iPhone | Bildquelle: dpa

Gesperrtes Handy eines Attentäters Apple will dem FBI nicht helfen

Stand: 17.02.2016 16:06 Uhr

Für das FBI geht es um Hinweise auf das Attentat von San Bernardino mit 14 Toten: Die Behörde verlangt von Apple, ihr Zugang zu den verschlüsselten Handydaten eines der Angreifer zu verschaffen. Firmenchef Cook verweigert dies - und fordert eine öffentliche Debatte über Datenschutz.

Apple-Chef Tim Cook | Bildquelle: AFP
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Apple-Chef Tim Cook will dem FBI nicht beim Hacken helfen.

Darf die US-Bundespolizei den Apple-Konzern zwingen, ihr Zugang zu verschlüsselten Kundendaten zu verschaffen? Apple-Chef Tim Cook bleibt in dieser Frage hart - und will nun juristisch gegen eine entsprechende Anordnung einer US-Bundesrichterin vorgehen. Diese hatte verlangt, dass Apple den Behörden bei der Entsperrung des Mobiltelefons hilft, das einem der Attentäter von San Bernardino gehörte. Es geht um das Diensthandy des nach dem Anschlag getöteten Angreifers Syed F., das mit einem Passwort gesichert ist. F. und seine Frau hatten Anfang Dezember in San Bernardino 14 Menschen erschossen.

Das Problem beim iPhone: Wird mehr als zehn Mal hintereinander das falsche Codewort eingegeben, löscht das Apple-Standardprogramm sämtliche Daten. Die Richterin hat nun verlangt, dass Apple ein Programm entwickelt, mit dem das Passwort umgangen werden kann. Es war die erste derartige Richteranordnung in den USA.

"Wir wollen eine öffentliche Diskussion"

Cook schrieb auf der Internetseite seines Unternehmens an seine Kunden, die US Regierung verlange von Apple letztlich die Entwicklung eines Generalschlüssels, der Hunderte Millionen Schlösser öffne. Das habe Auswirkungen weit über den aktuellen Rechtsstreit hinaus, und deshalb müsse es darüber eine öffentliche Diskussion geben.

"Wir wollen, dass unsere Kunden und Menschen überall im Land begreifen, was auf dem Spiel steht", schrieb Cook. Wenn dieses Programm entwickelt werde und in die falschen Hände gerate, öffne es praktisch in jedem iPhone eine Hintertür, durch die sämtliche Daten ausgelesen werden könnten. "Während die Regierung argumentieren mag, dass dies nur auf diesen Fall beschränkt sei, gibt es keinen Weg, so etwas zu garantieren", warnte Cook.

Apple verweigert Datenweitergabe an das FBI
nachtmagazin 00:00 Uhr, 18.02.2016, Stefan Niemann, ARD Washington

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Attentäter hatten mehrere Datenträger zerstört

Dagegen argumentiert das FBI, es sei ein großes Problem, wenn Strafverfolger ein Gerät fänden, dass niemand öffnen könne, selbst wenn ein Richter das verlange. Laut FBI-Chef James Comey erhoffen sich die Ermittler wichtige Erkenntnisse von der Entschlüsselung: "An diesem Morgen, bevor der Attentäter aus dem Zug stieg, um einen Massenmord zu begehen, hat er 109 Nachrichten ausgetauscht mit einem Terroristen im Ausland. Wir wissen nicht, um was es ging. Wir wissen es nicht, weil die Informationen verschlüsselt sind. Und das ist ein großes Problem."

Überhaupt hatten F. und seine ebenfalls getötete Frau und Komplizin große Mühe darauf verwandt, ihre anderen beiden Mobiltelefone so zu zertrümmern, dass sie das FBI nicht mehr entschlüsseln konnte. Auch ihre Computerfestplatte entfernten sie. Diese ist bis heute verschwunden.

Kerzen auf dem Boden an einer Straße. | Bildquelle: AFP
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Das Telefon von einem der Attentäter von San Bernardino bietet vielleicht neue Erkenntnisse, warum das Paar Anfang Dezember 14 Menschen in der kalifornischen Stadt erschoss.

FBI ist auf Kooperation angewiesen

FBI-Chef Comey hatte in der vergangenen Woche vor dem US-Kongress erklärt, dass die immer weiter verbesserte Verschlüsselung von Daten ein Problem für die nationale Sicherheit und bei Strafermittlungen darstellte. Die Behörden seien daher auf die Kooperation von Technik-Unternehmen angewiesen: "Wir kommen nicht an die Daten ran. Die Leute schauen Fernsehen und meinen, wir könnten alles, aber das ist nicht so: wir kommen da nicht ran."

Cook betonte, dass seine Firma das FBI wie vorgeschrieben unterstütze und den Ermittlern alle vorliegenden Daten zur Verfügung gestellt habe. "Aber jetzt hat das FBI nach etwas gefragt, was wir nicht haben - und auch zu gefährlich finden, es zu erschaffen."

iPhones entsperren ist für Apple "unmöglich"

Die US-Tageszeitung "Washington Post" schrieb unter Berufung auf Industriekreise, dass es Apple im Moment nicht möglich sei, die automatische Löschfunktion abzuschalten. Der Konzern betont stets, dass sie technisch gar nicht in der Lage seien, die Verschlüsselung der Geräte auszuhebeln und auf Daten ihrer Kunden zurückzugreifen. In einem ähnlichen Fall im vergangenen Jahr hatte die Firma einem New Yorker Gericht mitgeteilt, dass es "unmöglich" sei, iPhones zu entsperren, die mit aktuelleren Versionen ihres Betriebssystems laufen. Das Telefon des Attentäters Syed F. war ein iPhone 5C und lief mit iOS9.

Mit Informationen von Susanne Heberer, ARD-Studio Washington

Kein Generalschlüssel für das FBI
W. Stuflesser, ARD Los Angeles
17.02.2016 16:29 Uhr

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