Supermarkt | Bildquelle: dpa

Einzelhandel Lohndumping bei Rewe und Edeka?

Stand: 30.05.2017 02:22 Uhr

Die Lebensmittelketten Rewe und Edeka haben ein Image als verbraucherfreundliche Märkte aufgebaut. Doch Report-Mainz-Recherchen haben ergeben, dass die Betreiber in vielen Märkten früher übliche Lohnstandards unterlaufen.

Von Edgar Verheyen, SWR und Bianca Schillig, SWR

Mitarbeiter der zwei großen Einzelhandelsketten Rewe und Edeka berichten, dass sie nicht nach Tarif bezahlt werden. So gibt ein Mitarbeiter an, er erhalte lediglich einen Stundenlohn von 10,50 Euro. Andere arbeiten zum Mindestlohn von 8,84 Euro. Der Durchschnittstariflohn im Einzelhandel liegt nach Angaben von ver.di zwischen 15 und 17,50 Euro. Auch Urlaubs- oder Weihnachtsgeld zahle der Eigentümer der Filiale oft nur als freiwillige Leistung aus, je nachdem, wie er den Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin beurteile.

Überstunden würden teilweise gar nicht bezahlt oder in Form von Gutscheinen für den eigenen Supermarkt. Sogar Stundennachweise würden in den Märkten manipuliert, um Überstunden der Mitarbeiter unter den Tisch fallen zu lassen. Die Berichte stammen aus Märkten von Edeka und Rewe, die die Konzerne privatisiert haben, die also von selbstständigen Kaufleuten geführt werden. 

Vorwürfe gegen Rewe und Edeka
morgenmagazin, 30.05.2017, Edgar Verheyen, SWR

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Privatisierung der Märkte das Problem

Rund 3300 Rewe-Märkte gibt es bundesweit. Davon gehören 60 Prozent dem Konzern, 40 Prozent einzelnen Kaufleuten. Dasselbe System bei Edeka: Bundesweit gibt es etwa 7000 Märkte. Davon gehören 20 Prozent dem Konzern und 80 Prozent Einzelkaufleuten.

Vertreter von Gewerkschaften beklagen, dass sich der Lebensmitteleinzelhandel damit systematisch aus dem Flächentarifvertrag verabschiede. Ver.di-Funktionär Markus Klemt berichtet, dass sich nach der Umwandlung einer Konzernfiliale in eine eigentümergeführte Filiale die Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten oft stark verschlechtern: "In der Bezahlung reduzieren sich in relativ kurzer Zeit die Einkommen um 20 bis 30 Prozent. Normalerweise müssten bei einem sogenannten Betriebsübergang die alten Bedingungen für die Dauer eines Jahres eingehalten werden." Doch oft würden Mitarbeiter vom Eigentümer unter Druck gesetzt, schlechtere Arbeitsverträge zu unterschreiben.

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Lebensmittelkonzerne weisen Vorwürfe zurück

Rewe widerspricht den Vorwürfen: "Nur etwa fünf Prozent aller in den privatisierten Märkten abgeleisteten Stunden unserer Mitarbeiter werden mit dem reinen Mindestlohn vergütet. Die wenigen Mitarbeiter, die den reinen Mindestlohn erhalten, verrichten einfachste Tätigkeiten im Markt."

Edeka erklärt dazu: "Zahlreiche mittelständische Einzelhandelsbetriebe im Edeka-Verbund unterliegen zwar keiner Tarifbindung, dennoch bezahlen viele Betriebe branchenüblich und bieten darüber hinaus individuelle übertarifliche Leistungen."

"Mindestlohn mehr Fluch als Segen"

Der Arbeitsmarktexperte Stefan Sell von der Hochschule Remagen/Koblenz hält das für Schönrechnerei. "Selbst wenn auf dem Papier mindestens Mindestlohn gezahlt wird, wird in der Realität dieser Mindestlohn durch unbezahlte Mehrarbeit der Mitarbeiter oftmals wieder unterlaufen." Der Mindestlohn habe keine Verbesserung gebracht, im Gegenteil. Der Lebensmittel-Einzelhandel befinde sich seit Jahren auf einer sozialen Talfahrt.

Keine politische Lösung in Sicht

Ursachen sieht der Experte in den Arbeitsmarktreformen der rot-grünen Koalition unter Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder. Im Jahr 2000 hatte die Koalition die Allgemeinverbindlichkeit von Tarifverträgen aufgehoben.

Doch von Seiten der Politik gibt es keine Hinweise auf eine baldige Lösung dieses Lohndumpings. Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles verweist darauf, dass beide Tarifparteien die Allgemeinverbindlichkeit wieder beantragen müssten, also auch die Arbeitgeber. Das sei nicht geschehen.

Arbeitsmarktexperte Sell hält das für eine Ausrede. Die Bundesregierung müsse einfach die Allgemeinverbindlichkeit von Tarifverträgen erklären, so wie es früher der Fall gewesen sei.

Für die Beschäftigten bedeutet die Entwicklung oft: Sie müssen bei der Arbeitsagentur Aufstockungsleistungen beantragen, weil sie von ihrem Gehalt alleine nicht leben können. Der Gewinn von selbstständigen Märkten der Rewe- und Edekagruppe wird somit indirekt durch die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler subventioniert.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 30. Mai 2017 um 10:00 Uhr.

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