Martin Winterkorn und Angela Merkel | Bildquelle: AFP

Auffällige Abgas-Werte Regierung weiß seit 2014 Bescheid

Stand: 23.09.2015 20:30 Uhr

In der Affäre um manipulierte Abgas-Werte bei VW gerät auch die Bundesregierung in Erklärungsnot: Bereits seit Herbst 2014 sind ihr die erhöhten Emissionen bei Diesel-Motoren bekannt. Das belegt ein Briefwechsel mit der EU-Kommission.

Die Bundesregierung weiß bereits seit einem Jahr von stark überhöhten Abgas-Werten bei Diesel-Autos. Man habe seit dem Herbst 2014 belastbare Indizien, dass selbst moderne Euro-6-Diesel im Realbetrieb vielfach erhöhte Stickoxid(NOx)-Emissionen aufwiesen, schrieb die Regierung im August in ihrer Antwort auf einen Mahnbrief der EU-Kommission. Messungen hätten Werte von mehr als dem Sechsfachen des Grenzwertes ergeben. "Diese erhebliche Abweichung wiegt umso schwerer, als die schnelle und breite Marktdurchdringung von Euro-6-Diesel-PKW in den letzten Jahren als unverzichtbare Maßnahme dafür angesehen wurde, um die Dauer der Überschreitung der EU-Grenzwerte so kurz wie möglich zu halten", heißt es im Schreiben.

ADAC informierte Regierung über Werte

Auch die Umweltorganisation "Deutsche Umwelthilfe" und der ADAC hatten auf die auffälligen NOx-Werte seit längerem hingewiesen. Die Umweltorganisation BUND sprach von einem Skandal, dass das Verkehrsministerium seit einem Jahr keine Konsequenzen aus den Erkenntnissen ziehe: "Jetzt muss es eine unabhängige Nachprüfung der Fahrzeuge im Realbetrieb auf der Straße geben", forderte der BUND.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) wies den Vorwurf zurück, er habe vom konkreten Einsatz einer Abgas-Manipulations-Software bei Autoherstellern gewusst. Er habe erst am Wochenende aus der Zeitung von dem Skandal erfahren, sagte Dobrindt. Nun wolle er sich aktiv für die Aufklärung einsetzen und dafür sorgen, dass solche Manipulationen nicht mehr vorkommen.

Deutsche Autoindustrie distanziert sich

In der eigenen Branche steht Volkswagen am Pranger. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) distanzierte sich: Die bekanntgewordenen Geschehnisse widersprächen dem Selbstverständnis der Industrie, hieß es in einer Erklärung. Der VDA forderte eine vollständige Aufklärung.

Zugleich betonten die Hersteller, zu denen VW selbst gehört, bei dem Vorgang handele es nicht um ein prinzipielles Diesel-Problem. Die moderne Motoren-Technologie reduziere die Schadstoffemissionen erheblich und sei zum Erreichen der Klimaziele unverzichtbar. Verbrauch und Emissionen unterlägen im Straßenverkehr jedoch erheblichen Schwankungen. Dass es auf der Straße zu Abweichungen von am Prüfstand ermittelten EU-Normwerten komme, sei schon aus physikalischen Gründen nicht zu vermeiden und rechtmäßig.

Finanzaufsicht überprüft VW-Aktie

Die Finanzaufsicht nimmt derweil die VW-Aktie ins Visier. Nach den starken Kursverlusten überprüft die Behörde mögliche Unregelmäßigkeiten beim Handel mit der VW-Aktie. Es handele sich aber um eine routinemäßige Untersuchung, die immer bei großen Kursschwankungen anstehe, betonte die Finanzaufsicht.

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