Ryanair-Flugzeug | Bildquelle: AFP

Krise bei Ryanair Ryanair-Chef will Piloten mit mehr Geld locken

Stand: 06.10.2017 17:16 Uhr

Ryanair-Chef, O'Leary, hat seine Piloten eindringlich dazu aufgefordert, nicht zu konkurrierenden Airlines zu wechseln. In einem Brief verspricht er jetzt mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen. Doch das Grundproblem hat er nach Einschätzung von Piloten nicht erkannt.

Von Thomas Kramer, WDR

Mit dem Schreiben, datiert auf den 5. Oktober, entschuldigt sich Ryanair-Chef Michael O'Leary persönlich bei den Piloten für Fehler bei der Dienstplanung, die zuletzt zu zahlreichen Flugausfällen geführt haben. Auch Äußerungen von ihm über Piloten in der jüngsten Vergangenheit seien auf keinen Fall despektierlich gemeint gewesen, beteuert er in dem Schreiben. Es folgt eine große Palette von Versprechen, was in Zukunft besser werden soll.

So stellt O'Leary den Piloten einen "Loyalitäs- und Produktivitätsbonus" in Aussicht. Demnach sollen Kapitäne ab November bis zu 12.000 Euro, Co-Piloten bis zu 6000 Euro im Jahr zusätzlich bekommen, zahlbar in monatlichen Raten, wenn sie "angemessene und erreichbare Zielvorgaben wie verabredet" einhalten. Was das genau bedeutet, wird nicht ausgeführt.

Ryanair-Chef Michael O´Leary | Bildquelle: dpa
galerie

Ryanair-Chef Michael O'Leary versucht den aggressiven Abwerbeversuchen anderer Airlines entgegenzuwirken.

Er hoffe, das werde "die Leute davon abhalten, zu finanziell weniger sicheren Airlines zu wechseln und ihre Karrieren zu beschädigen". Außerdem soll es auf ausgewählten Basen Gehaltserhöhungen geben und zwar für Co-Piloten 5000 Euro, für Kapitäne 10.000 Euro. Genannt werden allerdings zunächst nur die Ryanair-Basen Dublin, London Stansted, Berlin-Schönefeld und Frankfurt am Main.

Irisches Recht soll weiter gelten

Damit versucht O'Leary offenbar, dem Wechsel zu konkurrierender Airlines entgegenzuwirken. Namentlich erwähnt er die Billigfluggesellschaften Jet2 und Norwegian. Die Gehälter, die dort gezahlt würden, wolle er versuchen zu überbieten.

Außerdem zeigt er sich bereit, über die Unterschiede zwischen irischen und vor Ort geltenden Sozialleistungen für Beschäftigte zu verhandeln, etwa bei den Themen Krankengeld und Mutterschutz. Pilotenvertreter vor Ort sollten individuelle Unterschiede im Rechtsrahmen  der einzelnen Länder benennen, sodass sie dann in die irischen Verträge aufgenommen werden könnten. Allerdings glaube er, dass es da nur wenige Unterschiede gebe.

Gegen Ende des Schreibens macht der Ryanair-Chef aber auch seine rote Linie unmissverständlich klar: Egal was verhandelt werde, er beschäftige auch weiter nur auf "irische Arbeitsverträge, für die irisches Recht anzuwenden" sei. Genau darin sehen Pilotengewerkschaften das größte Problem. Sie verweisen auf ein erst kürzlich getroffenes Urteil des Europäischen Gerichtshofes, der im Fall einer belgischen Ryanair-Crew entschieden hatte, dass für die Frage, welches Arbeitsrecht anzuwenden ist, als entscheidenden Faktor die Heimatbasis der Piloten zu gelten habe.

Der Präsident der europäischen Pilotengewerkschaft ECA, Dirk Polloczek, sagte, O'Leary halte an "alternativen Fakten" fest, wenn er weiter behaupte, dass für Ryanair-Piloten ausschließlich irisches Arbeitsrecht gelten könne. Sein Eindruck: Die Ryanair-Piloten wollten "raus aus den prekären, womöglich sogar illegalen Beschäftigungsverhältnissen, die ihnen jahrelang zugemutet wurden."

Grundproblem nicht erkannt

In sozialen Netzwerken äußerten sich Piloten derweil auch ironisch oder ablehnend zu den Angeboten des Ryanair-Chefs. Ein deutscher Ryanair-Pilot, der als selbständiger Vertragspilot für die Airline fliegt und anonym bleiben möchte, sagte dem WDR, es sei unklar, inwieweit sich O´Learys Angebot auch an Mitarbeiter wie ihn richteten. Generell habe O'Leary zwar einige Forderungen der Piloten aufgegriffen, aber das Grundproblem nicht erkannt: "Er versucht das alles mit Geld und Versprechungen zu lösen, aber was viele von uns wollen, Verträge nach vor Ort geltendem Arbeitsrecht, bei dem er auch für alle regulär Steuern und Sozialabgaben zahlen müsste, das bietet er nicht an."

Experten schätzen, dass bis zur Hälfte aller Ryanair-Piloten nicht direkt bei Ryanair angestellt sind, sondern als Selbständige oder über Leiharbeitsfirmen für Ryanair fliegen. Ryanair hatte zuletzt Tausende Flüge bis ins kommende Frühjahr hinein gestrichen. Etwa 700.000 Passagiere sind davon betroffen. Als Grund gab die Airline Fehler bei der Erstellung von Dienstplänen an.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 06. Oktober 2017 um 15:45 Uhr.

Darstellung: