Das Postzentrum in Frankfurt am Main. | Bildquelle: dpa

Deutsche Post betrogen Millionen Briefe, die es niemals gab

Stand: 19.11.2017 12:39 Uhr

Offenbar nur durch einen Zufall ist ein Millionenbetrug bei der Deutschen Post aufgeflogen. Private Dienstleister sollen zig Millionen Euro kassiert haben - für Briefe, die nie existierten. Das bestätigte ein Post-Sprecher dem WDR. Drei Verdächtige sitzen bereits in U-Haft.

Die Deutsche Post ist offenbar um einen zwei- bis dreistelligen Millionenbetrag betrogen worden. Entsprechende Medienberichte bestätigte ein Unternehmenssprecher dem WDR. Demnach sollen Postzuliefer-Firmen die Anlieferung von Millionen Briefen, die es gar nicht gab, abgerechnet haben.

Seit der Liberalisierung des Postgeschäfts Anfang der 1990er-Jahre liefern externe Dienstleister der Post große Briefmengen. Sie sammeln bei Firmen Sendungen ein, geben sie an die Post weiter und kassieren dafür Provisionen, die bis zu 44 Prozent des Portos betragen. Ein Geschäft, das sich bisher für alle Beteiligten gelohnt hat.

Schaden von bis zu 100 Millionen Euro?

Der Sprecher räumte nun ein, dass schwarze Schafe dieses eigentlich gute System offensichtlich missbraucht hätten. So ist es den Beschuldigten offenbar gelungen, bei der Post Millionen Briefsendungen abzurechnen, die gar nicht existierten. Der angerichtete Schaden könnte zwischen 50 und 100 Millionen Euro liegen, heißt es in Presseberichten, etwa der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (FAS). Diese Zahl kommentierte die Post jedoch nicht.

Das Postzentrum in Frankfurt am Main. | Bildquelle: dpa
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Problem: Vor allem samstags sind die Kontrollen im Briefzentrum Frankfurt schlecht besetzt.

Exakt kontrolliert wurden die eingelieferten Briefmengen nicht - mit den betreffenden Firmen sei vielmehr auf Vertrauensbasis gearbeitet worden sei. Überprüft werde die Zahl nur in Stichproben. Die Post verteilt täglich rund 58 Millionen Sendungen.

Wochenenden ausgenutzt?

Die Täter nutzten allem Anschein nach verkehrsschwache Zeiten am Wochenende, um die Briefmengen einzuliefern - dann sind die Briefzentren nur schwach besetzt. Bei entsprechend weniger Postpersonal in den Verteilzentren fiel die Masche zunächst nicht auf.

Da die vermutlichen Haupttäter aus dem Raum Koblenz stammen, hat die dortige Staatsanwaltschaft die Ermittlungen übernommen. Das Landeskriminalamt ist laut Medienberichten eingeschaltet, die Bundesnetzagentur ebenso. Von derzeit 14 Beschuldigten befinden sich drei Personen in Untersuchungshaft.

Mehrere Razzien

Aufgeflogen sei der Schwindel laut FAS im Frühjahr durch Zufall, im Zuge von Ermittlungen in einer Steuersache. Seither habe es mehrere Razzien gegeben, zeitweise lag der Briefverkehr vorübergehend lahm, weil die Deutsche Post wenigstens einmal genau in Briefzentren nachzählen wollte, wie viele Briefe tatsächlich ein- und ausgingen.

Mit Informationen von Jochen Hilgers, WDR

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 18. November 2017 um 19:20 Uhr.

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