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RSS-Feed Totgesagte leben länger

Stand: 15.06.2018 09:11 Uhr

Seit fast 20 Jahren gibt es den RSS-Feed und seine Beliebtheit steigt. Denn in Zeiten von Fake News bietet RSS die Möglichkeit, sich selbst einen Überblick über Inhalte im Web zu verschaffen.

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles

Edwin Khodabakchian strahlt. Sein kleines Start Up mit Sitz in Redwood City mitten im Silicon Valley profitiert von Fake News und der Facebook-Filterblase. Inzwischen hat es rund 15 Millionen Nutzer.

Mit seinem in der Grundversion kostenlosen Online-Dienst Feedly erlaubt er Usern, sich selbst einen Überblick über Nachrichten und Themen zu verschaffen. "Die Leute schauen sich jetzt mehr um - und zwar nach Inhalten, die für sie selbst interessant sind", begründet Khodabakchian den Erfolg seines Start Ups.

Internet-Dinosaurier RSS

Feedly nutzt dabei ein Protokoll, das noch aus den Anfängen des Internets stammt: RSS (Rich Site Summary). Viele Internetseiten bieten sogenannte RSS-Feeds an. Oft muss man auf der jeweiligen Website den Link zum RSS-Feed suchen. Den kann man dann in seinen RSS-Reader kopieren. Wer dafür zu faul ist, nutzt Dienste wie News Blur oder Feedly.

Dies sei produktiver, so Khodabakchian. Denn man müsse nicht zwischen unterschiedlichen Tabs im Browser hin- und herspringen. "Stattdessen stellen wir einen Nachrichtenfeed zusammen, der ein wenig an den Facebook Feed erinnert. Aber er besteht aus den Themen, für die man sich selbst wirklich interessiert und die man selbst kontrolliert. Der Nutzer selbst ist der Algorithmus, weil er festlegt."

Ein RSS-Feed ist ein Link zu den Inhalten einer Website - zum Beispiel zu Blogs oder zu Angeboten wie tagesschau.de, Spiegel Online, oder sueddeutsche.de. Mit dem Unterschied, dass die Texte im Feedreader zu lesen sind. Somit erübrigt es sich, jede einzelne Website anzuklicken. Stattdessen erhält man im Reader einen kompakten Überblick über die verschiedensten Webseiten.

Totgesagte leben länger: Der RSS Feed
Marcus Schuler, ARD Los Angeles
15.06.2018 08:18 Uhr

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Facebook ist ein Grund für den Boom

Dieses Prinzip lässt sich nicht nur auf klassische Nachrichtenangebote anwenden, sondern auch auf einzelne Bereiche wie Wissenschafts- Kultur, Sport oder Unterhaltungsthemen. Der Nutzer kann also die Feeds von Blogs abonnieren, die sich mit einem bestimmten Nischenthema auseinandersetzen: "Wenn man sich dann 30 Tage eingehend damit beschäftigt, baut man selbst ein großes Wissen auf", sagt Khodabakchian.

Der Feedly-Chef beobachtet, dass sich mehr und mehr Menschen, einen derartigen Überblick verschaffen wollen. Das zeigen die Zugriffszahlen auf seinen Dienst. Ein Grund ist Facebook. Das soziale Netzwerk hat im Herbst damit begonnen, die Angebote professioneller Nachrichtenanbieter weniger stark zu gewichten. Verantwortlich dafür ist ein von künstlicher Intelligenz gesteuerter Algorithmus.

Stattdessen bevorzugt Facebook jetzt die Einträge seiner Nutzer. "Die Vielzahl an Information ist explodiert. Eine wichtige Rolle spielt da künstliche Intelligenz", erläutert Khodabakchian. "Die Kernfrage ist: Wer kontrolliert sie und was ist ihr Ziel? Soll sie für große Unternehmen Werbung und Einnahmen generieren oder will man als Nutzer das lieber selbst kontrollieren und verstehen?"

Feedly ist nur ein Beispiel, um sich komfortabel und schnell einen Überblick zu verschaffen. Egal ob in der Tiefe oder in der Breite. Es gibt aber nicht nur Onlinereader, sondern viele RSS-Apps fürs Handy oder kostenlose Software, die sich auf dem Computer installieren lassen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 15. Juni 2018 im "Mittagsecho" ab 13:00 Uhr.

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