Erdölförderung | Bildquelle: dpa

OPEC-Treffen Aussitzen statt drosseln?

Stand: 30.11.2016 03:31 Uhr

Die Ölproduzenten fördern noch immer, was die Pumpen hergeben. Zwar liegt für das heutige OPEC-Treffen ein informeller Beschluss zur Drosselung vor. Doch es gilt als zweifelhaft, ob sich die Minister darauf einigen.

Von Carsten Kühntopp, ARD-Studio Kairo

Es ist ein wichtiges Signal vor dem OPEC-Treffen: Bislang hatte der Irak Förderkürzungen skeptisch gesehen - doch jetzt teilte Ministerpräsident Haider al-Abadi mit: "Ja, wir haben zugestimmt, die Produktion zu senken. Das macht der Irak, weil das gegenwärtige Ölpreisniveau unangemessen ist - und für uns und andere Länder nicht tragfähig. Deshalb sind wir bereit, unseren Teil zu tun, indem wir unsere Produktion kürzen. Andere sollten sich dazu ebenfalls verpflichten."

Übersättigte Märkte

Noch immer fördern die Ölproduzenten, was die Pumpen hergeben. Doch die Märkte sind übersättigt, die Weltkonjunktur zieht kaum an. Die Preise hängen deshalb bei etwa 45 bis 50 Dollar pro Fass fest, gerade mal halb so viel, wie vor zwei Jahren.

Die Folge: Saudi-Arabien und Kuwait haben plötzlich Haushaltsdefizite, praktisch alle Ölmonarchien am Golf führen Steuern ein und senken Subventionen für Benzin, Wasser, Strom und Nahrungsmittel. Und noch viel schlimmer ist die Lage in Venezuela, wo es Engpässe bei der Versorgung mit Lebensmitteln gibt.

Nun liegt eine informelle Einigung in Wien auf dem Tisch, als Beschlussvorlage: Die Förderung soll 32,5 bis 33 Millionen Fass am Tag nicht überschreiten. Als die OPEC-Länder das im September verabredeten, kam es einem Einfrieren der Produktionsmenge gleich. Doch weil die Förderung seitdem nochmal gestiegen ist, wäre das nun sogar eine leichte Senkung.

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"Gut beraten, die Produktion zu senken"

Für den irakischen Regierungschef Abadi ist klar: "Nach unserer Kalkulation bringt jeder Anstieg des Preises um einen Dollar pro Fass eine zusätzliche Milliarde Dollar in unseren Haushalt. Deshalb denke ich, dass wir gut beraten sind, die Produktion zu senken und den Preis steigen zu lassen."

Doch ob die Öl-Minister der OPEC-Staaten die informelle Einigung jetzt offiziell beschließen, ist zweifelhaft. Dass der Irak seine Haltung unerwartet änderte, könnte zwar ein positiver Impuls sein. Aber vor allem der Konflikt zwischen den regionalen Erzrivalen Saudi-Arabien und Iran dürfte die Dynamik der Verhandlungen in Wien bestimmen.

Iran will mehr fördern

Nach dem Ende der internationalen Sanktionen will der Iran seine Produktion weiter steigern, um verloren gegangene Marktanteile zurückzuerobern. Aus iranischer Sicht muss es jetzt an den Saudis sein, ihre Produktion deutlich zurückzufahren - schließlich habe Saudi-Arabien von den Strafmaßnahmen gegen den Iran profitiert, indem es seine Förderung steigerte und so Marktanteile errang.

Umgekehrt wollen die Saudis ihre Position am Markt unbedingt halten. Und die niedrigen Preise können sie besser verkraften als der Iran. Deshalb sinnierte der saudische Ölminister kürzlich, dass es vielleicht das Beste wäre, jetzt nichts zu tun - sondern einfach auf ein Anziehen der Nachfrage zu warten.

Fachleute schließen nicht aus, dass es dennoch eine Einigung in Wien gibt - aber als wahrscheinlich gilt das nicht.

OPEC feilscht um Produktionskürzung
C. Kühntopp, ARD Kairo
29.11.2016 17:52 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandradio Kultur am 30. November 2016 um 07:11 Uhr

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