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Urlaubsreisen auf Rekordniveau
Reiselust statt Krisenfrust
Die Schuldenkrise in Europa hat die Reiselust der Deutschen eher noch gesteigert als gebremst. In den vergangenen zwölf Monaten buchten sie 40 Millionen Urlaubsreisen und damit mehr als je zuvor. Das beliebteste Ziel war eines der Euro-Krisenländer am Mittelmeer.
Von Notker Blechner für tagesschau.de
Die deutsche Reisebranche mag es glamourös: Ausgerechnet an dem Ort, zu dem sich einst James Bond im Film "Casino Royale" chauffieren ließ - im Hotel "Splendid" in Budva an der Adriaküste von Montenegro -, hielt der Deutsche Reiseverband (DRV) seine Jahrestagung ab. Dort überbrachte Präsident Jürgen Büchy den versammelten Vertretern von Reisebüros und -veranstaltern eine frohe Botschaft: Im vergangenen Geschäftsjahr (bis Ende Oktober) buchten die Deutschen drei Prozent mehr Reisen.
Das bescherte den Reiseveranstaltern eine Steigerung des Umsatzes um 4,5 Prozent auf ein neues Rekordniveau von 24,2 Milliarden Euro. Trotz Euro-Krise bleibe die Tourismuswirtschaft "ein hochdynamischer Wachstumsmarkt" und ein "wesentlicher Treiber für die deutsche Konjunktur", sagte Büchy. Laut dem DRV-Chef hängen sieben Prozent aller Arbeitsplätze in Deutschland am Tourismus. Damit spielt die Reisebranche eine noch wichtigere Rolle als der Maschinenbau.
Spanien wieder beliebtestes Reiseziel
Vor allem Urlaubsreisen ans Mittelmeer hatten 2011/2012 Hochkonjunktur. "Spanien, Türkei und Tunesien waren die großen Gewinner", sagte Peter Fankhauser, Vorstandschef der Thomas Cook AG. Beliebtestes Reiseziel der Deutschen war 2012 laut DRV erneut Spanien. Dahinter folgten Italien und die Türkei. Sie verzeichneten ein Plus von sechs bis sieben Prozent. Als Fernreiseziele wurden bevorzugt Thailand und die USA gebucht.
Selbst Reiseländer wie Tunesien, die wegen der politischen Umwälzungen nach dem "arabischen Frühling" gemieden wurden, konnten sich erholen. "Tunesien ist fast wieder auf Vorkrisen-Niveau", sagte Thomas-Cook-Manager Fankhauser. Lediglich das Interesse an Urlaub in Ägypten und Griechenland bleibt schwach. Vor allem der Kultururlaub in diesen Ländern leide, erklärte Büchy. Immerhin seien die Buchungsrückgänge in Griechenland inzwischen nur noch einstellig, fügte er hinzu.
Etwas abgeebbt ist der Boom von Hochsee-Kreuzfahrten. Nach zweistelligen Zuwachsraten in den vergangenen Jahren habe die Branche nur noch einstellig zugelegt, berichtete der DRV. Offenbar bremste die Havarie der "Costa Concordia" mit 32 Toten die Lust der Deutschen auf Kreuzfahrten.
Veranstalter erwarten 2013 geringes Wachstum
Für das kommende Tourismusjahr 2013 sind die Reiseveranstalter deutlich skeptischer. Der DRV erwartet nur noch ein moderates Wachstum. Besonders bei Geschäftsreisen sieht es düster aus. Die Kunden in diesem Segment "haben bereits jetzt auf die Konjunkturschwäche unserer europäischen Nachbarn mit nachlassender Reisetätigkeit reagiert", sagte Büchy.
Er kritisierte die Politik als Wachstumsbremse des Tourismus. So füge die Luftverkehrssteuer den heimischen Airlines "immensen Schaden" zu. Zudem behindern gerichtliche Entscheidungen wie zum Thema Flugzeitenänderungen das Geschäft. "Wenn die Reiseveranstalter dazu verpflichtet werden, die Flugzeiten verbindlich in ihren Katalogen anzugeben, werden sie gar keine Zeiten mehr angeben", drohte Büchy.
Stand: 20.11.2012 11:28 Uhr
