Das Bürogebäude in Shanghai, in dem die Shanghai Yiqian Trading Company ihren Sitz hat.

Neuer Eigner von Frankfurt-Hahn Phantom kauft Flughafen

Stand: 21.06.2016 16:10 Uhr

Keine Homepage, kein Firmenlogo - es gibt keine Hinweise darauf, wer sich hinter der Shanghai Yiqian Trading Company verbirgt, die den Flughafen Frankfurt-Hahn gekauft hat. Sebastian Hesse hat die wenigen Spuren des Unternehmens verfolgt.

Von Sebastian Hesse, ARD-Studio Shanghai

Schon das ist ungewöhnlich für ein chinesisches Unternehmen: Die Shanghai Yiqian Trading Company hat keinen Internetauftritt. Sie hat sogar überhaupt keine Spuren im Netz hinterlassen. Aber sie ist im Handelsregister eingetragen: Dort findet sich zwar keine Telefonnummer oder E-Mail-Adresse, aber eine postalische Anschrift im Stadtteil Zhabei.

Früher bestand Zhabei aus Lagerhallen und Fabriken. Heute ist es ein Wohnbezirk mit einigermaßen bezahlbaren Mieten. Hier, in einem 21-stöckigen Business Tower in der Pingxingguan Road hat der neue Eigner von Frankfurt-Hahn seinen Firmensitz. Oder etwa nicht?

Der Flughafen Frankfurt-Hahn | Bildquelle: AP
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Der Flughafen Frankfurt-Hahn - das Unternehmen, das ihn gekauft hat, kennt keiner.

Kein Logo, keine Hinweise

Es findet sich nämlich keinerlei Hinweis darauf, dass hier seit zweieinhalb Jahren eine Shanghai Yiqian Trading Company angesiedelt ist. Nirgends ein Firmenschild: Nicht am Gebäudeeingang, nicht im Foyer, nicht vor dem Büroeingang im 17. Stockwerk.

Das Büro 1716 besteht nur aus einem einzigen Raum. Dicht gedrängt arbeitet hier ein halbes Dutzend Angestellter an veralteten PCs. Der Büroraum wirkt leicht schäbig und liefert keinen Hinweis darauf, was hier eigentlich getan oder gehandelt wird.

Nichts hängt an den Wänden, - kein Firmenlogo, keine Werbung, kein Wandschmuck. Auf dem Boden stehen offene Pappkartons mit Drogerieartikeln.

Kyle Wang (links), ein Teilhaber Shanghai Yiqian Trading Company, und  Yu Tao Chou, der Chefsprecher des Unternehmens
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Kyle Wang (links), ein Teilhaber Shanghai Yiqian Trading Company, und Yu Tao Chou, der Chefsprecher des Unternehmens. Das Unternehmen ist Experten aber völlig unbekannt.

"Der Chef? Gerade nicht erreichbar"

Eine junge Dame vor Ort bestätigt nur, dass das hier tatsächlich die Yiqian Trading Company ist. Weder zum Geschäftsmodell noch zu den Eignern und schon gar nicht zu irgendwelchen deutschen Flughäfen will oder darf sie sich äußern.

Ihr Chef sei gerade im Ausland und nicht erreichbar. Gerne leite sie unsere Bitte weiter, er möge sich in der kommenden Woche mit uns in Verbindung setzen.

Bei Experten unbekannt

Das Bürogebäude in Shanghai, in dem die Shanghai Yiqian Trading Company ihren Sitz hat.
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Kein Logo zu finden. Wer steckt hinter der Shanghai Yiqian Trading Company?

Über die Shanghai Guo Qing Investment Company, deren rechtlicher Vertreter Zhu Qing Hauptanteilseigner der Hahn-Käufer ist, erfährt man ebenfalls nicht viel. Die deutschen Experten für die chinesische Wirtschaftswelt in Shanghai, die unter anderem chinesische Unternehmen für deutsche Investoren evaluieren, kennen diese Investmentgesellschaft nicht.

Auch Guo Qing ist im Netz nicht zu finden. Das alles ist höchst ungewöhnlich für chinesische Verhältnisse.

Gutachten kann Aufschluss geben

Das Shanghaier Büro der Wirtschaftsprüfer der KPMG nahm die beiden Unternehmen im Auftrag der Mainzer Landesregierung unter die Lupe. Das Gutachten ist allerdings vertraulich.

Lediglich die Landtagsabgeordneten in Mainz dürfen jetzt reinschauen. Und werden sicher mit besonders kritischem Blick darauf achten, auf welcher Grundlage KPMG die beiden Unternehmen für seriös erklärt hat.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 22. Juni 2016 um 05:50 Uhr

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