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Wirtschaft in Polen

Geplatzter Traum - Baubranche verhebt sich an EM

Der Schein trügt: Polen droht laut Wirtschaftsexperten eine veritable Krise. Insbesondere die Baubranche sei betroffen. Viele Hoffnungen, die die Fußball-Europameisterschaft hier und in der Ukraine dieses Jahr genährt hatten, scheinen sich zerschlagen zu haben.

Von Henryk Jarczyk, ARD-Hörfunkstudio Warschau

Autobahnbau Warschau-Berin
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Rund hundert polnische Baufirmen sind mittlerweile zahlungsunfähig.

Ob in Danzig, Posen, Breslau oder Warschau – es ist überall das gleiche Bild: Kräne, Bulldozer, Planierraupen suggerieren einen ungebrochenen positiven Wirtschaftstrend. Doch der Schein trügt. Laut Marek Buczak, Direktor der Investmentgesellschaft Quercus, hat es das Land mit einer regelrechten Krise zu tun. "Die einzelnen Firmen sind im erheblichen Maß verschuldet", erklärt er: "Der Anstieg der Materialpreise hat die geplanten Gewinne in vielen Fällen nahezu ganz aufgebracht."

Der Grund für diese Entwicklung, so der Wirtschaftsexperte, sei ziemlich einfach. Der Konkurrenzdruck vor allem aus dem Ausland sei zu stark gewesen. Viele polnische Firmen hätten sich daher bei den zahlreichen Bauprojekten für die Fußball-Europameisterschaft schlicht übernommen. Mit entsprechenden Konsequenzen für die Umsatzrentabilität.

Leidtragende sind vor allem Subunternehmer

Leidtragende sind nun vor allem Subunternehmer. Einer von ihnen betont: "Die Situation ist für uns dramatisch. Obwohl wir von unseren Auftraggebern kein Geld erhalten, müssen wir laufende Kosten tragen." Hinzu kämen Sozialversicherung und Steuern. Um konkurrenzfähig zu sein, habe man Kredite aufgenommen. Dennoch müssten bald schon 50 Mitarbeiter entlassen werden.

Vor allem die auf Straßenbau spezialisierten Firmen verzeichnen seit Monaten einen Negativtrend. Bereits im März lag die durchschnittliche Gewinnmarge bei minus 6,2 Prozent. Die Folge: Im ersten Quartal 2012 haben laut Analysten über 50 Prozent der Baufirmen im Infrastruktursektor rote Zahlen geschrieben. Marktliberale Wirtschaftsexperten wie Robert Gwiazdowski, vom Warschauer Adam-Smith Forschungsinstitut, betrachten den Trend allerdings als völlig normal. "Wenn eine Baufirma Pleite geht", meint er, "dann wird sie eben von einer anderen ersetzt. Wozu sollten wir unseriöse Firmen retten, die bei der Auftragsannahme unrealistische Preise angeboten haben?" 

Geplatzter Traum - Polnische Baubranche verhebt sich an der EM
H. Jarczyk, WDR Warschau
10.08.2012 05:36 Uhr

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Geldsorgen plagen selbst die Großen der Baubranche

Rund hundert polnische Baufirmen sind mittlerweile zahlungsunfähig. Die Aussicht auf lukrative Großaufträge - vor und nach der EM - scheint die betroffenen Unternehmen viel zu oft dazu verleitet zu haben, besonders günstige Angebote zu machen. Was jetzt vor allem mittelständische Betriebe in die Knie zwingt. Aber nicht nur sie. Geldsorgen plagen selbst die Großen der Baubranche, darunter der Marktführer PBG.

Nach Ansicht des Wirtschaftsexperten Marek Buczak ist das eine besorgniserregende Entwicklung. Langfristig könnten die Baufirmen ihre Zulieferer in Bedrängnis bringen, warnt er. Als nächstes wären dann Banken und Versicherungsgesellschaften betroffen. "Wir sprechen hier über Verluste von mehreren Milliarden Zlotys."

Analysten befürchten über 100.000 Entlassungen

Dabei kommt die Krise der polnischen Baubranche keineswegs überraschend. Seit 2008 wächst die Zahl der Insolvenzen hier kontinuierlich. Was sich entsprechend negativ auch auf den Arbeitsmarkt auswirkt. Ende des ersten Quartals waren hier noch insgesamt mehr als eine halbe Million Menschen beschäftigt.

Sollte sich die Krise ausweiten, dann rechnen Analysten mit über 100.000 Entlassungen. Eine besonders düstere Perspektive vor allem angesichts wachsender Wirtschaftsprobleme innerhalb der EU insgesamt.

Stand: 10.08.2012 05:51 Uhr

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