Eine Frau in Kiew vor dem Logo der "PrivatBank" | Bildquelle: REUTERS

Faule Kredite Ukraine verstaatlicht größte Bank

Stand: 19.12.2016 08:58 Uhr

Die Ukraine verstaatlicht die größte Bank des Landes. Die "PrivatBank" ist wegen fauler Kredite in Schieflage geraten; der bisherige Eigentümer steht unter Korruptionsverdacht. Die Bank verwaltet ein Drittel aller Spareinlagen in der Ukraine.

Die ukrainische Regierung übernimmt die schwer angeschlagene "PrivatBank" - die größte Bank des Landes. Mit der Verstaatlichung sollen das Fortbestehen der Bank garantiert und die Einlagen der Sparer gesichert werden, teilte die Regierung in Kiew mit. Berichten zufolge sitzt die Bank auf einem Berg fauler Kredite, der ihre Existenz akut gefährdet habe.

Die "PrivatBank" verwaltet gut ein Drittel aller Spareinlagen in der Ukraine, ihr Zusammenbruch hätte unabsehbare Folgen für das Land. Die Entscheidung der Regierung zur Verstaatlichung stehe in Einklang mit den Vorgaben des Internationalen Währungsfonds (IWF), der eine grundlegende Sanierung des angeschlagenen ukrainischen Bankensektors verlangt.

Korruptionsverdacht und faule Kredite

Bisheriger Besitzer der Bank war der Milliardär Igor Kolomoiskij, der unter Korruptionsverdacht steht. Die ukrainische Zentralbank hatte Kolomoiskij aufgefordert, die Bank mit mehreren Milliarden Dollar zu rekapitalisieren. Dieser Forderung kam er aber nicht nach.

Ukrainischen Medienberichten zufolge haben faule Insider-Kredite die Bank in eine Schieflage gebracht. Sie soll demnach hohe Kredite an Unternehmen vergeben haben, die ebenfalls von Kolomoiskij kontrolliert werden; eine Rückzahlung sei nicht vorgesehen gewesen. Die Aktienkurse der Bank brachen nach Bekanntwerden dieser Vorwürfe im November um 50 Prozent ein.

Bank spricht von "Panikmache"

Die "PrivatBank" warf in einer ersten Reaktion am Sonntag den Medien Panikmache vor. Die Bank habe der Verstaatlichung zugestimmt, nachdem klar geworden sei, "dass diese Medienattacken unsere Kunden gefährden könnten", hieß es in einer Erklärung. Die Bank werde ihre Geschäfte fortsetzen.

Die Regierung reformiert derzeit den Finanzsektor. Die Ukraine, die im Osten in einen Konflikt mit pro-russischen Separatisten verwickelt ist, ist wirtschaftlich schwer angeschlagen. Sie ist auf Kredite des Internationalen Währungsfonds (IWF) angewiesen, der aber politische Stabilität und Reformen verlangt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 19. Dezember 2016 um 10:30 Uhr

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