Frau mit einem Smartphone am Strand | Bildquelle: dpa

Telekommunikation Weg frei für Ende der Roaming-Gebühren

Stand: 01.02.2017 11:49 Uhr

Das Ende der Roaming-Gebühren ist zum Greifen nah: Die EU-Institutionen einigten sich auf letzte Details. Entgelte, die sich Mobilfunkanbieter gegenseitig für die Nutzung ihrer Infrastruktur in Rechnung stellen dürfen, werden gedeckelt.

Reisende können voraussichtlich ab Mitte Juni ohne Zusatzkosten im EU-Ausland mobil telefonieren und im Internet surfen. Vertreter des EU-Parlaments und der Mitgliedsstaaten räumten die letzte wichtige Hürde dafür aus dem Weg. Sie verständigten sich auf die noch festzulegenden Roaming-Großhandelspreise. Beide Seiten müssen die Einigung noch offiziell billigen.

"Das war das letzte Puzzleteil", erklärte der zuständige Vizepräsident der EU-Kommission, Andrus Ansip. "Ab dem 15. Juni können die Europäer in der EU ohne Roaming-Gebühren reisen."

Kostendeckel festgelegt

EU-Kommissionsvize Andrus Ansip
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"Das letzte Puzzleteil": EU-Kommissionsvize Andrus Ansip

Die europäischen Telekom-Unternehmen können sich für die Auslandsnutzung ihrer Kunden gegenseitig Kosten in Rechnung stellen. Dafür etabliert die EU nun Obergrenzen von 3,2 Cent pro Minute für Anrufe und ein Cent für SMS. Für Datenvolumen sinken die Obergrenzen schrittweise von zunächst 7,70 Euro pro Gigabyte ab dem 15. Juni auf schließlich 2,50 Euro pro Gigabyte ab dem 1. Januar 2022.

Diese Kostendeckel liegen den Angaben zufolge etwa 90 Prozent unter den aktuellen Begrenzungen. "Die vereinbarten Obergrenzen sorgen dafür, dass die Anbieter überall in Europa ihre Kosten abdecken können, sind aber niedrig genug, um den Wettbewerb auf den europäischen Telekom-Märkten zu sichern", sagte die finnische Europaabgeordnete Miapetra Kumpula-Natri, die das Thema im Europaparlament federführend betreute.

Ursprünglicher Plan: 90 Tage Roaming-Freiheit

Die EU-Kommission hatte im Herbst ursprüngliche Pläne aufgegeben, die Roaming-Freiheit für Verbraucher auf 90 Tage pro Jahr zu beschränken. Stattdessen sollen Anbieter einen Missbrauch wie etwa das dauerhafte Telefonieren mit billigen ausländischen SIM-Karten unterbinden können.

Die europäische Regulierungsstelle Berec fand die Regelung dazu allerdings schwammig und warnte, die Telekom-Firmen könnten als Reaktion auf die Roaming-Abschaffung die Inlands-Tarife anheben.

Verbraucherschützer freuen sich

Verbraucherschützer begrüßten die aktuelle Einigung. Johannes Kleis von ihrem europäischen Zusammenschluss BEUC sprach im Interview mit dem ARD-Studio Brüssel von "sehr guten Nachrichten für die europäischen Verbraucher". Das Ende der Roaming-Gebühren sei schon lange angekündigt gewesen, nun werde es endlich so weit sein.

Er widersprach auch Befürchtungen, die Telekom-Anbieter könnten sich das Geld, das ihnen beim Roaming fehlen wird, beispielsweise durch höhere Inlandstarife wieder holen. Die Roaming-Gebühren seien schon in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesenkt worden. Danach habe es keine Anzeichen von erhöhten Preisen gegeben.

Mit Informationen von Kai Küstner, ARD-Studio Brüssel

EU-Einigung beim Roaming - Lob von Verbraucherschützern
K. Küstner, NDR Brüssel
01.02.2017 13:17 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 01. Februar 2017 um 11:45 Uhr.

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