Ryanair-Maschine steht auf dem Rollfeld | Bildquelle: REUTERS

Streikdrohung der Piloten Kehrtwende bei Ryanair

Stand: 15.12.2017 14:06 Uhr

Eher werde die Hölle einfrieren, als dass man Gewerkschaften anerkenne - das war die Position von Ryanair-Chef O'Leary. Die Streikdrohung der Piloten und damit die Sorge vor einem Imageschaden ließ ihn nun einlenken. Ob die Streiks damit vom Tisch sind, ist noch offen.

Von Stephanie Pieper, ARD-Studio London

Einknicken, nachgeben, Zugeständnisse machen: Das ist eigentlich nicht die Art, wie Michael O’Leary seit fast 25 Jahren Ryanair führt und wie er die irische Airline, gemessen an der Passagierzahl, zur größten in Europa machte - ohne dabei allzu große Rücksicht auf die Rechte der Beschäftigten zu nehmen, wie ihm Kritiker vorwerfen.

Doch nun vollzieht O’Leary mit Ryanair eine historische Kehrtwende und sucht erstmals das Gespräch mit den Gewerkschaften. "Wir hatten lange keine gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmer, aber wir haben immer gesagt, dass wir dies überdenken, wenn eine Mehrheit unserer Beschäftigten das will", begründete das Personalchef Eddie Wilson im irischen Sender RTE. "Was sich jetzt geändert hat, ist, dass uns bald in einer Reihe von Ländern Pilotenstreiks drohen - und wir wollen sicherstellen, dass unsere Kunden zu Weihnachten da sind, wo sie hinwollen und dass es keine Störungen im Flugbetrieb gibt".

Ryanair-Maschine steht auf dem Rollfeld | Bildquelle: dpa
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Mit dem Gesprächsangebot will O'Leary verhindern, dass in der Vorweihnachtszeit Flugzeuge am Boden bleiben.

Streik in Italien abgesagt - andere Gewerkschaften prüfen

Der für heute Nachmittag geplante Ausstand der Ryanair-Piloten in Italien wurde von der Gewerkschaft dort bereits abgesagt. Grund sei die "Absicht Ryanairs, einen formalen Verhandlungsweg" mit Gewerkschaften aufzunehmen, hieß es in einer Mitteilung der Anpac. "Das ist ein erster sehr wichtiger Schritt", so die Reaktion auf O'Learys Kehrtwende.

Für nächste Woche sind bisher Streiks in Irland, Deutschland und Portugal angekündigt - es wären die ersten in der Geschichte von Ryanair, die das Unternehmen durch sein überraschendes Angebot noch abzuwenden versucht. Die deutsche Piloten-Vereinigung Cockpit und ihr irisches Pendant Impact erklärten, sie würden die Offerte prüfen.

Verhandlungen zum Wohl der Passagiere

Der für das Tagesgeschäft zuständige Vorstand Peter Bellew reicht den Arbeitnehmervertretern die Hand: Im BBC-Interview sagte er, die Gewerkschaften in mehreren Ländern hätten geschrieben und um Anerkennung sowie Tarifverhandlungen gebeten. "Wir meinen, dass es in der Entwicklung unseres Geschäfts die richtige Zeit ist, sie einzuladen, um über die Arbeitsbedingungen unserer mehr als 4500 Ryanair-Piloten zu reden, die in ganz Europa einen tollen Job machen."

Das klingt, als habe das Management reichlich Kreide gefressen. Noch im vergangenen September hatte Ryanair-Boss O’Leary postuliert, eher werde die Hölle einfrieren, als dass man Gewerkschaften anerkenne.

Die heute verschickte Einladung ist an Pilotengewerkschaften in Irland, Großbritannien, Deutschland, Italien, Spanien und Portugal adressiert. Allerdings will Ryanair in diesen Ländern nur mit jenen Gewerkschaftern verhandeln, die selbst für die Airline fliegen. Bellew hofft auf eine wohlwollende Reaktion der Arbeitnehmerorganisationen: "Wir hoffen, dass sie nun die Streiks für nächste Woche so bald wie möglich absagen, damit unsere Kunden ein frohes Fest haben."

Mit besseren Bedingungen in andere Märkte?

Ryanair-Chef Michael O´Leary | Bildquelle: dpa
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Ryanair-Chef Michael O´Leary gibt zu, dass der Schritt eine "erhebliche Veränderung" ist.

O’Leary selbst gibt zu, dass die neue Haltung eine "erhebliche Veränderung" sei für die Fluggesellschaft. Um die Flugtickets so günstig wie möglich anbieten zu können, reduziert Ryanair die eigenen Kosten traditionell auf ein Minimum - zuletzt wurde jedoch das Klagen der Piloten über ihre Arbeitsbedingungen, ihre Bezahlung und ihr Beschäftigungsverhältnis lauter.

Im jetzt vollzogenen Schwenk sieht Bellew eine Chance für die Airline: Damit könne Ryanair womöglich in andere Märkte eintreten. "Wir hatten Restriktionen etwa in Frankreich, wegen des dortigen Arbeitsrechts, das könnte sich künftig ändern. Und wir könnten auch nach Dänemark und in weitere Länder zurückkehren."

Neuen Imageschaden vermeiden

Ein Streik würde Ryanairs Imageschaden noch vergrößern. Im Winterflugplan musste die Airline bereits Tausende Flüge streichen, weil es Fehler bei der Urlaubsplanung der Piloten gab. Das Unternehmen bestreitet aber weiter Aussagen von Arbeitnehmerorganisationen, wonach Ryanair-Piloten in jüngster Vergangenheit in Scharen zur Konkurrenz abgewandert sind.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 15. Dezember 2017 um 12:51, 14:12 und 15:35 Uhr.

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