Kommentar

Ein Diesel-Fahrzeug bei der Abgasuntersuchung | Bildquelle: AFP

Dieselprämie - Pro und Contra Entschädigung oder Augenwischerei

Stand: 09.08.2017 18:52 Uhr

Die Dieselprämie der Autokonzerne entschädigt die getäuschten Kunden und bietet einen Kaufanreiz für alternative Antriebe, meint Marion Kerstholt. Philipp Jahn dagegen findet, die Konzerne betreiben Augenwischerei und helfen sich mit ihrer Prämie vor allem selbst.

Pro Dieselprämie: Entschädigung der Kunden

Von Marion Kerstholt, WDR

Immerhin bewegen sich die Autobauer jetzt mal. Denn bisher haben sie sich im Dieselskandal weggeduckt und abgewiegelt. Nun bekommen die Verbraucher endlich auch eine - zumindest kleine - Entschädigung dafür, dass ihr alter Diesel durch die tatkräftige Hilfe der Autobauer an Wert verloren hat. Wer würde denn nach den Entwicklungen im Dieselskandal sonst noch einen alten Euro-4-Diesel als Gebrauchten kaufen? Bei der Autobörse erntet man dafür nur mitleidige Blicke.

Und wenn die Dieselprämie es schafft, zumindest ein paar der alten Stinker und Luftverpester von der Straße zu holen, dann ist das schon sinnvoll.

Es ist eine neue Art der Abwrackprämie. Die hatte nach der Finanzkrise 2009 die Bundesregierung ausgelobt, um die Konjunktur zu beleben. Nun müssen zumindest nicht die Steuerzahler dafür zahlen, sondern diesmal die Autobauer selbst. Und die haben den Dieselskandal ja verzapft. Es kommt also von den Richtigen.

Klar, es ist eine Werbestrategie der Autobauer. Marketing. Wir leben in einer Marktwirtschaft. Die Autobauer sind wettbewerbsorientierte Unternehmen, die am Markt bestehen müssen. Sie machen nun Angebote, um Kunden zu überzeugen, neue Autos zu kaufen. Das ist ihr gutes Recht und wohl sogar ihre Pflicht als börsennotierte Unternehmen. Nun können die Kunden beurteilen, ob sie das Angebot interessiert oder nicht.

Rabattschlacht auf dem Automarkt
tagesthemen 23:00 Uhr, 09.08.2017, Gudrun Engel, WDR

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Und mit der Zukunftsprämie gibt es für Elektro-, Hybrid- und Gasfahrzeuge einen zusätzlichen Kaufanreiz. Vielleicht kommen auf diese Art die alternativen Antriebe aus ihrem Schattendasein heraus. Das wäre doch auch schon was.

Contra Dieselprämie: Kurz- und durchsichtige Aktion

Von Philipp Jahn, WDR

Sie ist wieder da - die Abwrackprämie. Vor acht Jahren, in der Hochphase der Wirtschafts- und Finanzkrise, sollte sie den in den Krisensog geratenen Autokonzernen durch die schwere Zeit helfen, wurde sogar zum Wort des Jahres 2009 gekürt. KIeiner Unterschied zu damals: Heute zahlt die Prämie nicht der Staat, sondern die Autokonzerne. Sonst ist alles beim Alten, auch jetzt sind die Prämien vor allem eines: ein gigantisches Konjunkturprogramm - für die Konzerne selbst.

Wenn die Autoindustrie ihre Maßnahme jetzt als "Umweltprämie" schönfärbt und als großzügiges Angebot für die Kunden verkauft, dann ist das nichts anderes als Augenwischerei. Die Prämie hat vor allem einen Zweck: Den Absatz der Konzerne zu retten. Und dabei sollen ihnen ausgerechnet die Kunden helfen, die sie vorher jahrelang vorsätzlich getäuscht haben. Noch dazu mit Rabatten, die Autohändler in ähnlicher Höhe sowieso schon gewährt haben. Das ist nicht sinnvoll, das ist dreist.

Und mit Umweltschutz hat die sogenannte "Umweltprämie" erst recht nichts zu tun. Der Umwelt, vor allem der Luft in den Städten, würde es helfen, wenn die Konzerne ihre bereits verkauften Diesel-Autos technisch nachrüsteten - nicht nur, weil das wesentlich günstiger ist, deren Software upzudaten. Und der Umwelt würde es helfen, wenn auch die deutschen Autokonzerne endlich auf saubere Antriebstechniken setzten - so wie es ausländische Unternehmen seit Jahren vormachen.

Stattdessen nun diese kurz- und durchsichtige Aktion, um möglichst viele Autos loszuwerden, die sonst Ladenhüter wären. Das Problem dabei: Wer seinen alten Diesel jetzt gegen einen Diesel-Neuwagen mit Euro-5- oder Euro-6-Norm eintauscht, der kauft möglicherweise ein Auto, das sogar deutlich mehr Stickoxid ausstößt und die Grenzwerte damit überschreitet. Und dass VW die höchste Prämie für den teuren Geländewagen Touareg zahlt, zeigt, worum es den Konzernen wirklich geht. Umwelt und Kunden sind es jedenfalls nicht.

Redaktioneller Hinweis

Kommentare geben grundsätzlich die Meinung des jeweiligen Autors und nicht die der Redaktion wieder.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 09. August 2017 um 16:45 Uhr und 18:20 Uhr.

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