegen, nach einem erfreulichen Rückgang 2017.

Aber Griechenland könne es schaffen, sagt der Programmierer Stratos Theodorou, ein 35-Jähriger, dessen Start-up mitten in der Krise begann und bis heute im Software-Geschäft europaweit Erfolg hat: Seine Programme laufen gut und er wünscht sich ähnliche, andere Positiv-Beispiele in den kommenden Jahren immer wieder für  Griechenland: "Wir haben uns bewusst für den Standort Griechenland entschieden. Wir haben Frauen, Kinder, wir wollen hier im Land bleiben, hier weiter erfolgreich sein. Wir wollen es ein Stück weit allen zeigen - ja, verdammt, ich schaffe das."

Über dieses Thema berichtete WDR COSMO am 23. Mai 2018 um 07:20 Uhr.

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