Fischfang in der Ostsee | Bildquelle: picture alliance / Stefan Sauer/

EU-Fangquoten für 2018 Sorgen um Hering und Aal

Stand: 10.10.2017 11:31 Uhr

Die EU einigt sich auf neue Fangquoten für die Ostsee - und es gibt Kritik. Fischer kritisieren, dass die Einschnitte wirtschaftlich zu gravierend seien, Umweltschützern gehen Reduzierungen nicht weit genug. Sorgen machen vor allem Hering und Aal.

Von Karin Bensch, ARD-Studio Brüssel

Müde Gesichter nach 20 Stunden Verhandeln. So lange hat es gedauert, bis sich die EU-Minister auf einen Kompromiss bei den Fischfangquoten für die Ostsee im kommenden Jahr einigen konnten. Der estnische Umweltminister Siim Kiisler - Estland hat derzeit als Ratspräsidentschaft den Hut in der EU auf - konnte sich trotz aller Müdigkeit einen kleinen Scherz nicht verkneifen. "1964 hat es 40 Stunden gedauert, bis es eine Einigung gab. Da sind wir doch heute viel schneller gewesen", sagte Kiisler mit einem Schmunzeln.

Fangquote für Hering um 39 Prozent gesenkt

Gestritten wurde vor allem um den Hering. Die EU-Kommission hatte vorgeschlagen, dass die Fangquote für den Hering in der westlichen Ostsee um 54 Prozent gekürzt werden soll. Doch damit konnte sich die Brüsseler Behörde nicht durchsetzen. Die Fangquote wird lediglich um 39 Prozent gesenkt. Das hatten Wissenschaftler auch so empfohlen.

Hier konnte sich offenbar Deutschland durchsetzen, denn der Hering in der westlichen Ostsee ist für deutsche Fischer sehr wichtig. Die notwendigen Kürzungen seien schmerzlich für die deutschen Ostseefischer, sagte Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt.  Eine langfristige wirtschaftliche Perspektive für die Ostseefischerei werde jedoch nur durch gute Bestände gesichert.

Balten setzen sich beim Dorsch durch

Beim Dorsch in der östlichen Ostsee haben sich dagegen offenbar die Balten durchgesetzt. Statt um 28 Prozent wird die Dorsch-Fangquote lediglich um acht Prozent gekürzt. Dieser Kompromiss trägt vor allem den vielen kleinen Fischereibetrieben Rechnung, sagt Karmenu Vella aus Malta, der in der EU-Kommission für Umwelt und Fischerei zuständig ist.

Gefangener Dorsch liegt in einer Kiste | Bildquelle: picture alliance / dpa
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Statt um 28 Prozent wird die Dorsch-Fangquote lediglich um acht Prozent gekürzt.

Die Fangmengen für den Dorsch in der westlichen Ostsee bleiben dagegen unverändert im Vergleich zum Vorjahr, was vor allem deutsche Fischer betrifft. "Ich bin überzeugt, dass dieser hart umkämpfte Kompromiss die richtige Balance zwischen den Bedürfnissen unserer Fischer und der nachhaltigen Schonung unserer Fischbestände herstellt", sagte der estnische Umweltminister Kiisler.

Kritik von Greenpeace

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace kritisiert dagegen die zahlreichen, abgesenkten Fischfangquoten. Die europäischen Fischereiminister erlaubten auch im kommenden Jahr zu hohe Fangmengen. Besonders tragisch werde sich dies auf die Aal-Bestände auswirken.

Um den Aal in der Ostsee vor dem Aussterben zu bewahren, sei ein Fangverbot die einzige Möglichkeit, meinen die Umweltschützer. Doch das wird es erst einmal nicht geben. Das Aalfangverbot für die Ostsee ist zunächst vom Tisch. Die EU-Kommission hatte das vorgeschlagen, weil sich ihrer Ansicht nach die Aalbestände in einem sehr kritischen Zustand befinden.

Proteste gegen Aalfangverbot

Protest gegen das Aalfangverbot für Berufs- und Hobbyfischer gab es nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus Polen und den baltischen Staaten. Statt den Fang von Aalen nur in der Ostsee komplett zu verbieten, soll nun an einer gesamteuropäischen Lösung gearbeitet werden, sagte EU-Fischereikommissar Vella.

In diese gesamteuropäische Lösung soll neben der Ostsee auch die Nordsee und der Atlantik einbezogen werden. Kurz vor Weihnachten wollen die Landwirtschaftsminister darüber entscheiden, wie es mit dem Schutz des Aals in Europa weiter gehen soll.

Fangquoten für die Ostsee: Weniger Einbußen beim Hering, kein Aalfangverbot
K. Bensch, ARD Brüssel
10.10.2017 11:12 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10. Oktober 2017 um 12:00 Uhr.

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