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Schweizer Franken

Volksentscheid über Manager-Boni

Zügeln die Schweizer ihre "Abzocker"?

Irre Summen als Begrüßungsgeld, Millionen zum Abschied: Damit könnte es für Manager in der Schweiz bald vorbei sein. Bei einem Referendum entscheiden die Bürger darüber, ob derartige Zahlungen per Gesetz verboten werden sollen und die Aktionäre mehr Rechte bekommen. Die Chancen stehen gut.

Von Rainer Hartmann, ARD-Hörfunkstudio Zürich

Nichts übertreiben - das ist ein schweizerischer Grundsatz. Aber etliche Topmanager, wie zum Beispiel der frühere deutsche Bundesbankpräsident Axel Weber, haben es übertrieben.

Er bekam im vergangenen Jahr als neuer Chef bei der Schweizer Großbank UBS eine Antrittsprämie von vier Millionen Franken. Da war er noch nicht mal ins Flugzeug gestiegen.

Arme Manager - Schweizer wollen Gehalts-Exzesse stoppen
R. Hartmann
02.03.2013 21:04 Uhr

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Exzesse wie dieser schmecken den Schweizern nicht. Sie werden wohl bald dem großen Abkassieren in den oberen Manager-Etagen den Riegel vorschieben. Sie sind aufgerufen, in einem Referendum über die Abschaffung von hohen Gehältern, Bonuszahlungen und Abfindungen für Top-Manager in börsennotierten Unternehmen abzustimmen. Laut Umfragen wird eine deutliche Mehrheit "Ja" sagen zur sogenannten Abzocker-Initiative.

Ins Leben rief sie der Unternehmer Thomas Minder aus Schaffhausen: "Wir möchten dem Aktionär mehr Mitspracherecht an der Hauptversammlung geben", erklärt er. "Wir wollen die Vorauszahlungen und Abgangsentschädigungen verbieten. Wir wollen auch verbieten, dass, wenn eine Firma einen Teil verkauft oder hinzukauft, Prämien ans Management gehen."

Junge Sozialisten demonstrieren gegen die Boni der Banker vor dem Sitz der UBS in Zürich (Archivfoto aus dem Jahr 2008).
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Gegen hohe Managerboni: Demonstranten vor der UBS in Zürich (Archiv).

 

60 Millionen Euro fürs Nichtstun

Sogenannte goldene Handschläge und goldene Fallschirme wären definitiv verboten. Wieviel die Verwaltungsräte und der Geschäftsführer verdienen - darüber würden die Aktionäre befinden. Eine Hand wäscht die andere - das gäbe es nicht mehr. Keine Konzernspitze wäre mehr Selbstbedienungsladen.

Es wären die strengsten Gesetze für Manager in Europa - zumal Managern oder Verwaltungsräten, die sich darüber hinwegsetzen, Strafzahlungen oder Gefängnis drohen.

Den finalen Steilpass für die Initiative lieferte vor wenigen Tagen Daniel Vasella. Der frühere Novartis-Chef sollte umgerechnet 60 Millionen Euro bekommen - dafür, dass er in den kommenden Jahren nicht zur Konkurrenz wechselt, Geld fürs Nichtstun. Ein bisschen beraten sollte er Novartis noch, hieß es vom Konzern.

"Das ist reine Angstmacherei"

Es gab bereits ein Konto, auf dem die Millionen geparkt waren; deshalb ist dieser als geheim geplante Deal aufgeflogen, gefolgt von einer Empörung ohnegleichen. Da habe einer zum Schluss nochmal richtig abkassieren wollen, instinktlos sei das, lautete die einhellige Meinung in der Schweiz. Kein Wunder, dass dieser Daniel Vasella sicher nicht ohne Eigennutz vor Kurzem warnte, die Abzockerinitiative sei schädlich für den Standort Schweiz - Unternehmen könnten aus dem Land abziehen:

"Das ist reine Angstmacherei", sagt der Initiator Thomas Minder. "Wir haben das immer bei Volksinitiativen, die die Wirtschaft betreffen. So schlimm kann es nicht sein, wenn Milliardenkonzerne ihren Hauptsitz in die Schweiz verlegen."

Auch diesmal lief die Schweizer Wirtschaft wieder Sturm gegen die Initiative, sie bot alle ihre Macht auf. Der Schweizer Wirtschaftverband steckte mehr als sechs Millionen Euro in eine Kampagne gegen das Gesetz - vermutlich vergebens.

Ein Plakat wirbt dafür, gegen die Initiative zu stimmen.
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Auch die Gegenseite macht Front: Nicht alle halten die Pläne der Initiative für sinnvoll.

Schweizer scheinen eine Entscheidung gefällt zu haben

Dabei ist die Initiative nicht per se wirtschaftsfeindlich. Sie betrifft nicht alle der 300.000 Schweizer Unternehmen, sondern lediglich die 282, die an der Börse sind. Wenn die Bosse dieser Unternehmen erfolgreich arbeiten, können sie auch Boni kassieren - wenn die Aktionäre das billigen. Dass sie allerdings Zahlungen in irrwitzigen Höhen durchwinken, ist eher unwahrscheinlich.

Die Schweizer wägen ab, schauen sich die Dinge erst von der einen, dann von der anderen Seite an. Doch nach etlichen Vorfällen scheinen sie eine Entscheidung gefällt zu haben. Wenn die Umfragen und die Stimmung nicht trügen, werden die Eidgenossen an diesem Wochenende Maß und Mitte in die Vorstandsetagen der Unternehmen zurückbringen. Es könnte Vorbild sein für ganz Europa.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 03. März 2013 um 10:00 Uhr.

Stand: 03.03.2013 05:34 Uhr

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