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Vorwürfe gegen Autobauer Abgas-Betrug auch bei Renault?

Stand: 15.03.2017 19:20 Uhr

Eine französische Behörde hat schwere Vorwürfe gegen Renault erhoben: Bei dem Konzern gebe es "betrügerische Strategien" bei Abgastests - und das schon seit mehr als 25 Jahren, berichten mehrere französische Medien. In die Affäre soll die gesamte Führungsriege verstrickt sein.

In der Diesel-Abgasaffäre hat eine französische Behörde schwere Vorwürfe gegen den Autobauer Renault erhoben: Bei dem Konzern gebe es möglicherweise schon seit mehr als 25 Jahren Strategien, um bei Abgastests zu betrügen, heißt es in einem Bericht der Behörde für Wettbewerb, Verbraucher und Betrugsbekämpfung (DGCCRF). In die Affäre verstrickt sei die gesamte Führungsriege, darunter auch Renault-Chef Carlos Ghosn.

Die dem französischen Wirtschaftsministerium untergeordnete Behörde wirft dem Autobauer die Erfindung einer Software vor, um "die Ergebnisse von Abgastests zu fälschen". Einige dieser Praktiken seien schon 1990 eingeführt worden, heißt es unter Berufung auf einen Ex-Mitarbeiter.

"Betrügerische Einrichtung"

Laut der Zeitung "Libération" habe es große Unterschiede zwischen den Abgaswerten bei Zulassungstests im Labor und unter Realbedingungen auf der Straße gegeben. Im Fall des Modells Renault Captur werde die Norm für CO2-Emissionen um 377 Prozent überschritten. "Diese Ergebnisse lassen die Installation einer betrügerischen Einrichtung vermuten, um Stickoxid-Emissionen unter den spezifischen Bedingungen der Zulassungstests zu reduzieren und so die ordnungsgemäßen Grenzwerte einzuhalten", zitierte das Blatt den Bericht.

Justiz ermittelt bereits

Der Autobauer erklärte, dass er den Inhalt des Berichts nicht kenne. Renault habe nicht gegen europäische oder nationale Zulassungsregeln verstoßen. "Die Fahrzeuge von Renault sind nicht mit Betrugssoftware für die Abgasreinigung ausgestattet", teilte das Unternehmen mit.

Die Anti-Betrugs-Behörde hatte ihre Erkenntnisse Ende vergangenen Jahres an die Staatsanwaltschaft übermittelt, seit Januar ermittelt die französische Justiz. Anlass für die Überprüfungen der Behörde war der VW-Abgasskandal.

Über dieses Thema berichteten die Tagesthemen am 15. März 2017 um 22:15 Uhr.

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