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Streit mit ehemaligem Vertriebspartner
Haftbefehl gegen Porsche-Chef Müller in Indien
Betrug, Erpressung, Wucher - die Vorwürfe sind schwer. Ein indisches Gericht hat deswegen Haftbefehl gegen Porsche-Chef Müller und acht weitere Spitzenmanager erlassen. Hintergrund ist ein Rechtsstreit mit einem ehemaligen langjährigen Vertriebspartner. Sogar Interpol ist eingeschaltet.
Von Sandra Petersmann, ARD-Hörfunkstudio Neu-Delhi
Precision Cars India war acht Jahre lang Porsches Partner auf dem boomenden indischen Automarkt. Doch Porsches Übernahme durch Volkswagen hat die Geschäftsbeziehung beendet. Seit April des vergangenen Jahres ist der Vertrieb von Volkswagen Indien für die Edelmarke aus Zuffenhausen zuständig - ausschließlich. Andere Importeure darf es demnach nicht mehr geben.
Für Precision Cars ist das ein feindlicher Akt. "Wir haben uns fortdauernd in Treue und gutem Glauben um eine Einigung mit Porsche bemüht - aber sie agieren illegal und ungerecht und haben uns nicht dabei unterstützt, die Probleme zu lösen", teilte ein Sprecher des klagenden Unternehmens, der anonym bleiben möchte, dem ARD-Hörfunkstudio Südasien auf Anfrage schriftlich mit. Man habe keine andere Chance gesehen, als den Fall vor Gericht zu bringen, um zu seinem Recht zu kommen.
Porsche setzt auf außergerichtliche Einigung
Auf der anderen Seite teilte Porsche-Kommunikationschef Hans-Gerd Bode telefonisch von der Autoshow in Detroit mit, dass man seit einer Woche von den Haftbefehlen gegen Vorstandschef Matthias Müller und acht andere Porsche-Größen wisse. Man habe dem alten Vertriebspartner gekündigt und sei mit ihm in Kontakt. Porsche hat seine Rechtsabteilung eingeschaltet, um die Vorwürfe zu prüfen. Ein offizielles Schriftstück liegt dem Unternehmen nach eigenen Angaben noch nicht vor.
Bode geht derzeit davon aus, dass eine außergerichtliche Einigung möglich ist. Dennoch stehen die Haftbefehle aus Indien im Raum - erlassen von einem Gericht in der Stadt Jaipur im nordindischen Bundesstaat Rajasthan. Dort hat Precision Cars India seinen Sitz.
Haftbefehl gegen Posche-Chef Müller in Indien
S. Petersmann, ARD Neu-Delhi
16.01.2013 13:26 Uhr
Erpressung und Wucher?
Das Unternehmen fühlt sich von Porsche grob getäuscht. Die Vorwürfe reichen von Betrug über kriminellen Vertrauensbruch und Verschwörung bis hin zu Erpressung und Wucher. Der ehemalige indische Porsche-Importeur hat nach eigenen Angaben für die deutschen Sportwagen bis zu 30 Prozent mehr gezahlt als es die Volkswagen Group Sales India heute tut.
Auf der Basis dieser Vorwürfe hatte das zuständige Gericht in Jaipur schon am 5. November die Haftbefehle gegen Müller und Co. erlassen. Über die indische Bundespolizei CBI sind sie nun an die internationale Polizeibehörde Interpol weitergeleitet worden.
Der Porsche-Sprecher geht nicht davon aus, dass Interpol sie vollstrecken wird. Derzeit tummeln sich die Zuffenhausener wie alle Größen der Branche bei der Autoshow in Detroit in den USA. Vorstandschef Müller konnte nach seinem Besuch problemlos ausreisen.
Stand: 16.01.2013 10:52 Uhr
