Zur Haupt-Navigation der ARD.
Zum Inhalt.
In Deutschland läuft die Opel-Belegschaft Sturm gegen den Verbleib beim US-Mutterkonzern General Motors. An anderen europäischen Standorten freuen sich die Beschäftigten teilweise über die Entscheidung gegen den Verkauf an Magna. ARD-Korrespondenten haben Eindrücke gesammelt.
Von Ludger Kazmierczak, ARD-Hörfunkstudio Warschau
[Bildunterschrift: Mit der Produktion des neuen Opel Astra hofft das polnische Werk auf Sicherheit für seine Arbeitsplätze. ]
Im polnischen Opel-Werk Gleiwitz wird seit Dienstag der neue Astra gebaut. Bis Ende dieses Jahres sollen stündlich 25 Autos vom Band laufen. Die Mitarbeiter sind alles andere als streiklustig. Im Gegenteil: Sie glauben, dass ihre Arbeitsplätze sicherer sind, wenn General Motors das Sagen hat.
Von Anfang an hatte es in Polen Bedenken hinsichtlich des Opel-Magna-Deals gegeben. Zum einen, weil in der Diskussion um die Zukunft der Marke mit dem Blitz immer nur über die Standortsicherung in Deutschland geredet wurde. Zum anderen, weil zum Investoren-Konsortium auch die russische Staatsbank gehören sollte. Und beim Stichwort Russland schrillen überall in Polen sofort die Alarmglocken. Außerdem seien erste Gespräche zwischen Opel Polska und Magna für die Mitarbeiter nicht befriedigend verlaufen, heißt es aus Gewerkschaftskreisen. Dann also doch lieber die Amerikaner.
Von Birgit Schmeitzner, BR-Hörfunkstudio Brüssel
[Bildunterschrift: Das Opel-Werk in Antwerpen steht vor dem Aus. ]
Am belgischen Standort Antwerpen standen heute früh zwischen ein und zwei Uhr die Bänder still - und auch die Nachmittagsschicht legt kurzzeitig die Arbeit nieder. In dieser Zeit wollen die Gewerkschaften die Arbeiter informieren, wie es nach der Absage des Magna-Deals weitergeht. Wobei: Eigentlich hat sich nichts geändert. GM will Antwerpen dicht machen, gleiches wäre auch mit Magna passiert.
Die gestrige Krisensitzung der flämischen Regierung war denn auch geprägt von Zweckoptimismus. Da hieß es: "Wir lassen uns von GM nicht vor vollendete Tatsachen stellen." Man sucht den Kontakt, will den Amerikanern einen Businessplan vorlegen.
Dieser Plan schlägt vor, nach dem auslaufenden Astra-Modell auf die Produktion von SUVs zu setzen - also geländegängige Autos. Für das Umrüsten der Montagebänder würde Flandern einen dreistelligen Millionenbetrag bereitstellen - wenn so das Werk mit seinen rund 2500 Beschäftigten gerettet werden könnte.
Von Reinhard Spiegelhauer, ARD-Hörfunkstudio Madrid
[Bildunterschrift: Die spanischen Arbeiter wollen nicht hinter die Verhandlungsergebnisse mit Magna zurückgehen. ]
In Spanien ist man vorsichtig optimistisch. GM kenne die Vorzüge des Werkes in Figueruelas genau. Die Lage für die spanischen Opel-Arbeiter dürfe sich auf keinen Fall verschlechtern, stellte der spanische Industrieminister Miguel Sebastian klar. Man werde "nicht ins Starthäuschen zurückgehen", so der Minister wörtlich.
Bei den Verhandlungen mit Magna sei immer auch ein Vertreter von GM dabei gewesen. Die Ausgangssituation für die Verhandlungen könnten daher nur die Vereinbarungen mit dem österreichisch-kanadischen Investor sein.
Gewerkschaften und Betriebsrat hatten in wochenlangen Verhandlungen enorme Zugeständnisse für das Werk in Spanien erreicht. Statt 2000 - wie ursprünglich im Gespräch - sollten am Ende nur 900 Beschäftigte ihren Job verlieren. Der Bestand zweier Produktionslinien und die Produktion eines neuen Modells bei Saragossa waren genauso festgeschrieben worden wie der Verbleib großer Teile der Corsa-Produktion, um die man mit dem deutschen Werk in Eisenach konkurriert.
Die Landesrundfunkanstalten der ARD: BR, HR, MDR, NDR, Radio Bremen, RBB, SR, SWR, WDR,
Weitere Einrichtungen und Kooperationen: ARD Digital, ARTE, PHOENIX, 3sat, KI.KA, DLF/ DKultur, DW