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10.02.2010

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HSH Nordbank Zocken
Das Protokoll des Omega-Skandals
Das Protokoll des Omega-Skandals

E-Mails verraten HSH Nordbank

Der letzte Buchstabe des griechischen Alphabets: Omega. Spätestens seit dieser Woche ist er auch Synonym für einen Katastrophendeal, der die HSH Nordbank fast in den Ruin führte. Der gesamte Vorstand der Landesbank hatte dieses Geschäft mit hochriskanten Wertpapieren genehmigt- und die Bankenaufsicht Bafin wurde nicht informiert. Nachdem der NDR den Omega-Skandal in dieser Woche bekannt gemacht hatten, hieß es aus der Bank, man habe damals nur übersehen, das Geschäft der Aufsicht zu melden. Doch vorliegende Dokumente und bankinterne E-Mails sprechen eine andere Sprache.

Von Jürgen Webermann und Peter Hornung, NDR

Das Jahr 2007, es ist die Woche vor Weihnachten. Die HSH Nordbank braucht dringend Geld, an Silvester geht auch das Geschäftsjahr zu Ende- und die Bank sitzt auf einem Berg von Immobilienkrediten, die viel eigenes Kapital binden zur Absicherung des Risikos. Geld, das man anderswo dringend braucht. Man will die Immobilienkredite losschlagen, koste es, was es wolle. Es geht um Milliarden.

Montag, 17. Dezember

Logo der HSH Nordbank (Foto: AP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: "Wir beabsichtigen nicht, die BaFin über diesen Deal zu informieren" - hektischer E-Mail-Verkehr bei der HSH Ende 2007. ]
An diesem Tag erhalten die HSH-Vorstände Entscheidungsvorlagen. Zwei Geschäfte sollen genehmigt werden: der Verkauf von Immobilienkrediten an die französische Großbank BNP Paribas und die Einrichtung einer Zweckgesellschaft namens "Omega 55", einer Scheinfirma mit Sitz im irischen Dublin. Der Hintergrund: Die HSH will nur so tun, als ob sie ihre ungeliebten Immobilienkredite los würde. Man macht mit den Franzosen ein Kreislaufgeschäft, das Risiko würde durch die Hintertür wieder zurückkommen, und die Landesbank soll auch noch hochriskante Wertpapiere übernehmen. Die Vorstände Rieck und Strauß unterschreiben noch am gleichen Tag. Aus Riecks Ressort stammen die ungeliebten Kredite.

Mittwoch, 19. Dezember

An diesem Tag zeichnet neben Vorstandschef Hans Berger auch Dirk Jens Nonnenmacher gegen, damals zuständig für Finanzen und stellvertretend auch für Risikomanagement. Wie seine Kollegen unterschreibt Nonnenmacher, obwohl sich die eigenen Risikoexperten sich über die unangemessen kurze Zeit für die Beurteilung eines so komplexen Geschäftes beschweren.

Donnerstag, 20. Dezember

Ein Schreiben der Bankenaufsicht BaFin geht bei der HSH ein. Sie verlangt ultimativ Aufklärung über die Milliardenverkäufe, von denen sie aus der Presse Wind bekommen hat. Wenn die BaFin aber von "Omega 55" erfahre, darauf haben schon die bankeigenen Risikoexperten hingewiesen, könnte das Scheingeschäft platzen: Die BaFin könnte vorschreiben, dass die HSH das dringend benötigte Geld weiterhin als Risikovorsorge zurücklegen muss. Es wird hektisch in der Landesbank.

20. Dezember, 15.24 Uhr

Eine E-Mail der Londoner Filiale der BNP Paribas geht ein. Die Franzosen verlangen, dass die HSH sich dazu verpflichtet, den Deal der BaFin zu melden.

20. Dezember, 16.04 Uhr

E-Mail Rechtsabteilung an Filiale London, mit Kopien an Kapitalmarktvorstand und Justiziar, Betreff: BNP-Geschäft, ÄUSSERST EILIG. "Wir sollten jegliche feste Verpflichtung bei dieser Sache vermeiden, da wir nicht beabsichtigen, die BaFin über diesen Deal zu informieren." Doch die Londoner HSH-Banker weisen noch einmal ausdrücklich auf die Forderung der Franzosen hin.

20. Dezember, 16.39 Uhr

E-Mail London an Rechtsabteilung: "Grundsätzlich wollen sie von uns, dass wir einwilligen, der BaFin nächstes Jahr die Details zu schicken." Dennoch: die Anweisung aus Hamburg gilt. Den Franzosen ruhig zusagen, dass man die BaFin informieren werde, aber kein Sterbenswort zur Bankenaufsicht zu sagen.

Dossier:

HSH Nordbank Zocken
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21. Dezember

Die HSH-Filiale in London schickt der örtlichen Filiale der BNP Paribas eine schriftliche Erklärung. Die Landesbank geht darin weitreichende Verpflichtungen ein, was ihr Verhalten bei den Transaktionen angeht: "Wir werden allen Regelungen, Vorschriften und Abläufen nachkommen, die von der BaFin auferlegt werden. Insbesondere wird unsere interne Regulierungsabteilung einen detaillierten Bericht über die Transaktionen vorbereiten, um ihn der BaFin vorzulegen." Ernst gemeint ist das aber nicht, wie sich drei Wochen später herausstellt.

Schreiben der HSH an   Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Schreiben der HSH an die BNP Paribas in London vom 21.12.07 ]

Freitag, 11. Januar 2008

Alles, worauf sich die HSH in dem Brief an den Geschäftspartner BNP verpflichtet hat, scheint vergessen: Die Zentrale der Landesbank schickt der BaFin eine Aufstellung verschiedener Immobilienkreditgeschäfte. "Nach Auswertung der Ihnen vorliegenden Unterlagen (…) haben sich noch einige Fragen ergeben, die wir mit diesem Schreiben gern beantworten."

Doch "Omega 55" fehlt in der Aufstellung. BNP Paribas erhält, wie vertraglich vereinbart, eine Kopie dieses Schreibens. Die Geschäftspartner merken aber schnell, dass die HSH ihre Zusage nicht eingehalten hat, "Omega 55" zu melden. Sie beschweren sich bitter. Das Geschäft mit den Immobilienkrediten wird später auf Drängen von BNP Paribas rückgängig gemacht. Nur auf den stark im Wert gesunkenen toxischen Wertpapieren bleibt die HSH sitzen. Die wollen die Franzosen nicht wiederhaben.

Stand: 17.10.2009 06:00 Uhr
 

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