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30.05.2012

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Schweizer Nationalbankchef wehrt sich in Dollar-Affäre
Fragwürdige Devisengeschäfte

Schweizer Nationalbankchef wehrt sich in Dollar-Affäre

Es geht um ein Dollargeschäft, kurz vor der Festlegung eines Mindestkurses für den Franken. Insiderhandel und Amtsmissbrauch - das sind die Vorwürfe gegen den Schweizer Nationalbankchef Hildebrand. Der sieht keine Verfehlungen. Und auch einen Seitenhieb konnte er sich nicht verkneifen.

Von Hans-Jürgen Maurus, ARD-Hörfunkstudio Zürich

Der Präsident der Schweizerischen Nationalbank, Philipp Hildebrand, wehrt sich. In einer Pressekonferenz im Gebäude der Nationalbank in Zürich verwahrte sich Hildebrand gegen Medien-Vorwürfe des Insiderhandels, Amtsmissbrauchs oder der Verstöße gegen das Reglement für Mitglieder der Nationalbank. "Um es in aller Deutlichkeit zu sagen: Ich bin mir keiner rechtlichen Verfehlung bewusst." Dann versuchte Hildebrand, in die Offensive zu gehen. Seine Botschaft war klar: "Ich habe mich zu jedem Zeitpunkt nicht nur Reglementskonform, sondern auch korrekt verhalten und meine Handlungen vor den zuständigen Gremien vollständig offengelegt."

Audio: Dollargate-Affäre: Nationalbankpräsident Hildebrand wehrt sich

AudioHans-Jürgen Maurus, ARD-Hörfunkstudio Genf 06.01.2012 11:06 | 3'41
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"Nicht entschlossen genug gehandelt"

Hildebrand erläuterte im Detail, wie es zu den umstrittenen Dollarkäufen seiner Familie gekommen war. Der Zentralbankchef betonte, er habe gegenüber den Behörden alles offengelegt: einen Hausverkauf, den Erwerb eines Bootes und Bilderkäufe, ein Unterkonto für die Tochter. Den umstrittenen 400.000-Dollar-Kauf vom 15. August vergangenen Jahres wenige Tage vor der Festlegung eines Franken-Mindestkurses zum Euro bedauerte er allerdings. Diese Transaktion habe seine Frau ohne sein Wissen getätigt. Er habe erst einen Tag später davon erfahren und seinem Berater mitgeteilt, keine Währungsgeschäfte mehr ohne seine Bestätigung auszuführen.

Der Schweizer Nationalbankpräsident Hildebrand erlärt sich vor der Presse am 5. Januar 2012. (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Hildebrand wehrte sich vor Journalisten in Zürich... ]
Heute würde er anders handeln, betonte der Zentralbankchef: "Wenn ich mir rückblickend einen Vorwurf mache, dann den, dass ich meine über geldpolitische Entscheide nicht orientierte Frau damals gewähren ließ und nicht entschlossen genug gehandelt und die Rückabwicklung aller Devisentransaktionen vom 15. August angeordnet habe."

Denn der Dollardeal war heikel, das muss Hildebrand sofort gespürt haben. Um dem Vorwurf zu begegnen, er habe sich durch Spekulationen bereichert, hat er den Gewinn aus dem Dollarhandel gespendet: "Dem Gewinn-Vorwurf bin ich bereits vor Weihnachten durch eine Überweisung von 75.000 Franken an die Schweizerische Berghilfe entgegen getreten." Auch die Anschuldigung, nicht seine Frau, sondern er selber habe die Devisenkäufe veranlasst, wies Hildebrand entschieden zurück: "Es ist ganz klar, dass diese Transaktion von meiner Frau in Auftrag gegeben wurde. Dazu gibt es auch eine E-Mail, die das bestätigt."

Seitenhieb auf Privatbank Sarasin

Der Schweizer Nationalbankpräsident Hildebrand erlärt sich vor der Presse am 5. Januar 2012. (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: ...und kritisierte die Veröffentlichung der Daten. ]
Einen politischen Seitenhieb erlaubte sich der Notenbankchef ebenfalls, denn die Affäre kam durch einen Datendiebstahl ins Rollen. Kontendaten der Familie Hildebrand wurden durch einen IT-Mitarbeiter der renommierten Bank Sarasin gestohlen und über einen Anwalt dem Chefstrategen der Schweizerischen Volkspartei, Christoph Blocher, zugespielt, der die Schweizer Regierung informierte. Hildebrands Interpretation: "Ich bedauere, dass Kreise, die sich seit Jahren als vehemente Verfechter des Schweizerischen Bankgeheimnisses ausgeben, gravierende Verletzungen dieses Bankgeheimnisses in Kauf nehmen, um politische Ziele zu verfolgen. Sie schaden damit den Interessen der Schweiz."

Ein Rücktritt sei für ihn kein Thema, solange er das "Vertrauen der Behörden, des Bankrats und des Bundesrats" habe. Entscheidend wird also die politische Rückendeckung sein. Damit ist der Fall Hildebrand aber noch lange nicht abgeschlossen. Der Wirtschaftsausschuss des Parlaments will schon nächste Woche eine Anhörung durchführen.

Stand: 06.01.2012 12:58 Uhr
 

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