Anzeigetafel am Flughafen München mit dem Hinweis "annuliert"

2000 Flugausfälle Ryanair veröffentlicht Streichliste

Stand: 19.09.2017 08:55 Uhr

Der Billigflieger Ryanair hat eine Liste von Flügen veröffentlicht, die in den Wochen bis zum 31. Oktober nicht stattfinden sollen. Auch Verbindungen von und nach Deutschland sind von den Ausfällen betroffen.

Die irische Billig-Fluggesellschaft Ryanair hat nach heftiger Kritik von Kunden und aus Brüssel eine vollständige Liste mit rund 2000 Flugstreichungen bis Ende Oktober veröffentlicht. Betroffene Kunden würden zudem per E-Mail benachrichtigt, teilte das Unternehmen mit. Die Liste der Flugstreichungen lässt sich über die Website von Ryanair einsehen.

Kritik an Ryanair wegen Flugstreichungen
tagesschau 20:00 Uhr, 18.09.2017, Hanni Hüsch, ARD London

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Auch Deutschland betroffen

In Deutschland sind demnach heute sechs Starts und Landungen betroffen. Gestrichen wurden Flüge auf den Strecken von Köln und Nürnberg nach Mailand sowie von Berlin-Schönefeld nach Dublin.

"Dieses Chaos ist auf unser eigenes Handeln zurückzuführen", teilte Ryanair-Chef Michael O'Leary mit und bat die Kunden um Entschuldigung. Zugleich wies er darauf hin, dass "weniger als zwei Prozent aller Kunden" von Flugstreichungen in den nächsten sechs Wochen betroffen seien.

Ryanairs Chef Michael O'Leary | Bildquelle: AFP
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"Es ist offenkundig ein Durcheinander", räumte Ryanair-Chef O'Leary ein.

Angeblich kein Pilotenmangel

Hintergrund der Annullierungen sind nach Angaben der Airline "Schwierigkeiten mit der Planung des Jahresurlaubs unserer Piloten für September und Oktober". Zum Start des Winterflugplans im November werde sich die Lage wieder normalisieren.

"Ryanair hat keinen Mangel an Piloten", erklärte O'Leary. Damit wies er Berichte zurück, wonach Ryanair mit einem Pilotenmangel kämpft. Die Fluggesellschaft Norwegian Air hatte erklärt, in diesem Jahr seien 140 Ryanair-Piloten zu der skandinavischen Konkurrenz gewechselt.

Hohe Personalfluktuation

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) erklärte, Ryanair habe eine hohe personelle Fluktuation, weil die Airline niedrigere Gehälter zahle als die Wettbewerber.

Ein Experte der deutschen Beratungsfirma Airborne mutmaßt, dass Ryanairs Gebaren auch mit der Insolvenz von Air Berlin zusammenhängen könnte. Die Iren wollten womöglich Maschinen in der Hinterhand haben für den Fall, dass kurzfristig Slots von Air Berlin frei werden.

Ryanair bietet millionenhohe Entschädigung

Ryanair bietet betroffenen Fluggästen eine Entschädigung von insgesamt bis zu 20 Millionen Euro für die gestrichenen Flüge an. Die Fluggesellschaft erklärte die Ausfälle mit Kapazitätsengpässen bei der Flugkontrolle, Streiks in Frankreich und einer chaotischen Urlaubsplanung im Unternehmen. Der Sprecher der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit, Markus Wahl, erklärte: "Ryanair-Mitarbeiter sagen uns, es werden Flüge gestrichen, weil Piloten das Weite suchen", sagte er der "Mitteldeutschen Zeitung". Ryanair habe eine hohe personelle Fluktuation, weil die Airline niedrigere Gehälter zahle als die Wettbewerber.

Verbraucherschützer in Europa weisen auf die Rechte der Betroffenen hin: Die Ryanair-Passagiere müssen entweder das Flugticket erstattet bekommen oder kostenlos umgebucht werden, notfalls auf eine Konkurrenz-Airline. Darüber hinaus haben sie ein Anrecht auf Entschädigung: 250 Euro für die Kurzstrecke, 440 Euro für die Mittelstrecke. Die irische Kommission zur Regulierung des Luftverkehrs will sich mit dem Fall Ryanair befassen.

Mit Informationen von Stephanie Pieper, ARD-Studio London

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 18. September 2017 um 20:00 Uhr.

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