Finanzminister Wolfgang Schäuble und Jeroen Dijsselbloem  | Bildquelle: AP

Schäubles Abschied in Brüssel "Für uns alle ein emotionaler Moment"

Stand: 10.10.2017 07:22 Uhr

Er galt als harter Verhandler und als unbequem. Damit hat sich der scheidende Finanzminister Schäuble in Brüssel nicht nur Freunde gemacht. Doch auf dem letzten Treffen der Eurogruppe überwogen Respekt und Anerkennung - und Schäuble zeigte sich ungewöhnlich emotional.

Von Sebastian Schöbel, ARD-Studio Brüssel

Es sind die kleinen Details, die zeigen, wie groß die Wertschätzung einiger europäischer Finanzminister für Wolfgang Schäuble ist. Sein slowakischer Amtskollege Peter Kazimir zum Beispiel, brachte dem scheidenden Bundesfinanzminister zum Abschied ein Bündel 100-Euro-Scheine mit. Darauf: Schäubles Gesicht - neben dem Bild einer Geige, Schäubles Lieblingsinstrument aus Jugendtagen.

"Für uns alle ein emotionaler Moment", meinte Finanzkommissar Piere Moscovici. "Ich glaube, ihm versagte auch einmal die Stimme, als er sprach." Schäuble sprachlos, ein seltener Moment in der Eurogruppe. Auch Moscovici überreichte ein sehr persönliches Geschenk: Ein großes Buch über Paris, wie er dem ARD-Hörfunk verriet, als Dankeschön für ein Berlin-Buch, dass ihm Schäuble zum Hochzeitstag geschenkt habe.

Wolfgang Schäubles letzte Eurogruppen Sitzung
nachtmagazin 00:20 Uhr, 10.10.2017, Markus Preiß, ARD Brüssel

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Der Mann der guten Ratschläge

Acht Jahre lang hatte Schäuble in der Eurogruppe den Ton angegeben, erinnerte sich deren eigentlicher Chef Jeroen Dijsselbloem. Immer mit guten Ratschläge - gefragt und auch ungefragt. Einer, der hart verhandelte, so Dijsselbloem. Und fügte anerkennend hinzu. "Selbst in den schwierigsten Diskussionen hatte er immer eine langfristig stabile Eurozone zum Ziel gehabt." Und nicht nur das nationale, deutsche Interesse - was freilich nicht jeder so sieht.

So meinte der Grünen-Finanzexperte im EU-Parlament Sven Giegold, die Eurogruppe könne ohne Schäuble "aufatmen". Denn mit ihm ginge auch die Austeritätspolitik. Was Frankreichs Finanzminister Bruno le Maire in einem Zeitungsinterview mit der "Welt" ganz ähnlich sah: Nur zu sparen sei eine "Sackgasse", so le Maire. Allerdings ohne Schäuble beim Namen zu nennen.

Denn in Luxemburg klang le Maire dann ganz anders: "Ich sehe Wolfgang Schäuble als einen großen Finanzminister, großen Europäer und persönlichen Freund." Der Franzose brachte ihm eine Flasche 13 Jahre alten Bordeaux mit. Die restlichen Euro-Finanzminister unterschrieben auf einer Europa-Flagge, teilweise mit Widmung.

Griechenlands Finanzminister sagte lieber nichts

Euclides Tsakalatos, Griechenlands oberster Kassenwart, mied die Mikrofone, dabei hätte er wohl eine ganz spezielle Schäuble-Geschichte parat gehabt. Stattdessen schwieg der Grieche. Und schrieb stattdessen auf die Fahne: "Nichts wird ganz so wie vorher sein". Er war nicht der Einzige, der das an diesem Tag so sah. Und doch war es am Ende Wolfgang Schäuble, der für seinen letzten Auftritt eine absolut konsenfähige Formel fand. "Acht Jahre ist genug, nicht? Acht Jahre ist eine gute Zeit, um aufzuhören. Oder eine neue Aufgabe zu machen."

Die wartet schon auf ihn: Ende Oktober soll Wolfgang Schäuble neuer Bundestagspräsident werden. Um es in seinen Worten zu sagen: "Isch noch lang net over."

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Wolfgang Schäuble - Seine politische Karriere in Bildern

Wolfgang Schäuble

Wolfgang Schäuble im Jahr 1973. Damals war er Vorsitzender der Jungen Union. Dem Deutschen Bundestag gehört der Jurist aus Freiburg im Breisgau seit 1972 an. | Bildquelle: picture alliance / Lutz Rauschni

Über dieses Thema berichtete das nachtmagazin am 10. Oktober 2017 um 00:20 Uhr.

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