Briefverteilzentrum in Hamburg | Bildquelle: picture alliance / dpa

Anzahl hat sich verdoppelt Viele Beschwerdebriefe über die Post

Stand: 18.01.2018 14:23 Uhr

Die Post kommt zu spät oder die Sendungen landen beim falschen Empfänger: Solche Beschwerden mehren sich bei der Bundesnetzagentur. 2017 gab es sogar doppelt so viele wie noch im Jahr zuvor.

Die Deutsche Post soll vor allem eins sein: schnell und zuverlässig. Doch gerade da hat sie offenbar ziemlich nachgelassen. Die Bundesnetzagentur, die Aufsichtsbehörde der Post, übt heftige Kritik, wie die "Saarbrücker Zeitung" unter Berufung auf ein internes Papier der Behörde berichtet. Die Qualität bei der Post habe erheblich nachgelassen.

Briefträger vor einem Briefkasten
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Die meisten Beschwerden gehen wegen Fehlern bei der Briefzustellung ein.

Mehr als 6000 Beschwerden im Jahr 2017

Der Kritik liegt vor allem die gestiegene Zahl der Beschwerden über die Post zugrunde. Im vergangenen Jahr gingen bei der Bundesnetzagentur eigenen Angaben zufolge rund 6100 schriftliche Beschwerden ein - und damit doppelt so viele wie 2016. Vor allem die Beförderung und Zustellung von Briefen werde bemängelt. Zustellungen kämen zu spät oder gar nicht erst an oder sie würden in falsche Briefkästen eingeworfen. Gerade in der Vorweihnachtszeit, in der auch viele Geschenke und Pakete ausgeliefert werden mussten, schnellten die Beschwerden noch einmal in die Höhe. Anfang Dezember war die Bundesnetzagentur zwar bereits von einem Anstieg der Beschwerden ausgegangen, allerdings rechnete sie mit einem Plus von etwa 25 Prozent.

Briefkästen werden nicht oft genug geleert

In dem internen Papier bezeichnet die Aufsichtsbehörde die Mängel bei der Briefzustellung als "Spitze des Eisbergs". Die Behörde sieht zudem große Lücken, was die bundesweite Entleerung von Briefkästen betrifft. Viele würden nur noch vormittags entleert, an Sonn- und Feiertagen teilweise gar nicht mehr. Das führt dazu, dass am Montag bei vielen keine Briefe ankommen.

Eine Sprecherin der Deutschen Post betonte, man nehme jede Beschwerde ernst. Doch deren Anstieg sei auch damit zu begründen, dass die Bundesnetzagentur in der Öffentlichkeit immer stärker als Beschwerdestelle wahrgenommen würde. Im Durchschnitt kämen nach wie vor 94 Prozent der bundesweit versendeten Briefe und 90 Prozent der Pakete bereits am Folgetag bei dem Empfänger an.

Grüne: Strafen für Post denkbar

Der stellvertretende Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Oliver Krischer, forderte Konsequenzen von der Bundesregierung. "Man muss der Post deutlich sagen, dass sie einen gesetzlichen Auftrag hat", so Krischer im SWR. Auch Strafen seien denkbar, sollten Gespräche der Regierung mit der Post nicht helfen. Notfalls müsse darüber nachgedacht werden, ob das Briefporto noch angemessen sei, sagte Krischer. Die Privatisierung der Post sei zwar richtig gewesen, allerdings müssten Fehlentwicklungen verhindert werden.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 18. Januar 2018 um 05:00 Uhr.

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