Seitenueberschrift

Vor Milliarden-Deal zwischen BP und Rosneft

Russische Behörden verhaften Öl-Manager

Es geht um enorme Summen und um ein Erdöl-Monopol in Russland: 28 Milliarden Dollar bietet Russlands Staatskonzern Rosneft für den britisch-russischen Ölförderer TNK-BP. Während man bei BP noch über den Millarden-Deal berät, wird ein russischer Manager des Joint Ventures verhaftet.

Von Christina Nagel, ARD-Hörfunkstudio Moskau

Tanks des russischen Ölkonzerns Rosneft.
galerie

Russlands Staatskonzern Rosneft will größter börsennotierter Ölförderer der Welt werden.

Die Nachricht über die Festnahme eines Öl-Managers in Russland hat die Spekulationen über die Zukunft des russisch-britischen Joint Ventures TNK-BP noch einmal heftig angeheizt. Die russischen Behörden verhafteten den TNK-BP-Manager wegen Betrugs während seiner Zeit in der Regionalregierung der Region Irkutsk.

Dass die Ermittler ausgerechnet heute zuschlugen, ist für viele Experten kein Zufall. Der Aufsichtsrat des britischen Ölkonzerns BP hat heute über den Verkauf seiner TNK-BP-Anteile an den staatlichen russischen Konzern Rosneft beraten und eine baldige Entscheidung angekündigt.

"Bei diesem Deal ist jedes Mittel recht"

Auch wenn alle Beteiligten eine Verbindung zwischen den Ereignissen dementierten, gehe es nun einmal um viel Geld und Einfluss, erklärte der Wirtschaftsreporter Maxim Blant dem Radiosender Echo Moskvy: "Es geht nicht um Dutzende Millionen, nicht um Hunderte, sondern um Milliarden Dollar. Bei diesem Deal ist jedes Mittel recht." Jede Art von zusätzlichem Druck für die heutigen Besitzer von TNK-BP spiele natürlich Rosneft in die Hände und damit dem Chef des Staatskonzerns, Igor Setschin.

Das Management des Joint Ventures hat mehr als einmal die Erfahrung machen müssen, dass russische Behörden - die Steuerfahndung, die Arbeitsaufsicht oder auch der Geheimdienst - gravierenden Einfluss auf Unternehmensentscheidungen ausüben können. 2008 musste der damalige Chef des Joint Ventures, Bob Dudley, regelrecht aus Russland flüchten. Er warf der russischen Regierung Schikanen vor. Die Leitung von TNK-BP übernahm daraufhin ein Russe.

Rosneft: größter börsennotierter Ölkonzern der Welt

Dass sich BP nach all den Querelen der vergangenen Jahre am Ende tatsächlich für eine Zusammenarbeit mit Rosneft entscheidet, mag der russische Wirtschaftsjournalist Michail Krutichin kaum glauben. Im russischen Fernsehkanal Doschd erklärte er: "Eine Allianz zwischen Rosneft und BP kann ich mir schwer vorstellen."

Logo von BP
galerie

BP liegt für die russische Tochter ein milliardenschweres Übernahmeangebot vor.

Der Grund sei ganz einfach: BP kümmere sich um die Interessen der Aktionäre und verhalte sich wie ein normales Unternehmen. Rosneft starte dagegen öfter Projekte, die offenkundig nicht rentabel sind, aber für die russische Führung politisch wichtig.

Der Deal mit BP wäre für Rosneft, an dessen Spitze der Putin-Vertraute Setschin steht, wirtschaftlich und politisch von größter Bedeutung. Rosneft könnte dadurch zum größten börsennotierten Ölkonzern der Welt werden.

BP-Aufsichtsrat noch zurückhaltend

Dazu müsste das Unternehmen den 50-Prozent-Anteil von BP an TNK-BP kaufen. Geboten wurden angeblich 28 Milliarden Dollar. Und sich außerdem den zweiten Anteil sichern, der einem Konsortium russischer Oligarchen gehört. Letztere sollen sich mit Rosneft bereits auf eine entsprechende Absichtserklärung geeinigt haben – auch hier ist von 28 Milliarden Dollar die Rede.

Der Wirtschaftsjournalist Krutichin warnt vor den Folgen des Deals: "Schon jetzt ist Rosneft der größte Spieler bei uns." Wenn das Unternehmen jetzt noch TNK-BP kaufe, werde es auf dem russischen Markt zu einem Riesen, zu einem Monster. "Wie immer wirkt sich so etwas auf die Management-Qualität aus und bringt nichts Gutes."

Der Aufsichtsrat von BP gab sich mit Blick auf das Angebot von Rosneft zunächst noch zurückhaltend: Man werde "zu gegebener Zeit" eine Entscheidung treffen und bekanntgeben, hieß es. Ein alternatives Angebot des bisherigen russischen Partners bei TNK-BP, des Konsortiums AAR, wurde allerdings abgelehnt.

Stand: 19.10.2012 19:00 Uhr

Darstellung: