Finanzministerium erhält Zugriff auf Offshore-Daten

Offshore-Leaks (Bildquelle: picture-alliance / dpa)

Weltweite Steuerhinterziehung

Bund kann Offshore-Daten auswerten

Die USA, Großbritannien und Australien wollen gemeinsam Daten über Steuerhinterziehung auswerten. Auch das Bundesfinanzministerium erhält Zugriff auf das Material, das mit den "Offshore-Leaks"-Enthüllungen zusammenhängt.

Von Jürgen Webermann und Benedikt Strunz, NDR

Der Schlag gegen die Steueroasen hatte auch Finanzbehörden weltweit überrascht: Als Journalisten in 46 Ländern vor gut einem Monat geheime Geschäfte in Steuerparadiesen enthüllten, war die weltweite Aufregung groß. Denn in einem einzigartigen Projekt war es den beteiligten Zeitungen, Radio- und Fernsehsendern gelungen, Informationen aus einem gigantischen Datenleck auszuwerten. In Deutschland waren der Norddeutsche Rundfunk und die "Süddeutsche Zeitung" beteiligt.

Das Steueroasen-Netzwerk des Gunther Sachs, die Machenschaften der Deutschen Bank - die Recherchen sorgten umgehend auch für politischen Zündstoff, bis hin zur Forderung der Bundesregierung, dass die beteiligten Journalisten die Daten herausgeben sollten. Doch das lehnten NDR und "Süddeutsche Zeitung" ab unter Berufung auf den Quellenschutz.

Großbritannien erhielt Datensatz zugespielt

Jetzt haben die Fahnder allerdings eine Möglichkeit zu ermitteln. Denn die britischen Behörden bekamen eigenen Angaben zufolge einen 400 Gigabyte großen Datensatz zugespielt - also noch umfangreichere Informationen als die, die Journalisten in monatelanger Kleinarbeit ausgewertet hatten. Die britischen Behörden kündigten an, das Datenmaterial gemeinsam mit Kollegen aus den USA und Australien auszuwerten.

Vor allem gehe es um Geschäfte auf den Britischen Jungferninseln, den Cook-Inseln und den Cayman-Inseln. Ein großer Teil der Daten sei identisch mit den "Offshore-Leaks"-Daten. Der angelsächsischen Zusammenarbeit werde sich auch die Bundesregierung anschließen, bestätigte das Bundesfinanzministerium in Berlin. Damit erhalten auch deutsche Steuerfahnder Einblick in das Material und könnten gegebenenfalls ermitteln.

Vermutlich mehr als 100 Deutsche betroffen

"Die konkrete Datenauswertung wird mit Unterstützung durch das Bundeszentralamt gerade bei der technisch aufwändigen Phase der Aufbereitung der Daten bei den zuständigen Bundesländern stattfinden", erklärte ein Sprecher des Bundesfinanzministerium auf Nachfrage von NDR Info. Insgesamt dürften weit mehr als 100 Deutsche in den Daten zu finden sein, wie bereits die Auswertung der "Offshore-Leaks"-Daten gezeigt hatte.

Weltweit hatte die Berichterstattung zahlreiche Prominente in Bedrängnis gebracht. In den Daten fanden sich unter anderem ein Wahlkampfhelfer des französischen Präsidenten François Hollande, die Frau des gerade entlassenen russischen Vizepremiers Igor Schuwalow, Schauspieler wie der Hauptdarsteller des Kinofilms "Crocodile Dundee", Paul Hogan, und Prominente aus weiteren Staaten.

Informationsaustausch gegen Steuerbetrüger

Seit den Enthüllungen hatten Staaten wie Luxemburg angekündigt, das Steuergeheimnis zu lockern. Die Bundesregierung hatte mit weiteren EU-Staaten einen umfangreichen Informationsaustausch verabredet. Ob es am Ende tatsächlich auf Grund der neuen Datensätze zu umfangreichen Ermittlungen kommen wird, ist offen.

Möglicherweise ist zumindest ein Teil der geheimen Offshore-Geschäfte legal. Allerdings betonte ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums auch, dass es darum gehe, die "sehr komplexen Strategien und Modelle" der Steuerhinterzieher aufzudecken und zu bekämpfen. Bereits die dem NDR vorliegenden Daten hatten einzigartige Einblicke in das System der Steueroasen geliefert.

Die Daten stammen von zwei Dienstleistungsfirmen, die die Gründung von Firmen oder Stiftungen zum Beispiel auf den Britischen Jungferninseln vermitteln. In den umfangreichen Datensätzen sind die Namen von 130.000 Steuerflüchtlingen aufgeführt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10. Mai 2013 um 20:00 Uhr.

Stand: 10.05.2013 15:35 Uhr

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