Eine Ryanair-Maschine beim Start | Bildquelle: REUTERS

Sozialversicherungsbetrug Anklage gegen Ryanair-Pilotenvermittler

Stand: 28.12.2017 17:18 Uhr

Ryanair hat einen schlechten Ruf als Arbeitgeber und die Piloten sollen überwiegend in prekären Arbeitsverhältnissen für die Airline fliegen. Jetzt geht die Staatsanwaltschaft gegen Vermittler von Ryanair-Piloten vor und hat Anklage erhoben.

Die Staatsanwaltschaft Koblenz hat gegen Verantwortliche von zwei britischen Unternehmen Anklage erhoben. Der Vorwurf: Sie sollen Piloten an den irischen Billigflieger Ryanair vermittelt haben - ohne aber die in Deutschland anfallenden Sozialversicherungsbeträge abzuführen.

Die nicht gezahlten Beiträge beliefen sich auf etwa sechs Millionen Euro, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Es geht demnach um den Zeitraum von Januar 2007 bis Juni 2016.

Ryanair-Chef Michael O´Leary | Bildquelle: dpa
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Ryanair-Chef Michael O´Leary gilt in der Branche als absoluter "Pfennigfuchser".

Anklage bereits im September erhoben

Die zwei in Großbritannien ansässigen Personaldienstleistungsfirmen vermittelten den Anklägern zufolge in dem besagten Zeitraum insgesamt 277 Piloten an Ryanair. Die Fluggesellschaft soll sie von deutschen Flughäfen aus eingesetzt haben. Die Piloten seien "weitgehend in den Geschäftsbetrieb integriert" gewesen, erklärte die Staatsanwaltschaft - den Verantwortlichen in den Vermittlungsfirmen dürfte also bewusst gewesen sein, dass die Tätigkeit der Piloten in Deutschland sozialversicherungspflichtig war.

Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage gegen insgesamt fünf Verantwortliche, wie sie weiter mitteilte. Das tat sie bereits im September, machte es jedoch erst jetzt öffentlich, da die Anklage zunächst übersetzt und zugestellt werden musste.

Ryanair-Flieger | Bildquelle: AFP
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Die umfangreichen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Koblenz gegen Ryanair hatten bereits 2011 begonnen.

Sozialversicherungsbetrug im großen Stil

Einem der Angeklagten werden demnach 738 Fälle zur Last gelegt, den anderen vier gemeinschaftlich 182 Fälle von Sozialversicherungsbetrug. Ryanair hat einen schlechten Ruf als Arbeitgeber. Arbeitnehmervertreter werfen der irischen Airline vor, das Personal im Vergleich zu anderen Fluggesellschaften deutlich schlechter zu bezahlen.

Nach Streikandrohungen in der vergangenen Woche lenkte Ryanair ein und sagte zu, erstmals in der über 30-jährigen Unternehmensgeschichte Gewerkschaften anzuerkennen. In Deutschland streikte die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit dennoch, weil Ryanair zwei von fünf Verhandlungspartnern abgelehnt habe.

Über dieses Thema berichtete SWR aktuell in der Sendung "Nachrichten für Rheinland-Pfalz" am 28. Dezember 2017 um 19:30 Uhr.

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