Ein Flugzeug der Fluggesellschaft Qatar Airways

Krise in Katar Flugverbot trifft Qatar Airways hart

Stand: 06.06.2017 15:18 Uhr

Saudi-Arabien, Ägypten, die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain stoppen seit gestern ihre Flüge nach Katar und sperren den Luftraum für Flugzeuge des Landes. Das erwischt die aufstrebende Fluglinie Qatar Airways kalt.

Das Flugverbot, das einige arabische Nachbarn verhängt haben, untergräbt das rasante Wachstum von Qatar Airways. Die Folgen für die staatliche Fluggesellschaft dürften weitreichend sein, sagte Analyst Saj Ahmad von der Flugberatungsfirma Strategic Aero Research. "Da der große Luftraum von Saudi-Arabien für Qatar Airways nun tabu ist, muss die Gesellschaft auf Europa- und Amerika-Strecken Umwege fliegen."

Die Sperrung macht sich nach einer Erhebung der Flugrouten-Seite Flightradar24 vom Dienstag bereits bemerkbar: Europa-Verbindungen von Qatar Airways würden nun über den Iran und die Türkei umgeleitet.

Konkurrenz für europäische und asiatische Fluglinien

Wegen des Vorwurfs der Terrorismusunterstützung kündigten Saudi-Arabien, Ägypten, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Bahrain gestern an, alle Verkehrsverbindungen nach Katar einzustellen - und den Luftraum für Flugzeuge des Landes zu schließen. Deshalb werden die Fluggesellschaft Emirates aus Dubai und der Air-Berlin-Partner Etihad nicht mehr in die katarische Hauptstadt Doha fliegen.

Der Schritt trifft die aufstrebende Airline hart. Die Fluggesellschaft des kleinen öl- und gasreichen Landes am Persischen Golf wuchs seit der Gründung 1994 rasant. Mittlerweile ist sie neben Emirates und Etihad aus Abu Dhabi einer der härtesten Rivalen angestammter europäischer und asiatischer Airlines. Die Lufthansa, Cathay Pacific oder etwa Singapore Airlines suchen seit Jahren nach einer Strategie, um den Vormarsch des Trios zu stoppen.

Umsteigedrehscheibe für die ganze Welt

Voriges Jahr transportierte Qatar Airways knapp 27 Millionen Passagiere und damit vier Millionen mehr als im Jahr vorher. Gleichzeitig stampfte das Herrscherhaus von Katar in Doha einen neuen Großflughafen aus dem Wüstensand, der kurz nach der Fertigstellung bereits auf eine Kapazität von 50 Millionen Passagieren im Jahr ausgebaut wird. Der Hamad International Airport soll sich als Umsteigedrehscheibe für die ganze Welt etablieren. Passagiere kommen meist mit einem Langstreckenflug an und steigen in das nächste Interkontinentalflugzeug um.

Flughafen in Doha, Katar | Bildquelle: AP
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Der Hamad International Airport in Doha, Katar, hat eine Kapazität von 50 Millionen Passagieren. Hier landen keine Flugzeuge aus Saudi-Arabien, Ägypten, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain mehr.

Wegen des Streits mit den Nachbarn müsse Qatar Airways nicht nur auf direkte Flugrouten verzichten, sondern auch auf Passagiere aus den großen Märkten Saudi-Arabien und VAE, sagt Experte Will Horton vom Fluganalystenhaus Capa. "Ein Fluggast aus dem saudischen Riad kann auf dem Weg nach Bangkok vielleicht nicht mehr in Doha umsteigen, ebenso geht es einem Passagier, der von Dubai nach London möchte."

440 Millionen Dollar Überschuss

Qatar Airways selbst schlüsselt den Umsatz, der in der Golf-Region erzielt wird, nicht gesondert aus. 2016 flog die Airline insgesamt 440 Millionen Dollar Überschuss ein.

Es ist nicht der erste Rückschlag für die Fluglinie in diesem Jahr. Im März verhängten die US-Behörden ein Verbot von größeren elektronischen Geräten im Handgepäck auf Flügen von zehn Flughäfen vor allen von muslimischen Staaten in die USA, darunter Katar.  Der Flugverkehr zwischen dem Nahen Osten und Amerika schrumpfte in der Folge nach Angaben des Branchenverbands Iata im März erstmals seit sieben Jahren.

Über dieses Thema berichteten am 06. Juni 2017 Deutschlandfunk um 13:47 Uhr und NDR Info um 14:15 Uhr in den Nachrichten.

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