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Mit der Entscheidung des Verwaltungsrats von General Motors, Opel nun in eigener Regie zu restrukturieren und im Konzern zu behalten, hat in Deutschland kaum jemand gerechnet. Die Bundesregierung bedauert diesen Schritt. Damit sei ein Investorenprozess abgebrochen worden, der über einen Zeitraum von mehr als sechs Monaten von allen Beteiligten - einschließlich GM - intensiv geführt wurde, erklärte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm in der Nacht. Das bis zuletzt auch von GM favorisierte Konzept von Magna und der Sberbank habe eine überzeugende industrielle Logik.
Die Bundesregierung erwarte nun, dass GM den Konzern Opel in seiner Leistungsfähigkeit stärkt, die erforderlichen Anpassungen auf ein unverzichtbares Mindestmaß begrenzt und die Brückenfinanzierung von 1,5 Milliarden Euro fristgerecht zurückzahlt.
[Bildunterschrift: Die Opel-Entscheidung dürfte Merkels Freude über die gelungene Rede vor dem US-Kongress getrübt haben. ]
Bundeskanzlerin Angela Merkel habe Wirtschaftsminister Rainer Brüderle gebeten, heute im Kabinett zum Thema Opel zu berichten, teilte Wilhelm weiter mit. Merkel, die sich über Monate persönlich für Magna stark gemacht hatte, erhielt die Nachricht aus Detroit auf ihrem Rückflug von Washington nach ihrer Rede vor dem US-Kongress.
Hessens Ministerpräsident Roland Koch, in dessen Bundesland das Opel-Stammwerk Rüsselsheim liegt, reagierte erzürnt: "Ich bin sehr betroffen und zugleich verärgert", dass die monatelangen Bemühungen für Opel Europa eine möglichst gute Lösung zu finden, an GM gescheitert sind." Der CDU-Politiker macht sich nach eigenen Angaben "angesichts der negativen Erfahrungen der letzten Jahre mit der Unternehmenspolitik von GM große Sorgen um die Zukunft des Unternehmens und seiner Arbeitsplätze".
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Der Chef des Opel-Gesamtbetriebsrats, Klaus Franz, sieht durch die Entscheidung des US-Mutterkonzerns die Werke in Bochum Kaiserslautern und Antwerpen von der Schließung bedroht. Nun sei "der alte GM Plan wieder auf dem Tisch", sagte Franz. Das bedeute, dass die drei Werke "akut gefährdet sind". Die Arbeitnehmer würden nun alle Zusagen über Einsparungen zurückziehen und zunächst über das weitere Vorgehen beraten, so Franz weiter.
Im Falle einer Übernahme durch Magna wären die Arbeitnehmer bereit gewesen, durch Lohnverzicht 265 Millionen Euro pro Jahr zur Restrukturierung von Opel beizutragen.
[Bildunterschrift: Was wird jetzt aus den deutschen Opel-Werken? ]
Der Betriebsratschef des Bochumer Opel-Werkes, Rainer Einenkel, hofft trotz der Entscheidung in Detroit auf einen Erhalt der deutschen Standorte: "Ohne Opel hat GM keine Zukunft in Europa. Ich gehe davon aus, dass sie auch die Werke brauchen", sagte er der in Essen erscheinenden "Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung". Einenkel wies darauf hin, dass der zweite Rettungsplan, den GM im Frühjahr der Bundesregierung vorgelegt hatte, einen Erhalt der deutschen Standorte vorsehe. Die "Hängepartie" sei allerdings "unerträglich" für die Beschäftigten. "Wir brauchen endlich Klarheit."
Dagegen bezeichnete Magna-Vorstandschef Siegfried Wolf die Kehrtwende von GM als nachvollziehbar. Es sei verständlich, dass der Verwaltungsrat zu dem Schluss gekommen sei, Opel im besten Interesse des Unternehmens zu behalten, erklärte Wolf. Die deutsche Tochter spiele eine wichtige Rolle in der weltweiten Organisation des Konzerns. Magna wolle auch künftig mit GM zusammenarbeiten.
Die Opel-Treuhand, die zur Verwaltung der Opel-Anteile ins Leben gerufen wurde kurz bevor GM in Gläubigerschutz ging, muss dem Beschluss des GM-Verwaltungsrats nicht zustimmen. Sie nahm die Entscheidung "zur Kenntnis". Der Vorsitzende des Treuhandbeirats, Fred Irwin, sagte: "Ich hoffe, auch im Interesse der Beschäftigten bei Opel, dass dieser Beschluss Opel zu neuer wirtschaftlicher Stabilität verhilft". Die Treuhand verwaltet 65 Prozent von Opel; die restlichen 35 Prozent liegen bei GM.
Beobachter in Europa trauen GM nicht zu, die Opel-Sanierung finanziell stemmen zu können. Armin Schild, IG-Metall-Bezirksvorsitzender in Frankfurt am Main und Opel-Aufsichtsratsmitglied, hatte kürzlich davor gewarnt, dass Opel unter dem Dach von GM die Pleite drohe.
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