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Regierungsunabhängige Organisationen haben die Public Eye Awards vergeben. Damit werden Konzerne wegen ihrer Unternehmenspraktiken angeprangert. Zur übelsten Firma wurde der brasilianische Minenbetreiber Vale gewählt. Massive Schelte gab es auch für die Barclays Bank.
Von Axel Weiß, SWR, zzt. in Davos
[Bildunterschrift: Indianer haben dem Konzern Minenkonzern Vale wegen dessen rücksichtsloser Abbaupolitik symbolisch den Krieg erklärt. ]
Die Frau mit dem roten Federschmuck im Haar hat einen kämpferischen Gesichtsausdruck und macht in ihrem Videoauftritt bei YouTube klar: Die Wut ihres Indianervolks wird den brasilianischen Minen- und Energiekonzern Vale überall verfolgen. "In Brasilien und der Welt sollen sie alle wissen, welche Verbrechen Vale unserem Volk antut", sagt sie. "Und deshalb sagen wir: Nein zu Vale! Und erklären Vale und Belo Monte den Krieg."
Dieser Krieg findet auch im Internet statt. Und die Indianerin aus dem Videoclip hat einen Etappensieg gegen die Vertreibung ihres Volks und großflächige Regenwaldzerstörung im Amazonasgebiet errungen. Vale ist in Davos bei den sogenannten "Public Eye Awards" zum übelsten Unternehmen der Welt 2012 erklärt worden. Sechs Unternehmen hatten Greenpeace und die Schweizer "Erklärung von Bern", eine Drittwelt-Nichtregierungsorganisation, in einer öffentlichen Abstimmung im Internet zur Wahl gestellt. Für diesen Peoples Award stand Samsung zur Wahl, der Chemiekonzern Syngenta und der Minenbetreiber Freeport. Vale lieferte sich bis zum Ende der Internet-Abstimmung ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem japanischen Tepco-Konzern, der für die Reaktorkatastrophe von Fukushima verantwortlich ist.
Wer am Ende gewonnen hat, ist den Preisspendern im Grund unwichtig. Entscheidend sei, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf soziale oder ökologisch problematische Praktiken von Firmen zu lenken, erklärt Francois Meienberg von der "Erklärung von Bern". Den nominierten Unternehmen wird auf der Webseite www.business-humanrights.org zudem die Möglichkeit eingeräumt, Stellung zu den Vorwürfen zu beziehen. "Das haben dieses Jahr alle gemacht - außer Tepco", sagt Meienberg. "Auch wir konnten dann wieder auf dieses Statements reagieren."
[Bildunterschrift: Die Barclays Bank steht wegen der Spekulation mit Nahrungsmitteln in der Kritik. ]
Den Hauptpreis hat eine interne Fachjury bestimmt und das Ergebnis in Davos bekannt gegeben. Der Global Award 2012 geht dieses Jahr an die britische Bank Barclays. "Barclays ist einer der am schnellsten wachsenden Spekulanten bei Nahrungsmitteln. Und es ist mehrfach erwiesen, dass diese Spekulation - insbesondere von Firmen, welche nicht involviert sind in den Kauf und Verkauf von Lebensmitteln, sondern die nur spekulieren - den Preis in die Höhe treibt", sagt Meienberg. "Wenn die Preise in die Höhe treiben, gibt es mehr Hunger." Barclays bestreitet solche Zusammenhänge zwischen Spekulation und Hunger.
Den Preis in Form eines hübschen Pokals wird die Bank dennoch erhalten. Ob sie ihn annimmt, sei aber aus Erfahrung fraglich, erzählt Meienberg, der mit so einem Verhalten schon rechnet. "Auch wenn die Leute ihn nicht annehmen hier in Davos, ist es immer unser Ziel, ihn trotzdem zu übergeben und das haben wir bisher auch immer erreicht - etwa bei der nächsten Aktionärsversammlung", erzählt Meienberg. "Man kann uns nicht entfliehen: die Leute bekommen den Preis." Aktionen wie die Public Eye Awards werden von Firmen durchaus wahrgenommen. Denn etwa auf dem Weltwirtschaftsforum für nachhaltige Entwicklung zu argumentieren und gleichzeitig für Umweltzerstörung oder unmoralisches Verhalten angeprangert zu werden, das passt nicht zusammen.
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