eine Öl-Raffinerie bei Basra, Irak | Bildquelle: REUTERS

Die OPEC und das Öl Das verkannte Kartell

Stand: 14.03.2016 13:16 Uhr

Der Höhepunkt der OPEC-Macht liegt Jahrzehnte zurück - damals konnte die Organisation noch Wirtschaftskrisen auslösen. Inzwischen sind einige Mitgliedsstaaten selbst in Schwierigkeiten geraten. Eine Schlüsselrolle spielt die OPEC dennoch.

Von Karla Engelhard, ARD-Studio Wien

Beim jüngsten OPEC-Treffen in Wien vor drei Monaten einigten sich die Mitgliedsländer darauf, dass sie sich nicht einigen. OPEC-Generalsekretär Abdalla Salem El Badri sprach von einem unklaren Bild und einer Verschiebung der Entscheidung über Fördergrenzen auf den kommenden Sommer. Von Journalisten mit der Frage bedrängt, ob die OPEC ihre Macht verloren habe, schob der Generalsekretär nach, dass die Organisation mächtiger sei als je zuvor.

Das Gebäude der OPEC in Wien (Archiv 2010) | Bildquelle: dpa
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Das OPEC-Gebäude in Wien (Archiv 2010) sieht im Vergleich zum Einfluss der Organisation recht unscheinbar aus.

In der OPEC kennt man sich

Die OPEC-Länder halten, unter Führung Saudi-Arabiens, die Förderquote weiterhin hoch und die Ölpreise dadurch niedrig. Johannes Benigni, international anerkannter Ölexperte vom österreichischen Broker- und Analysehaus JBC Energy, meint dazu: "Die OPEC ist sehr, sehr wichtig." Die Organisation könne durch eine Produktionsmaximierung oder -drosselung ein gewisses Überraschungspotenzial entfalten.

Die OPEC ist heute ein Zusammenschluss von Geschäftsleuten aus 13 Ländern, die teilweise schon seit Jahrzehnten im Ölgeschäft arbeiten und die trotz aller Differenzen ein Ziel haben: Mit Öl möglichst viel Geld für ihre Staaten zu verdienen.

Saudi-Arabien hat Reserven und Möglichkeiten

Alle OPEC-Staaten sind mehr oder weniger vom Ölpreis abhängig. "Saudi-Arabien hat genug Reserven, um das einige Jahre durchhalten zu können. Aber nicht alle anderen Länder haben die gleichen Reserven und die gleichen Möglichkeiten. Bei denen geht es ums Eingemachte, da geht es wirklich darum, ob diese Leute die derzeit oben sitzen, ihre Bevölkerung zufrieden halten können, damit die nicht auf die Straße gehen", erläutert Ölexperte Benigni.

Vor allem die Staatsfinanzen können rasch ins Wanken geraten, wie in Venezuela oder Algerien.

Die OPEC - Das verkannte Kartell
K. Engelhard, BR
14.03.2016 11:49 Uhr

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Zwischen Konkurrenz und Kooperation

Im Gründungsstatut der OPEC heißt es, die Organisation verpflichte sich, die Ölpolitik der Mitgliedsstaaten zu koordinieren, die Preise zu stabilisieren und den Staaten ein stetes Einkommen zu sichern. Doch die OPEC-Länder konkurrieren um Marktanteile und ihre Absprachen halten oft nicht lange.

Dennoch reguliere die OPEC den Ölmarkt für alle, ist Benigni überzeugt. "Es war im Großen und Ganzen in der OPEC in den vergangenen Jahren immer so, dass Saudi-Arabien, Kuwait und die Vereinigten Emirate bereit waren, den Markt zu balancieren." Die Staaten reduzierten Angebotsmengen. Die meisten anderen Mitgliedsstaaten und die Nicht-OPEC-Länder seien meist bei maximaler Produktion, so Benigni.

Die OPEC steckt im Dilemma

Die 13 ölexportierenden Länder der OPEC haben zusammen einen Marktanteil von etwa 40 Prozent. Rund 70 Prozent der heute bekannten Ölreserven sind unter ihrer Kontrolle.

Das Ölkartell ist nicht machtlos, doch es befindet sich in einem Dilemma: Kürzt es die Förderquote, treibt es die Preise nach oben und Marktanteile könnten verloren gehen. Tut die OPEC nichts, bricht bald das Gefüge der Staatsfinanzen etlicher OPEC-Länder auseinander und Unruhen drohen. Doch die OPEC war bisher immer für eine Überraschung gut.

Vor der OPEC-Sitzung mit Russland berichten ARD-Korrespondenten in loser zeitlicher Reihenfolge über die Auswirkungen des niedrigen Ölpreises:

Dieser Beitrag lief am 14. März 2016 um 17:19 Uhr im Deutschlandfunk.

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