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Die insolvente Drogeriekette Schlecker kann den Regelbetrieb ihres weit verzweigten Filialnetzes wieder aufnehmen. Das Unternehmen und Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz erzielten eine Einigung mit dem wichtigsten Gläubiger Markant. Jetzt seien "Warenbestellungen, Lieferungen und Abrechnungen für die Schlecker-Märkte in Deutschland wieder sichergestellt", sagte Geiwitz.
Zahlungsrückstände an den Einkaufsverbund Markant waren ein Hauptgrund für die Insolvenz des schwäbischen Unternehmens am vergangenen Freitag gewesen. Rund 30.000 Schlecker-Beschäftigte in Deutschland bangen seither um ihre Jobs. Im Laufe des Tages solle auch eine Einigung für das Ausland erfolgen. Die deutsche Tochter des Konsumgüterkonzerns Unilever hatte ihre Lieferungen an die Drogeriekette bereits eingestellt.
[Bildunterschrift: Entgegen der ursprünglichen Ankündigung beantragte nun auch IhrPlatz Insolvenz. ]
Nach dem Hauptkonzern Schlecker beantragte nun auch die Tochterfirma IhrPlatz die Einleitung eines Insolvenzverfahrens. Das Unternehmen solle im Rahmen einer "ganzheitlichen Konzernlösung restrukturiert" werden, erklärte Geiwitz. Der Geschäftsbetrieb läuft demnach weiter. Noch am Montag hatte Schlecker mitgeteilt, die IhrPlatz-Filialen seien von der Insolvenz nicht betroffen. Geiwitz sagt nun, IhrPlatz befinde sich "in einem starken Abhängigkeitsverhältnis" zu Schlecker. So könne nun eine "gemeinsame Lösung" für den Konzern gefunden werden. Er betonte, die ausländischen Tochtergesellschaften von Schlecker seien nicht von der Insolvenz betroffen.
Für IhrPlatz ist es bereits die zweite Insolvenz. Im Mai 2005 hatte die damals unabhängige Drogeriekette ihre Zahlungsunfähigkeit angemeldet und - ebenso wie Schlecker jetzt - ein Insolvenzverfahren in Eigenverantwortung beantragt. Die Sanierung gelang. Die US-Investmentbank Goldman Sachs übernahm die Anteile der Gründerfamilie. Ein Kredit sicherte die Fortführung des Geschäfts, 80 verlustreiche Filialen wurden geschlossen und mehr als 1000 Beschäftigte entlassen. Nach acht Monaten wurden die Drogeriekette aus der Insolvenz entlassen. IhrPlatz trat nun mit einem neuen Image auf und setzte auf moderne Filialen mit einem breiten Angebot für Schönheit und Wellness. Schlecker übernahm die Firma Ende 2007 und kaufte sich mit ein eigenes Premiumsegment.
Am Montag hatte Schlecker seinerseits Insolvenz beantragt. Geiwitz war daraufhin als Insolvenzverwalter eingesetzt worden. Das Verfahren ist allerdings noch nicht eröffnet. Schlecker strebt den Erhalt des Unternehmens, eines großen Teil des Filialnetzes und damit auch der Arbeitsplätze an. Vor diesem Hintergrund beantragte der Konzern die sogenannte Planinsolvenz. Damit können Gesellschafter und Management weiter über das Unternehmen bestimmen. Die Gläubiger müssen freiwillig auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten. Ziel bleibe "eine zukunftsfähige Lösung für das Unternehmen", sagte Geiwitz. Dazu würden in den kommenden Tagen auch die Gespräche mit dem Gesamtbetriebsrat und der Gewerkschaft ver.di fortgesetzt.
Die Dienstleistungsgewerkschaft forderte derweil ein Bündnis zur Unterstützung der Schlecker-Beschäftigten. "Es sind nicht die Beschäftigten, die die finanzielle Misere von Schlecker verursacht haben", betonte Stefanie Nutzenberger vom ver.di-Bundesvorstand. Die Forderung richte sich zum einen an die Lieferanten, die Drogeriemarktkette weiter mit Waren zu versorgen. Aber auch die Kunden seien aufgefordert, wie bisher bei Schlecker einzukaufen.
Die beängstigende Zeit der Ungewissheit für die Beschäftigte und ihre Familien müsse ein Ende haben. "Die Frauen und Männer haben einen berechtigten Anspruch zu erfahren, ob ihre Arbeitsplätze für die Zukunft gesichert sind", sagte Nutzenberger. "Dazu kann niemand so schnell und umfassend aufklären wie die Familie Schlecker selbst."
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