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Kritik an fehlenden Gesetzen
RWE verschiebt Entscheidung über Groß-Windpark
Der Energiekonzern RWE will die Regelung offener Haftungsfragen abwarten, bevor er endgültig über die Milliardeninvestition für einen Windpark in der Nordsee vor der Insel Juist entscheidet. "Wir brauchen ein Gesetz", sagte eine Sprecherin der RWE-Tochter für erneuerbare Energien, Innogy, und bestätigte einen Bericht des "Handelsblatts". Das Projekt "Innogy Nordsee 1" hätte eigentlich im zweiten Halbjahr auf den Weg gebracht werden sollen, hatte der neue Innogy-Chef Hans Bünting dem Blatt zuvor gesagt. "Die endgültige Entscheidung wird sich aber mindestens bis Anfang 2013 verzögern."
Wer haftet, wenn der Strom nicht transportiert wird?
Bisher ist unklar, wer haften muss, wenn Windparks auf hoher See nicht rechtzeitig ans Stromnetz angeschlossen werden oder wenn die Leitung, die den erzeugten Strom an Land transportiert, im Betrieb ausfällt. Dafür fordert RWE eine gesetzliche Regelung. "Solange insbesondere die Haftungsfrage des Netzbetreibers für Verzögerungen und Ausfälle nicht geregelt ist, brauche ich dem Vorstand der RWE AG kein weiteres Projekt vorzuschlagen", sagte Bünting der Zeitung. "Das hätte keine Chance auf Genehmigung."
Allerdings habe das Unternehmen die Aufträge für die Hauptkomponenten des Projekts vor der Insel Juist bereits ausgeschrieben, erklärte der Konzern. Das sei ein gewisser Vertrauensvorschuss, den RWE dem Bund entgegenbringe.
RWE plant Drei-Milliarden-Investition
RWE hatte im April vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) die Genehmigung zum Bau des Offshore-Windparks "Innogy Nordsee 1" erhalten. Der Windpark umfasst 54 Turbinen und soll rund 40 Kilometer vor Juist auf 34 Quadratkilometern errichtet werden. Auch für die geplanten Windparks Nordsee 2 und 3 wird bald eine Erlaubnis erwartet. Insgesamt plant RWE, in den drei Windparks in den kommenden Jahren auf 100 Quadratkilometern rund 160 Windturbinen mit einer Gesamtleistung von knapp 1000 Megawatt zu errichten, was der Leistung eines Atommeilers entspricht. RWE veranschlagt für die drei Phasen insgesamt Investitionen in Höhe von mehr als drei Milliarden Euro.
Bereits im Bau ist vor der Insel Helgoland der RWE Windpark Nordsee Ost mit 48 Windrädern und einer Kapazität von 300 Megawatt. In diesem Jahr sollen die Fundamente dafür gesetzt werden. Aber auch hier ist noch unklar, wann die Räder ans Netz gehen.
Der Ausbau der Windenergie auf See ist von erheblicher Bedeutung für die von der Bundesregierung eingeleitete Energiewende. Die Regierung will bis 2020 den Anteil von Ökostrom am Verbrauch auf mindestens 35 von derzeit 20 Prozent erhöhen. RWE wie auch Konkurrent E.ON hatten immer wieder die Bundesregierung vor einem Scheitern ihrer Ausbaupläne für Windkraft gewarnt. Ihr Vorwurf: Die Stromnetzbetreiber kämen mit dem Anschluss der Windparks nicht hinterher. Die Netzbetreiber hätten sich selbst über- und die Probleme unterschätzt. Zudem seien die finanziellen Anreize für die Netzbetreiber unzureichend.
Stand: 25.07.2012 16:53 Uhr
