Grenzkontrolle | Bildquelle: dpa

Grenzkontrollen in Europa Milliarden-Albtraum für die Wirtschaft

Stand: 22.02.2016 11:59 Uhr

Schlagbäume und Abschottung: In der Flüchtlingskrise werden die Rufe nach der Abschaffung des Schengen-Raums lauter. Doch dauerhafte Grenzkontrollen hätten laut einer neuen Studie fatale wirtschaftliche Folgen. Allein Deutschland drohen demnach Hunderte Milliarden Euro Verlust.

Die dauerhafte Wiedereinführung innereuropäischer Grenzkontrollen hätte einer aktuellen Studie zufolge erhebliche negative Auswirkungen auf Wachstum und Wohlstand in Europa. Allein für Deutschland wären bis zum Jahr 2025 Verluste von mindestens 77 Milliarden Euro zu befürchten, sollten die Preise für Importgüter um ein Prozent steigen, erklärte die Bertelsmann Stiftung bei der Vorstellung einer Studie. Innerhalb der Europäischen Union werden mindestens 470 Milliarden Euro Verluste im gleichen Zeitraum veranschlagt.

Grund für mögliche Verluste seien Kosten- und Preissteigerungen infolge von Grenzkontrollen, erklärte die Stiftung. Längere Wartezeiten an den Schlagbäumen innerhalb Europas bedeuteten für die Unternehmen höhere Personalkosten. Auch müssten sie die Lagerbestände erhöhen, weil pünktliche Lieferungen nicht mehr garantiert werden könnten. Die damit steigenden Produktionskosten verursachten höhere Preise, die wiederum die Nachfrage der Verbraucher reduzieren. Dies führe schließlich zu sinkenden Investitionen und weniger Produktion, heißt es in der Studie, die von dem Wirtschaftsinstitut Prognos AG im Auftrag der Bertelsmann Stiftung durchgeführt wurde.

Karte: Schengenstaaten
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Karte der Schengenstaaten (Schengenstaaten grün markiert)

Verluste von bis zu 1,4 Billionen Euro

Sollten die Importpreise sogar um drei Prozent steigen, müsste Deutschland nach den Erkenntnissen des Forschungsinstituts bis 2025 sogar Wachstums-Einbußen in Höhe von 235 Milliarden Euro hinnehmen, die EU-Staaten insgesamt von 1,4 Billionen Euro. Selbst die USA und China wären von den wachstumsdämpfenden Effekten betroffen. "Wenn die Schlagbäume wieder runtergehen, gerät das ohnehin schwache Wachstum in Europa noch stärker unter Druck", sagte der Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann-Stiftung, Aart de Geus. Am Ende zahlten alle Menschen die Rechnung.

Hintergrund der Studie sind Befürchtungen, infolge der Flüchtlingskrise könnte das Schengen-System scheitern, das freien Personen- und Warenverkehr ohne Grenzkontrollen zwischen zahlreichen europäischen Staaten vorsieht. Wegen des starken Zustroms von Flüchtlingen machen derzeit mehrere Staaten von Ausnahmeregeln Gebrauch und haben wieder, zunächst befristete, Grenzkontrollen eingeführt.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 22. Februar 2016 um 15:30 Uhr.

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