Wladimir Putin (Bildquelle: AFP)

Nach neuen Sanktionen gegen Russland Putin droht mit "Bumerang-Effekt"

Stand: 17.07.2014 15:20 Uhr

Nachdem die USA und die EU abermals ihre Sanktionen gegen Russland verschärft haben, steuern die Wirtschaftsbeziehungen zu Moskau auf einen neuen Tiefpunkt zu.

Vertreter der deutschen Wirtschaft befürchten, dass Russland ebenfalls mit Strafen reagieren könnte. "Es wäre Putin zuzutrauen, dass er aus Gründen der Gesichtswahrung Vergeltungsmaßnahmen verhängen wird", sagte Jens Nagel, Geschäftsführer für Internationales beim Handelsverband BGA, der Nachrichtenagentur Reuters. Wie diese Gegenmaßnahmen aussehen und welchen Umfang sie haben könnten, sei noch nicht absehbar.

"Selbstverständlich werden Handelsbeziehungen beeinträchtigt"

Nagel äußerte Verständnis dafür, dass die USA und die EU gegen Russland Wirtschaftssanktionen verhängt haben. Zugleich räumte er aber ein: "Selbstverständlich haben auch die aktuellen Sanktionsverschärfungen zur Folge, dass die deutsch-russischen Handelsbeziehungen weiter beeinträchtigt werden." Für Deutschland ist Russland zweitgrößter Handelspartner in Osteuropa. Die Exporte waren in den ersten vier Monaten bereits um 14 Prozent zurückgegangen.

Logo von Rosneft (Bildquelle: dpa)
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Auch den russischen Konzern Rosneft sollen die neuen Sanktionen treffen.

Betroffen: Gazprombank, Rosneft, Novatek

Von den neuen US-Sanktionen sind die Gazprombank, der Energiekonzern Rosneft, das Gasförderunternehmen Novatek und die Vnesheconombank betroffen, über die der Staat Zahlungen abwickelt. Guthaben der vier Firmen werden zwar nicht eingefroren, doch wurde ihr Zugang zum US-Kapitalmarkt beschränkt. Auch Rüstungsunternehmen wie der Hersteller von Kalaschnikow-Maschinengewehren sind betroffen.

Die von den EU-Sanktionen betroffenen russischen Unternehmen dürfen keine Geschäfte mehr mit Unternehmen in der EU machen und können nicht mehr über Vermögenswerte in der EU verfügen. Die EU-Kommission soll bis Ende des Monats eine erste Liste der betroffenen Unternehmen aufstellen, die zur Destabilisierung der Ukraine beitragen. Die Union will auch prüfen, ob milliardenschwere Oligarchen oder Konzerne, die die Annexion der Krim unterstützen, auf die schwarze Liste kommen.

Außerdem wurden die EU-Vertreter in der Europäischen Investitionsbank und der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung angewiesen, keine neuen Projekte in Russland mehr zu genehmigen.

Russlands Präsident Putin nach dem BRICS-Gipfel in Brasilien (Bildquelle: AP)
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Warnt vor einem "Bumerang-Effekt": Kremlchef Putin.

"Sanktionen richten schwere Schäden an"

Russlands Präsident Wladimir Putin warnte, die Sanktionen gegen sein Land würden zum "Bumerang" werden. "Sanktionen haben einen Bumerang-Effekt, sie werden zweifelsohne die Beziehungen zwischen den USA und Russland in eine Sackgasse führen und sehr schwere Schäden anrichten", sagte er. Russlands Ministerpräsident Dimitri Medwedjew drohte eine Erhöhung der russischen Rüstungsausgaben an. "Sanktionen sind etwas Schlechtes", sagte er. Sein Land werde nicht einknicken.

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko begrüßte die Verschärfung der Sanktionen gegenüber Russland. "Europa hat seine Solidarität mit der Ukraine demonstriert", erklärte er.

Auch an den Finanzmärkten hinterließ die jüngste Entwicklung Spuren. Russische Dollar-Staatsanleihen sackten auf ein Mehrwochen-Tief ab. An der Moskauer Börse gerieten die Aktienkurse ins Straucheln. Der RTS-Leitindex fiel in der Spitze um 4,8 Prozent. An den europäischen Aktienmärkten setzte sich ebenfalls ein Abwärtstrend durch. Papiere von Firmen mit großen Russland-Aktivitäten gehörten zu den großen Verlierern, wie etwa die österreichische Raiffeisen Bank International oder der deutsche Handelskonzern Metro.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 17. Juli 2014 um 17:00 Uhr.

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