Seitenueberschrift
Konzernchef will neues Konzept vorlegen
Opels Hoffen auf die Trendwende
Wie kommt Opel aus den roten Zahlen? Konzernchef Stracke will dazu heute ein neues Konzept vorlegen. In den kommenden zwei Jahren sollen 14 Milliarden Euro in neue Modelle gesteckt werden. Doch Opel hat vor allem ein Problem mit seinem Image - und das lässt sich nur schwer aufpolieren.
Von Herbert Stelz, HR
Hat Opel überhaupt noch eine Zukunft? Die einst in Deutschland führende Marke hat in den vergangenen 15 Jahren kontinuierlich an Bedeutung im deutschen Automarkt verloren. Der Marktanteil halbierte sich von 16 Prozent in 1996 auf jetzt rund acht Prozent. Im europäischen Markt liegt er bei nur sechs Prozent.
Die meisten Beobachter sind sich einig, dass dieser Rückgang vor allem das Ergebnis von hausgemachten Managementfehlern ist, die wiederum in erster Linie von der amerikanischen Mutter General Motors (GM) zu verantworten sind.
Der jetzige amerikanische Aufsichtsratsvorsitzende Stephen Girsky fasste das kürzlich sarkastisch zusammen: "Die Geschichte von GM in Europa - das ist ein Haufen Amerikaner, die versuchen, deutsche Autos an Franzosen zu verkaufen und sich wundern, warum das nicht funktioniert."
Herbert Stelz (HR) zu den Opel-Sanierungsplänen
tagesschau 14:00 Uhr, 28.06.2012
14 Milliarden Verlust in den vergangenen zehn Jahren
GM hat mit seinem europäischen Engagement mit Opel und Vauxhall in den vergangenen zehn Jahren 14 Milliarden Dollar verloren. Hinzu kommt nun die europäische Wirtschafts- und Finanzkrise, die den Markt für Neuwagen um 20 bis 25 Prozent haben schrumpfen lassen. Das hat bei allen Volumenherstellern zu erheblichen Überkapazitäten geführt, bei Opel werden diese auf etwa 60 Prozent geschätzt.
Von daher ist es verständlich, wenn GM fordert, dass etwa der Umsatzträger Astra nur noch in zwei statt drei Werken gebaut werden soll. Die Wahl fiel auf das Werk im britischen Ellesmere Port und das im polnischen Gleiwitz. Das Stammwerk in Rüsselsheim verliert seinen Astra-Anteil. Gleichzeitig jedoch versichert die Opel-Spitze, dass Rüsselsheim seine Bedeutung mit noch immer fast 14.000 Mitarbeitern behalten solle.
Kenner befürchten seitdem, dass die Produktion des bislang noch im Werk Bochum gebauten Vans Zafira nach Rüsselsheim verlagert werden könne. Immer wieder war in der Vergangenheit das am wenigsten modernisierte Werk Bochum auf der Hitliste für Werksschließungen.
Drei neue Motorengenerationen sollen auf den Markt
Nun will Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke dem Aufsichtsrat sein endgültiges Konzept vorstellen, mit dem Opel aus den roten Zahlen gesteuert werden soll. Bekannt ist bereits, dass in den nächsten zwei Jahren 14 Milliarden Euro in die Entwicklung neuer Modelle gesteckt werden sollen. In den nächsten 18 Monaten sollen allein drei neue Motorengenerationen auf den Markt kommen.
Eine solche Offensive fordert auch Armin Schild, als Chef des IG Metall-Bezirks Mitte zuständig für gleich drei Opel-Werke: Rüsselsheim, Eisenach und Kaiserslautern.
Schild, der auch bei Opel im Aufsichtsrat sitzt, fordert vor allem massive Anstrengungen, um das Markenimage wieder zu heben, das in der Vergangenheit durch viele Fehlentscheidungen des amerikanisch gegängelten Managements, aber auch durch die jahrelange Diskussion um Verkauf und Nichtverkauf von Opel auf einen Tiefpunkt gefahren worden sei.
Eine Sanierung könne nur mit einer selbstbewussten Belegschaft bewältigt werden, niemals gegen sie. Es sei wichtig, dass man die Marke Opel wieder mit Qualität und Design in Verbindung bringe, sagt Schild.
Dazu sei es nötig, dass Opel offensiv mit vielen Modellen auch in Nischen gehe, um mit allen Kräften seinen Marktanteil zu erhöhen. Das Image von Billigprodukten, die mit aggressiver Preispolitik vermarktet wurden, müsse verschwinden. Auf dem Gebiet der Technik habe Opel längst aufgeholt, die Botschaft müsse jedoch auch an den Kunden gebracht werden. Das Unternehmen befinde sich in einer "sehr sensiblen Phase", erklärt der IG-Metaller.
Arbeitnehmer verstehen sich als "Co-Manager"
Daher verstehen sich Gewerkschaft und Betriebsrat auch keineswegs auf der Seite der Neinsager, sondern eher auf der des "Co-Managements". Es werde sicher auch um den Abbau von Arbeitsplätzen geben, dies jedoch nur im Rahmen der üblichen Fluktuation, nicht in Form von betriebsbedingten Kündigungen.
Bei der Entscheidung für Ellesmere Port und Gleiwitz sei es der Konzernleitung gelungen, europäische Standorte gegeneinander auszuspielen. Das werde bei den deutschen Standorten nicht gelingen. Hier gebe es nur eine IG Metall. Der Beitrag der Arbeitnehmer zur Sanierung sei bis 2014 festgeschrieben.
Die angekündigte Zusammenarbeit mit dem französischen Konzern PSA Peugeot Citroën sieht Schild positiv. Es sei nur sinnvoll, beim Einkauf zum Beispiel zu kooperieren. Zudem könne auch die Modellpalette auf diese Weise erweitert werden. Einen Zeitungsbericht, nach dem demnächst bereits der Peugeot 508 sowie der Citroën C5 in Rüsselsheim gebaut werden könnten, dementierte die Unternehmensleitung unmittelbar nach Erscheinen.
Wenn die Konzernleitung einen vernünftigen Plan vorlege, würden auch die Arbeitnehmer sich flexibel zeigen. Voraussetzung allerdings sei, dass eine Perspektive für alle deutschen Standorte formuliert werden könne, fügt Schild hinzu. Das Unternehmen brauche jetzt eine Trendwende, man müsse endlich aufhören, den sinkenden Marktanteilen hinterher zu sparen.
Die Frage, ob Opel überlebe, sei nach wie vor offen. Die Schlacht um die Zukunft von Opel werde jedoch in Europa gewonnen, nicht in Übersee. Da könne es durchaus sein, dass das Unternehmen sogar gestärkt aus der Eurokrise hervorgehe.
Stand: 28.06.2012 02:49 Uhr
