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Weltweit werden immer mehr Flächen genutzt, um Rohstoffe für Biosprit anzubauen. Die Folge: Weniger Nahrungsmittel werden produziert, die Preise steigen dramatisch - beispielsweise für Reis. Mehrere Länder erließen inzwischen Exportverbote, um die Versorgung sicherzustellen.
Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Hörfunkstudio Singapur
[Bildunterschrift: Eine Reisbäuerin in der Nähe der philippinischen Hauptstadt Manila. ]
Die Reispreise in Südostasien sind auf den höchsten Stand seit Jahrzehnten gestiegen. Reis aus Thailand, dem größten Exporteur weltweit, ist um rund 30 Prozent teurer als Anfang des Jahres und kostet etwa 580 US-Dollar pro Tonne. Einen Dollar für zwei Kilo Reis, solche Preise können sich viele Menschen in Südostasien jedoch kaum noch leisten.
[Bildunterschrift: Ein Reislieferung aus Vietnam wird im Hafen von Manila entladen. Vietnam hat inzwischen dem Export von Reis eingeschränkt. ]
Vietnam, der zweitgrößte Reisproduzent weltweit, hat den Reisexport deshalb begrenzt, um Versorgung und Preisstabilität im eigenen Land zu sichern. Kambodscha hat gar ein Export-Verbot für Reis verhängt und Indonesien, das Land mit der größten Bevölkerung in Südostasien, erwägt eine Export-Steuer, um die Händler zum Verkauf im eigenen Land zu bewegen. Die Versorgungsengpässe und explodierenden Preise könnten leicht zu Unruhen führen, meint Ifzal Ali, Chef-Ökonom der Asiatischen Entwicklungsbank ADB: "Wenn erstmal eine solche Situation entsteht, dann kann das sehr gefährlich werden. Wenn es zu einem Klassenkampf kommt, dann unterminiert das die Stabilität einer Gesellschaft. Deshalb sind die Regierungen der südostasiatischen Länder beim Thema Nahrungsmittelpreise auch so sensibel."
Fast die Hälfte der rund 6,6 Milliarden Menschen auf der Erde lebt von Reis. Für mehr als 2.5 Milliarden in Asien ist Reis das wichtigste Grundnahrungsmittel. Und die weltweiten Reisvorräte sind zurzeit auf dem niedrigsten Stand seit mehr als 30 Jahren. Auf den Philippinen gibt es bereits Versorgungsengpässe. Das Inselreich mit rund 85 Millionen Einwohnern muss den größten Teil seines Reisbedarfs importieren, mehr als zwei Millionen Tonnen pro Jahr. Duncan Macintosh vom internationalen Reis-Forschungsinstitut in Manila erklärt: "Das Problem der Philippinen ist, dass sie sich mit Reis nicht selbst versorgen können. Vor allem aus geografischen Gründen. Anders als die großen Reis-Exporteure Thailand oder Vietnam, haben die Philippinen, als riesiges Archipel mit mehr als 7000 Inseln, weniger Agrarflächen. Im Vergleich mit Thailand weniger als die Hälfte."
Medienberichten zufolge müssen bereits jetzt rund zehn Millionen Filippinos Hunger leiden. Cris Luangko, ein Familienvater aus Mindanao, sagte im Fernsehen: "Es ist sehr schwer, den Lebensunterhalt zu bestreiten und genügend Geld zu verdienen, um Essen für die Familie kaufen zu können. Die Preise für Reis und andere Lebensmittel sind drastisch angestiegen. Wir merken das in unserem täglichen Budget."
[Bildunterschrift: Von Polizei bewacht stehen die Menschen in Manila stundenlang nach subventionierten Reis an. ]Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen WFP hat Mittel zur Verfügung gestellt, um für rund eine Million Menschen, die Ärmsten der Armen im Süden der Philippinen, die Lebensmittelversorgung zu sichern. Die Landes-Direktorin der WFP auf den Philippinen Valerie Guarnieri: "Nahrungsmittel machen in der Regel den größten Anteil am Budget der Familien aus. Und wenn die Preise für Nahrungsmittel ansteigen, macht sich das besonders bei den Armen bemerkbar. Diejenigen, die vorher gerade so zurecht gekommen sind, können jetzt, wo sich die Preise verdreifacht haben, kaum noch genug zu essen für ihre Familien kaufen."
[Bildunterschrift: Die Palmölproduktion in Indonesien verzeichnet hohe Zuwachsraten - auf Kosten des Nahrungsmittelanbaus. ]
Einer der Gründe für die niedrigen Lagerbestände bei Reis ist die weltweit steigende Nachfrage nach Biotreibstoffen. Immer mehr landwirtschaftliche Flächen werden für Biodiesel-Rohstoffe wie Palmöl und Mais genutzt und nicht mehr für die Nahrungsmittel-Produktion, kritisiert Duncan Macintosh vom internationalen Reis-Forschungsinstitut in Manila: "Auf der einen Seite fördern die Regierungen, auch die der Philippinen, den Anbau von Pflanzen, die für Biotreibstoffe verwendet werden können, um so das Einkommen der Bauern zu verbessern. Auf der anderen Seite, wenn zu viele Bauern auf diese gewinnbringenden Agrarprodukte umsteigen, kann das zu einer nationalen Versorgungskrise für Lebensmittel führen."
Auch in dem südostasiatischen Stadtstaat Singapur machen sich die Lieferschwierigkeiten bei Reis bereits mit einem drastischen Preisanstieg bemerkbar. Mehr als fünf SingDollar, umgerechnet 2,50 Euro, kostet ein Kilo Reis. In den Supermärkten gibt es bereits erste Hamsterkäufe. Lim Gek Hong, der Besitzer eines lokalen Supermarktes in Singapur, sagt: "Wir haben große Vorräte angelegt, als die Preise noch niedrig waren. Deshalb können wir jetzt, wo die Reispreise gestiegen sind, unseren Kunden einen attraktiven Preis bieten und trotzdem noch ein gutes Geschäft machen."
Die Regierung des Stadtstaates hat die Bevölkerung aufgerufen, nicht in Panik zu geraten. Es gebe genügend Reserven, um die Versorgung mit Reis zu sichern. Maßnahmen zur Preisstabilisierung werde es aber nicht geben, sagte Handelsminister Iswaran.
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