Schwarzarbeit in Deutschland 340 Milliarden Euro am Fiskus vorbeigeschleust

Stand: 06.02.2013 13:09 Uhr

Symbolbild zur Schattenwirtschaft (Bildquelle: picture alliance / dpa)
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Schwarzarbeit ist in Deutschland rückläufig, aber weiter ein großes Problem.

Die Schwarzarbeit in Deutschland ist laut einer Studie auf den tiefsten Stand seit 20 Jahren gefallen. 2013 werde sich diese Entwicklung fortsetzen, erklärten das Tübinger Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) und die Universität Linz in einer gemeinsamen Prognose. "Die Menschen haben gute Chancen, einen Arbeitsplatz in der regulären Wirtschaft zu bekommen", sagte IAW-Geschäftsführer Bernhard Boockmann. Trotzdem werde fast jeder siebte Euro am Fiskus vorbeigeschleust.

Für 2013 rechnen die Forscher damit, dass sich die Umsätze der Schattenwirtschaft auf 340,3 Milliarden Euro summieren wird. Das wären 2,7 Milliarden Euro weniger als im vergangenen Jahr. Gemessen am Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt werde ein Rückgang von 13,4 auf 13,2 Prozent erwartet. Im Jahr 2003 hatte diese Quote mit 17,1 Prozent einen Rekordwert erreicht. Seither zeigt der Trend - mit Ausnahme des Rezessionsjahres 2009 - kontinuierlich nach unten.

Stichwort: Schwarzarbeit und Schattenwirtschaft

Unter dem Begriff Schattenwirtschaft fassen Experten Schwarzarbeit, illegale Beschäftigung und bestimmte Formen der Kriminalität zusammen. Bei Schwarzarbeit geht es Arbeitgebern und Beschäftigten darum, Steuern oder Sozialabgaben zu umgehen. Illegale Beschäftigung bezeichnet die Arbeit von Ausländern, die bei Beachtung des geltenden Rechts gar nicht in Deutschland arbeiten dürften. Bei kriminellen Aktivitäten geht es vor allem um Hehlerei, Drogenhandel, Betrug und Schmuggel.

Umsätze in der Schattenwirtschaft sind nicht direkt messbar. Denn es liegt in der Natur der Sache, dass Schwarzarbeit vor der Öffentlichkeit verborgen wird. Das Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) greift bei seinen Studien zur Entwicklung der Schattenwirtschaft auf Faktoren zurück, die sich auf Schwarzarbeit auswirken. Die Forscher gehen unter anderem davon aus, dass Steuer- und Abgabeerhöhungen zu mehr Schwarzarbeit führen. Die Angaben zum Umfang der Schwarzarbeit beruhen auf Modellschätzungen.

Rentenbeiträge und Wirtschaftswachstum zeigen Wirkung

Die Forscher begründen die Entwicklung vor allem mit der niedrigen Arbeitslosigkeit, dem anhaltenden Wirtschaftswachstum und verschiedenen politische Entscheidungen. Dazu zählen die höheren Verdienstgrenzen bei Mini-Jobs. Auch die Senkung des Beitragssatzes für die gesetzliche Rentenversicherung von 19,6 auf 18,9 Prozent mindere die Anreize für Schwarzarbeit. Weil dadurch vom Brutto mehr Netto übrig bleibt, werde reguläre Arbeit attraktiver.

Im Vergleich mit anderen Wirtschaftsnationen liegt Deutschland beim Ausmaß der Schwarzarbeit im Verhältnis zur regulären Wirtschaftsleistung im Mittelfeld. Spitzenreiter ist Griechenland. Dort wird jeder vierte erarbeitete Euro nicht beim Finanzamt gemeldet. In Italien ist es noch mehr als jeder fünfte Euro.

Prof. F. Schneider (Universität Linz) zur Schwarzarbeit in Deutschland
tagesschau24 14:30 Uhr, 06.02.2013

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