Mann schiebt Einkaufswagen durch einen Supermarkt

Schweizer Supermarkt testet neues Rabattsystem Wer viel hat, zahlt auch mehr

Stand: 24.10.2016 21:15 Uhr

Eine Schweizer Supermarktkette analysiert das Kaufverhalten ihrer Kunden und liefert entsprechende Angebote. Doch das System erkennt auch, wer gerne mal mehr ausgibt - und Rabatte offenbar nicht nötig hat.

Von Dietrich Karl Mäurer, ARD-Studio Zürich

Jeder Kunde bezahlt an der Supermarktkasse für das gleiche Produkt den gleichen Preis. Schon jetzt stimmt das längst nicht mehr: Während Gelegenheitskäufer den vollen Preis zahlen, dürfen sich Besitzer von Kundenkarten regelmäßig über Rabatte oder Gutschriften von Sammelpunkten freuen, die später eingelöst werden können.

Die Schweizer Einzelhandelskette Migros testet jetzt eine neue Form dieser Rabattprogramme. Dabei bekommt nicht jeder Kunde die gleichen Sonderangebote, wie der Pressesprecher der Kette, Luzi Weber, erläutert: "Wir geben Kunden, die am Kundenbindungsprogramm Cumulus teilnehmen, individualisierte Angebote an der Kasse oder direkt auf die entsprechende App." Ein Beispiel: Hundebesitzer, die in einer Filiale der Kette regelmäßig Hundefutter kaufen, erhalten Sparangebote auf die Tiernahrung.

Rabatte auf Kaufverhalten zugeschnitten

Diese personalisierten Sonderangebote sind Ergebnis einer aufwendigen Analyse der Einkäufe. Die Kunden werden dabei verschiedenen Kategorien zugeordnet. Erfasst wird auch, wer stets zu preiswerten und wer zu höherwertigen Produkten greift - und auch daraus werden unterschiedliche Preisangebote abgeleitet:  Kunde A, der preisintensivere Waren einkauft, erhält keinen Rabatt. Wer günstigere Artikel kauft, bekommt hingegen Rabatte.

Ein Aktionspreisschild lockt mit Rabatten | Bildquelle: dpa
galerie

Rabatte beim Einkaufen? "Personal Pricing" gibt es die nicht für jeden.

Verbraucherschützer sehen das System kritisch, etwa die Schweizer Stiftung für Konsumentenschutz. Bei personalisierten Preisen sei zu befürchten, dass als kaufkräftig eingruppierte Kunden günstige Angebote gar nicht erst angezeigt bekommen, heißt es von der Stiftung.

Den Vorwurf, dass Reiche einen anderen, höheren Preis zahlen müssen als ärmere Kunden, weist Migros jedoch zurück: "Die Kaufkraft des Kunden kennen wir gar nicht. Wir wissen nur, welche Produkte ein Kunde bei uns einkauft", sagt Weber. Die Angebote würden somit auf das zugeschnitten, "was dem Kunden besonders wichtig ist und was er schätzt".

Experten bescheinigen mögliches Gewinn-Plus

Im Netz diskutieren die Kunden den Test ganz unterschiedlich. Die Meinungen reichen von Zustimmung bis hin zu absoluter Ablehnung. Migros selbst will keine negativen Kommentare erhalten haben, so Luzi Weber: "Unsere Erfahrung ist, dass diese Angebote sehr geschätzt werden."

Marketingexperten schätzen, dass durch das "Personal Pricing" genannte System der Ertrag eines Unternehmens um bis zu acht Prozent gesteigert werden kann. Doch bei Migros winkt man ab. Vordergründiges Ziel sei eine engere Kundenbindung, sagt Weber.

Müssen Reiche mehr bezahlen? - Schweizer Händler testet individualisierte Preise
Karl-Dietrich Mäurer, ARD Zürich
24.10.2016 20:30 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. Oktober 2016 um 11:36 Uhr.

Darstellung: