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Russlands Ministerpräsident Putin gibt sich überrascht von der GM-Entscheidung und spricht von einem höhnischen Umgang mit den europäischen Partnern. Doch Medien des Landes werten die Entwicklung als Chance für eine Neuausrichtung der Industriestrategie in Richtung Asien.
Von Heide Rasche, zzt. ARD-Hörfunkstudio Moskau
[Bildunterschrift: Die GM-Entscheidung gegen den Opel-Verkauf löste in Russland Diskussionen aus. ]
"Keine Durchfahrt für Russen", "Magna und Sberbank fahren vorbei" und "Ein Schlag ins Gesicht für Deutschland" - in den russischen Medien ist der geplatzte Opel-Deal heute das vorherrschende Thema. Auch wenn die russische Regierung sich gestern erstaunt über die GM-Entscheidung zeigte, die Wirtschaftsexperten der russischen Medien geben sich heute nicht allzu überrascht.
Die Wirtschaftszeitung "Kommersant" schreibt, der Deal mit GM habe von Anfang an mehr Fragen aufgeworfen als Antworten gegeben. Unter anderem der Technologietransfer von West nach Ost war aus Sicht des Blattes nicht klar geregelt. Moskau hatte mit dem Opel-Magna-Sberbank-Deal einige Hoffnungen auf den dringend nötigen Modernisierungsschub für die heimische Autoindustrie verbunden.

Jetzt spekulieren einige Medien über eine mögliche Umorientierung der russischen Industriestrategie, weg von Europa, hin nach Osten, also nach China, Korea, Japan. Angeblich stehen auf dem russischen Markt mehrere große Autokonzerne Schlange.
Die Nachrichtenagentur Ria Novosti zitiert einen Wirtschaftsexperten, der GM vor zu viel Optimismus warnt. Ob die russische Regierung jetzt noch bereit sei, den Absatz von Opel-Produkten auf dem russischen Markt zu fördern, sei eher fraglich.
Einige Analysten gehen sogar soweit, davon zu sprechen, die Entscheidung sei gar nicht so schlecht für die russische Wirtschaft. Jetzt sei es möglich, noch mal ganz neu nachzudenken und Perspektiven für eine moderne Wirtschaft zu entwickeln.
[Bildunterschrift: Viel Zeit und Geld investiert, ohne zum Zug zu kommen: die russische Sberbank. ]
Trotzdem: Das Büro des Premierministers will prüfen, ob der GM-Schritt zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch möglich war. Immerhin, so erklärte ein Duma-Abgeordneter, habe die russische Sberbank viel Zeit und Geld in das Projekt investiert. Dass die Sberbank lange auf den geplanten Investitionsmitteln sitzen bleibt, daran glaubt keiner der befragten Politiker und Wirtschaftsexperten. Der Vorsitzende des Duma-Ausschusses für Wirtschaftspolitik, Jewgeni Fjodorow, erklärte laut Nachrichtenagentur Itar-Tass, das Geld werde nun eingesetzt für Wirtschaftsprojekte, die nicht weniger gute Dividenden erbrächten.
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