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Getriebe und Motor von VW in China kopiert

Patentklau durch den eigenen Partner?

Wenn Chinesen deutsche Autos zu kopieren versuchten, dann gelang das bisher nur beim Design und nicht bei der Technologie unter der Kühlerhaube. Damit ist es wohl vorbei. Ausgerechnet Volkswagen, Marktführer bei den Pkw in China, ist offenbar schon seit zwei Jahren Zielscheibe von Patentdiebstahl. FAW, die eigene chinesische Partnerfirma, soll ein Getriebe und einen Motor von VW nachgebaut haben.

Von Astrid Freyeisen, BR

"Das ist eine Katastrophe", zitiert das "Handelsblatt" einen hochrangigen Manager von Volkswagen. Es gehe um Kerntechnologie. Die Chinesen bauen offenbar ein VW-Getriebe nach, um den Wolfsburgern in Russland Konkurrenz zu machen. Der zweite Fall von Werkspionage, nachdem sie angeblich sogar eine Fabrik errichtet haben, um mit illegal genutzten Konstruktionsplänen einen Motor aus Golf und Polo zu kopieren.

VW Opfer von Werkspionage in China?
A. Freyeisen, BR
27.07.2012 16:09 Uhr

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FAW seit 24 Jahren Partnerfirma

Jörg Rudolph vom Ostasienzentrum der Fachhochschule Ludwigshafen hatte so etwas schon seit Monaten kommen sehen: "Wer Geschäfte machen will, der muss seine Blaupausen vorlegen und alles aufdecken. Für die Autobauer heißt das, dass man in China weiter daran interessiert ist, diese Techniken für sich abzugreifen. Daran wird sich sicher nichts ändern. Ich sehe in der chinesischen Haltung eine Entwicklung zur Hybris, kann man fast schon sagen. Man tut sich keinen Zwang mehr an. Als Wirtschaftsunternehmen haben Sie keine Möglichkeit. Sie können nur draußen bleiben. Dann trifft das wirtschaftliche Grundgesetz, Paragraph 2, in Kraft: Wenn wir es nicht machen, macht es jemand anderes."

Ein Arbeiter reinigt das Firmenschild eines Volkswagen Autohauses in der Nähe von Schanghai (Archivbild)
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VW ist seit Jahren in China präsent - bislang mit großem Erfolg.

Ursprung der Werkspionage im Fall VW ist das Staatsunternehmen FAW in Changchun, seit 24 Jahren Partnerfirma von Volkswagen. Die chinesische Regierung zwingt ausländische Autobauer dazu, solche Joint Ventures einzugehen.

Mit Hilfe westlicher Lehrmeister will man eigene starke Marken kreieren - bislang erfolglos, wie Jochen Siebert, Automobil-Analyst aus Schanghai, erklärt: "Es kam einfach nicht zu diesem Know-How-Übertrag. Manche Unternehmen wollen das auch gar nicht. FAW ist zum Beispiel als typisches Staatsunternehmen, das sich jetzt einfach zurücklehnt und sagt: Wir verdienen hervorragendes Geld mit VW, mit Toyota, mit GM - warum sollen wir uns groß anstrengen? Die nehmen also Fahrzeuge ihrer Partner, machen ihr eigenes Logo drauf und verkaufen die. Dabei lernt man natürlich gar nichts. Aber letzten Endes sagt sich ein FAW-Mann: Ich bin jetzt hier drei Jahre und gehe dann in ein ganz anderes Staatsunternehmen. Die meisten kennen sich gar nicht aus mit der Automobilindustrie."

"Der politischen Macht in China kann sich keiner entziehen"

Soweit die bisherige Situation. Doch der illegale Technologietransfer bei Volkswagen ist eine ganz neue Dimension. Und wenn ein mächtiger Staatsbetrieb wie FAW der Gegner ist, könnten Klagen auf Patentschutz erfolglos bleiben. Doch das ist nicht das einzige Problem, sagt Jörg Rudolph von der FH Ludwigshafen: "Man muss einfach die Praxis sehen. Da gibt es dann einen Investor in Schanghai oder irgendwo. Und dann gibt es gesellschaftliche Gelegenheiten. Da kommt der Bürgermeister oder der Parteisekretär und sagt auf einmal: 'Ach, wollen Sie nicht ein Forschungsentwicklungszentrum gründen? Wir haben hier ein schönes Grundstück für Sie.' Und dann sagt er vielleicht: 'Nein.' Oder 'Wir überlegen mal.' Und im nächsten Jahr kommt der halt wieder, und nochmal und nochmal, und irgendwann sind sie einfach dran. Und dem Zugriff der politischen Macht in China kann sich keiner entziehen."

Autobauer haben kaum Spielraum

Produktion eines VW in China
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Unter den nachgebauten Teilen soll auch ein VW-Polo-Motor sein.

Auch andere Branchen kennen die Probleme. Schon allein deshalb würde Hans-Peter Stihl neue Motorsägen seiner Waiblinger Traditionsfirma nie in China entwickeln lassen. Und er geht noch weiter: "Wir stellen zum Beispiel keine Leute ein, wo wir vermuten könnten, dass die aus irgendwelchen Ländern kommen, wo solche Nachbauten gerne gemacht werden. Wir haben auch entsprechende Sicherheitsvorkehrungen in unserer Entwicklungsabteilung in Deutschland - und wir entwickeln nur in Deutschland."

Autobauer haben keinen solchen Spielraum, denn China ist der weltweit größte Markt. Der Parteichef der KP von Kunshan bei Shanghai schätzt: "In 15 Jahren wird ein Großteil unserer Automobilindustrie deutschen Ursprungs sein. Dagegen sollten sich die Deutschen nicht wehren. Die Konzernzentralen werden ja noch in Deutschland sein. Auf diese Weise können die Deutschen doch auch viel Geld verdienen."

Stand: 27.07.2012 17:26 Uhr

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