Stahlwerk in Pennsylvania | Bildquelle: AFP

US-Strafzölle auf Stahl Widerstand selbst bei Trumps Mitstreitern

Stand: 03.03.2018 20:07 Uhr

US-Präsident Trump erhält nur wenig Unterstützung für seine Pläne, Stahlimporte mit Strafzöllen zu belegen. Gegenwind kommt von der Industrie und seiner eigenen Partei. Nun drohte Trump mit weiteren Einfuhrzöllen.

"Handelskriege sind gut und einfach zu gewinnen" - was US-Präsident kürzlich per Twitter behauptete und nun mit der Ankündigung von Strafzöllen auf Aluminium- und Stahlimporte umsetzte, sorgt für Kritik in den USA - und zwar bis in das Umfeld von Trump selbst.

Während Handelsminister Wilbur Ross und Handelsberater Peter Navarro hinter den Zoll-Plänen des US-Präsidenten stehen, lehnen unter anderem Finanzminister Steven Mnuchin und der Chef des Nationalen Wirtschaftsrates, Gary Cohn, sie ab.

Schon nach der Ankündigung Trumps hatten sich mehrrere Republikaner kritisch geäußert. "Nicht klug", befand Senator Orrin Hatch aus Utah. "Ein großer Fehler", sagte sein Kollege Pat Toomey aus Pennsylvania. "Verrückt", urteilte gar Benjamin Sasse aus Nebraska.

Allerdings ist Trump bei der Verhängung von Zöllen nicht auf seine Republikaner angewiesen. Er kann diese ohne Kongressentscheidung per Anordnung verhängen.

Gegenwind aus der Industrie

Volkswirte und Wirtschaftsführer meldeten sich in den USA zu Wort und erklärten, die Zölle könnten zum Bumerang für die "America-First"-Agenda Trumps werden.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnte vor Schäden in den USA selbst. "Die vom US-Präsidenten angekündigten Importerschwernisse werden wahrscheinlich Schaden nicht nur außerhalb der USA anrichten, sondern auch in den Vereinigten Staaten selbst", sagte IWF-Sprecher Gerry Rice in Washington.

Preise könnten steigen

Zwar begrüßten Vertreter der Stahl- und Aluminiumbranche die Maßnahme. Doch mit der Erzeugung von Stahl sind in den USA nur wenige Hunderttausend Menschen beschäftigt. In der Stahl und Aluminium verarbeitetenden Industrie sind hingegen 6,5 Millionen Menschen tätig.

So fürchten etwa Vertreter der Autobranche, Getränkehersteller und Baufirmen eine Verteuerung ihrer Produkte, weil die Einkaufspreise für das Rohmaterial nach oben gehen könnten. Dadurch würden nicht nur die Verbraucher belastet, dies schade auch der Wettbewerbsfähigkeit der amerikanischen Hersteller, erklärte etwa Ford.

Handelspartner reagieren auf die von Trump angekündigten Strafzölle
tagesthemen 21:45 Uhr, 02.03.2018, Bettina Scharkus, ARD Brüssel

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Der Präsident des Institutes der Dosenhersteller, Robert Budway, kündigte an: "Die Preise werden steigen." Dies würde am Ende die Verbraucher in den USA schädigen, die mehr für Dosengetränke und in Dosen verpacktes Essen zahlen müssten. Budway kritisierte Handelsminister Wilbur Ross. Dem sei nicht klar, dass ein paar Cent bei der Menge an Dosen für Getränke, Suppen und andere Lebensmittel viel Geld sei.

Ein Sprecher des Brauereikonzerns MillerCoors befürchtet sogar Stellenabbau: "Wie die meisten Brauer verkaufen auch wir eine wachsende Menge Bier in Aluminiumdosen, und dieses Vorhaben wird zu steigenden Aluminiumpreisen und wahrscheinlich zu Jobverlusten in der gesamten Bierbranche führen."

Die Dosen-Hersteller wollen in der kommenden Woche Druck auf Abgeordnete und Regierungsvertreter ausüben.

Anja Kohl, HR, und Jan Philipp Burgard, ARD Washington, zu den Strafzöllen
tagesthemen 21:45 Uhr, 02.03.2018

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Trump droht EU mit Importzöllen auf Autos

Mit der Ankündigung von Strafzöllen am Donnerstag in Höhe von 25 Prozent auf alle Stahlimporte will Trump die heimische Industrie abschirmen. Auf Aluminium-Einfuhren sollen zehn Prozent erhoben werden. Damit werden Importe in die USA teurer.

Trump drohte außerdem damit, auch auf andere Produkte Einfuhrzölle zu erheben - etwa auf europäische Autos. Wenn die Europäer als Antwort auf die von ihm angekündigten Strafzölle nun auch ihre "schon massiven" Zölle weiter anheben würden, dann "werden wir einfach eine Steuer auf ihre Fahrzeuge erheben, die frei in unser Land strömen", schrieb der US-Präsident auf Twitter.

Setzt Trump diese Drohung um, wären vor allem die großen deutschen Automobilunternehmen betroffen.

Einfuhrzölle auf Whiskey und Jeans?

Die EU und zahlreiche große Wirtschaftsnationen wie Brasilien und Kanada hatten bereits Gegenmaßnahmen angekündigt. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker kann sich etwa Einfuhrzölle auf Whiskey, Jeans und Motorräder aus den USA vorstellen - damit würde er Symbole der US-Wirtschaft treffen, ohne jedoch allzu großen volks- und weltwirtschaftlichen Schaden anzurichten. "Wir werden nicht tatenlos zusehen, wie unsere Industrie durch unfaire Maßnahmen getroffen wird, die Tausende europäische Arbeitsplätze gefährden," sagte er.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 02. März 2018 um 21:45 Uhr.

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